„Den Woi haben wir umsonst“

+
Die neuen Umstädter Hoheiten auf ihrem königlichen Wagen. Von links: Prinzessin Andrea Stützer, Königin Silke Anft und Prinzessin Patricia Zimmer.

Groß-Umstadt (bea) ‐   „Umstadt wie es ist, Umstadt wie es war“, so das Motto des Winzerfestumzugs 2010. Spannend war es am Sonntag zu sehen, wie die verschiedenen Vereine und Gruppen dieses Motto in Szene gesetzt hatten.

Manche fühlten sich ganz dem Hier und Jetzt verpflichtet. Als Schrotthändler kamen beispielsweise die Mannen vom „Opel Exclusiv Club Odenwald“ daher, im Blaumann konnte man auch die Mädels der Independent Girls besichtigen.

Andere liebten es eher zeitlos, aber dafür richtig bunt. Als süße Früchtchen und buntes Gemüse wandelte der STC Semd durch die Gassen. Das Gegenteil von bunt war dem TV 07 Heubach eingefallen: Als schwarze Raben erfreuten die Mitglieder die zahlreichen Zuschauer des Festzugs. Die Spuren der Raben ließen sich auch am späten Sonntagabend noch verfolgen. Federboas und einzelne Federn zeigten deutlich, welche Stände von den dunklen „Vögeln“  bevorzugt worden waren.

Was suchen die Wikinger in Umstadt?

Viele Gruppen hatten sich aber die Vorzeit ausgesucht und begeistert in den Annalen der Stadt Motive gesucht. Die Römer, die ja bekanntlich in Umstadt schon Wein angebaut hatten, waren gleich mehrfach vertreten. Die Freunde des Kutscherhauses hatten sich die Toga übergeworfen, aber auch der TSV Richen. Edel gewandet erschien hingegen die Turngruppe Reichwein des TV Groß-Umstadt, mit Reifrock im florentinischen Gewand schritten die Damen durch das jubelnde Volk.

Was die Wikinger allerdings in Groß-Umstadt zu suchen hatten, erschloss sich dem Betrachter nicht unbedingt. Bei genauerem Hinsehen entdeckte der Zuschauer allerdings, dass der Richer Kulturring sich die Alemannen mit Kuhhörnern bekrönt vorstellte. Spaß hatten die Kuhhornträger auf jeden Fall und auch dem Publikum gefiel es.

Weinausschank beim Festumzug

Zum Wein gehört selbstverständlich auch Musik: Buntes Treiben beim Festumzug.

Besondere Freude hatte das Publikum jedoch daran, dass man merkte, dass es sich um einen Winzerfestumzug handelte: Es wurden nicht nur Knollen geworfen, sondern auch reichlich Wein ausgeschenkt. Immer wieder reckten die Zuschauer ihr Gläschen einem der Zugwanderer entgegen und in der Regel wurde es auch fleißig gefühlt. Wasser führten die Zugteilnehmer nicht bei sich. „Das müssen wir bezahlen, den Woi haben wir umsonst“, sagte ein Mitglied des Weinbauvereins lachend. Knollen hätten sich übrigens die Kinder ein paar mehr gewünscht. Der zehnjährige Nicolas Mahla hätte gerne mehr Süßigkeiten eingesammelt und war auch sonst vom Festumzug nicht so begeistert. „Immer nur rumstehen“, war sein Fazit. Mutter Susanne hat der Festzug jedoch sehr gut gefallen. Anschauen mussten die beiden ihn auf jeden Fall, Tochter und Schwester Melina waren als Schildträgerinnen mitgelaufen. Ansonsten hatten es die barocken Kostüme Susanne Mahla besonders angetan. „Ich gehe jetzt noch über das Fest, trinke ein Woiche und hoffe, noch viele Freunde zu treffen“, erklärte die regelmäßige Festgängerin.

Die Stimmung im Publikum fanden Berthold und Bettina Kirchberg aus Nieder-Roden in diesem Jahr ein wenig lau. „Dabei hat das Wetter prima mitgespielt und der Umzug hatte tolle Gruppen“, wunderte sich die Beuscherin. Sich noch ein bisschen umsehen und einen Umstädter Sekt genießen, wollte das Rodgauer Ehepaar. Das ging auf dem Marktplatz noch in relativer Ruhe, bis Teilnehmer und Zuschauer des Zuges auf Umstadts gute Stube strömten. Dort waren nicht nur die roten Teufel los, die mit ihren Trommelrhythmen für Feststimmung sorgten.

Kommentare