Dreiteiliger Ballettabend im Staatstheater

Im Schatten des großen Forsythe

Darmstadt - Immens ist die Zahl namhafter Choreografinnen und Choreografen, die aus dem Frankfurter Ballett von William Forsythe hervorgegangen sind. Wie kaum ein anderer – abgesehen von Pina Bausch – hat er den zeitgenössischen Tanz geprägt. Von Stefan Michalzik

Das ist auch an den Stücken des dreiteiligen Ballettabends abzulesen, mit dem die Compagnie Ballet BC aus Vancouver auf Einladung des Hessischen Staatsballetts im Großen Haus des Darmstädter Staatstheaters gastierte. Die Compagnie steht seit 2009 unter der Leitung der ehemaligen Forsythetänzerin Emily Molnar.

Das fängt bei der Arbeitsweise an. Molnars knapp halbstündige Novität „To This Day“ ist so knallig wie Kate Burrows Kostüme für die 14 Tänzerinnen und Tänzer bunt à la mode sind. Nach Vorbild Forsythes weist Molnar ausdrücklich aus, dass sie es zusammen mit dem Ensemble entwickelt hat. Die Gitarrenimprovisationen von Jimi Hendrix drängen mächtig nach vorne. Doch der Tanz behauptet eine Unabhängigkeit gegenüber der Musik.

Die Tänzer bilden Reihen, zu Beginn eine an der Rampe, sie blicken lange ins Publikum und strecken den rechten Arm des Hitlergrußes unverdächtig weit nach oben. Im Winkel hinten links gibt es zwei Scheinwerfersäulen, in deren Licht ab und an ein einzelner Tänzer, den Rücken zum Publikum, wie selbstvergessen vorm Spiegel tanzt. Alles ist akzentuiert und geprägt von einer recht zackigen Energie.

Eröffnet hat den Abend Crystal Pites „Solo Echo“, das 2012 beim Nederlands Dans Theater uraufgeführt wurde. Hier ist die Prägung durch Forsythes neoklassizistischen Stil deutlich. Im Hintergrund rieselt auf einer Videowand der Schnee, die Musik aus den beiden Sonaten für Klavier und Cello von Brahms tut ein Übriges zum metaphorisch winterlichen Grundton. Im harmonischen Fluss der Bilder mit den sieben schwarz gekleideten Tänzerinnen und Tänzern wirkt das sehr konventionell.

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Den furiosen Schlusspunkt hat Mehdi Walerski mit „Petite Cérémony“ von 2011 gesetzt, der Franzose ist der einzige der drei Choreografen, der nie mit William Forsythe zusammenarbeitete. Zu Musik unter anderem von Mozart versprühen die 15 Tänzerinnen und Tänzer in einem eleganten Schwarz eine Stimmung von Parodie. Der Raum spielt mit, beispielsweise wird das Saallicht erst spät gelöscht. Ein mit drei Bällen jonglierender Tänzer gibt den Stand-up-Comedian, derweil die anderen monströse Schatten auf die Hinterwand werfen. Es ist viel der Reihen und Ballungen und der Symmetrie, alles ist sehr pointiert und attraktiv gemacht. Das ist so verspielt wie formstreng. Der Jubel dafür ist praktisch einprogrammiert.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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