Unvergessene Serienhelden

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Da kamen Erinnerungen auf: Regisseur Michael Werlin, „Vera Drombusch“-Darstellerin Witta Pohl und Iris Stromberger, Tochter des Autors Robert Stromberger, in der Lengfelder „Bundenmühle“. Hier wurden die Außenaufnahmen gedreht, die Innenaufnahmen entstanden im Studio Hamburg.

Darmstadt-Dieburg - Am 1. Weihnachtsfeiertag 1983 lief die erste Folge von „Diese Drombuschs“ unter dem Titel „Alle Jahre wieder“ über die Mattscheiben der Nation. Auftakt für eine Erfolgsserie, die im Durchschnitt 16 Millionen TV-Zuschauer in ihren Bann schlug. Von Michael Just

Die neunte Folge im Jahre 1985 verbuchte gar 27 Millionen Zuschauer – eine Traumquote, auch wenn man bedenken sollte, dass es damals noch keine privaten Sender gab. Jetzt trifft der Titel der ersten Folge „Alle Jahre wieder“ auf eine kleine, eiserne „Drombusch“-Fangemeinde aus dem gesamten Bundesgebiet zu, die 2008 damit begann, sich nicht mehr nur in einem Internet-Fanforum zu treffen, sondern auch in persona in Darmstadt zusammenzukommen. Zum diesjährigen Fantreffen reisten sogar die Hauptdarstellerin Witta Pohl aus Hamburg und Regisseur Michael Werlin aus Berlin an.

Ebenfalls mit dabei: Iris Stromberger, die Tochter des „Drombusch“-Autors Robert Stromberger, der im Februar 2009 im Alter von 78 Jahren starb. Bei der Begrüßung war Witta Pohl, heute 71, mit der Bezeichnung „Ehrengast“ weniger einverstanden: „Mach‘ mir nicht das Hemd am Flattern“, sagte sie in Hamburger Platt. Nicht anders war es bei Regisseur Michael Werlin, der auch schon bei „Eurocops“, „Küstenwache“, „Doppelter Einsatz“, „Dr. Stefan Frank“ oder ein „Fall für zwei“ Regie führte. „Ich bin kein Säulenheiliger, kein Ölgötze und keine Respektsperson“, sagte er. So kamen Berührungsängste erst gar nicht auf: Da wurde geherzt und gedrückt und die Bundesverdienstkreuzträgerin Pohl, die in über 100 Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen mitspielte, erfüllte jeden Fotowunsch. Wange an Wange mit Vera Drombusch? Kein Problem.

Keine Szene von den Berliner Filmfestspielen sondern vom Fantreffen der „Drombuschs“. Das Interesse gilt Witta Pohl, die für ihre Rolle in den 80er Jahren heute immer noch geliebt wird.

Zwar zeigte sich die Hamburgerin gesundheitlich etwas angegriffen, die Freude an der Reise in ihre TV-Vergangenheit stand ihr aber sichtlich ins Gesicht geschrieben. Kaum war das Treffen eröffnet, ging es auch schon zur Mühle nach Lengfeld, wo die Außenaufnahmen der Serie gedreht wurden. Dort war vor allem Werlin, der einst die dritte und vierte Staffel der Serie begleitete, in seinem Element, über die Regiearbeit im Allgemeinen und das „Drombusch“-Set im Besonderen zu erzählen. Die Fans hingen an seinen Lippen, als sie erfuhren, dass an der Mühle nur die Außenaufnahmen, alle Innenszenen hingegen im Studio Hamburg gedreht wurden. Die Außendrehs fanden im Sommer, die Studioaufnahmen im Winter statt. „Stimmen denn da noch die Frisuren?“, kam gleich die Frage auf. „Die Anschlüsse (der Szenen) waren oft eine Herausforderung“, verwies Werlin auf Michael Degen, der damals als vielgefragter Schauspieler an bis zu fünf Produktionen gleichzeitig arbeitete und so immer wieder „problematische Frisuren“ als Überbleibsel mitbrachte. „Wir wären ja nicht beim Film, wenn wir das nicht gelöst hätten“, erzählte Werlin und erinnerte an einen Darsteller, der zuvor aus dem Drehbuch herausgeschrieben worden war und deshalb aus Boshaftigkeit mit einer Glatze kam. „Für den hat die Maske schnell eine Perücke kreiert.“ Auffallend beim Fantreffen war, dass viele Anhänger zwischen 30 und 40 Jahren alt sind damit noch recht jung für eine TV-Serie, die von 1983 bis 1994 ausgestrahlt wurde. „Vor allem die DVD-Veröffentlichung und auch die jüngsten Wiederholungen auf 3sat haben der Begeisterung wieder einen Schwung versetzt“, sagte Organisator Marco Huber (30).

Hier geht´s zur Fan-Seite der Serie „Diese Drombuschs“ von Marco Huber.

So verbuchte seine Fan-Forum im Internet bis heute 483 500 „Klicks“. Sechs Staffeln gab es insgesamt, die in der Regel sechs Folgen umfassten. Sie gelten bis heute als Inbegriff einer perfekten Familienserie im deutschen Fernsehen. An einer Staffel wurde bis zu zwei Jahren gearbeitet. Daran macht Huber auch deren Unvergänglichkeit fest: „Das war noch ein anderes Qualitätsprinzip als man es heute kennt.“ Und die Themen seien immer noch aktuell: Ob Eltern-Kind-Konflikte, Adoptionsfragen oder eine Frau, die aus Altersgründen zu ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter zieht: „Diese allzu menschlichen Probleme sind zeitlos“, meint Huber. Eine Frau erzählte gar von der „therapeutischen Wirkung“ Vera Drombuschs, deren Art Probleme anzugehen als aktive Lebenshilfe tauge. Das Lob galt auch dem Darmstädter Erfolgsautor Robert Stromberger, dessen substantielle und tiefgründige Geschichten in der heutigen Fernsehlandschaft Seltenheitswert haben.

Wie Werlin erzählte, hatte Stromberger wegen des Erfolgs einen Stellenwert, der den anderer Autoren weit überstieg: „Er durfte bestimmen, was los war. War er mit Aufnahmen nicht restlos zufrieden, wurde nachgedreht und er hat seinen Wunsch gekriegt.“ In diesem Fall habe sich die Produktionsfirma mit ihm gut stellen müssen und nicht umgekehrt. Und wie geht es mit der Fangruppe weiter? „Eventuell nächstes Jahr wieder ein Treffen“, sagt Huber. Was der Offenburger aber auf keinen Fall will ist eine Fortsetzung der Serie, wie sie beispielsweise andere Fans für die „Schwarzwaldklinik“ fordern. Vor allem deshalb, weil mit Günter Strack und Grete Wurm zwei charismatische „Drombusch“-Darsteller bereits verstorben sind. „Das würde nicht funktionieren. Wir behalten die Drombuschs lieber so in Erinnerung wie sie waren“.

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