Entschlackungskur für Steinbrücker Teich

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Frisch entschlammt ist der Steinbrücker Teich. Vom sanierten Bootssteg aus können die Besucher nun wieder zu Bootstouren starten.

Darmstadt ‐ „Der Steinbrücker Teich wird auch der nächsten Generation als ein sauberes und ökologisch gesundes Gewässer zur Verfügung stehen“, so Darmstadts Baudezernent Dieter Wenzel.

Das Gesamtprojekt „Entschlammung des Steinbrücker Teiches“ ist jetzt abgeschlossen. Die im Uferbereich als Erosionsschutz durchgeführte Ansaat bildete das Ende der umfangreichen Erd- und Bauarbeiten.

„Für die Bevölkerung ist in erster Linie die Neugestaltung des vorhandenen Bootsstegs auffällig. Dieser Teil der Gesamtmaßnahme wurde unter besonders hohem Zeitdruck durchgeführt, weil erst mit Ablassen des Wassers die Betonfundamente untersucht werden konnten und weil die erforderlichen Arbeiten bis zur Befüllung des Teiches abgeschlossen sein mussten. Die Voruntersuchungen erfolgten über Kernbohrungen. Es musste leider festgestellt werden, dass die Unterkonstruktion des Bootsstegs in einem wesentlich schlechteren Zustand war, als erhofft“, erläutert Baudezernent Dieter Wenzel die Arbeiten.

Sanierung wegen mangelnder Standfestigkeit

Bei diesen Voruntersuchungen wurde deutlich, dass die vorhandene, von Rissen durchzogene Betonstützwand zum Wasser hin bereits eine Vorsatzschale zur Sicherung eines noch älteren Teils war. Da deren Standfestigkeit ohne aufwendige Sicherungsmaßnahmen nicht mehr gewährleistet werden konnte, musste eine umfassende Sanierung vorgenommen werden. Die vorhandenen Risse wurden geöffnet, über Bohrungen Gewindestahl eingebracht und Beton eingefüllt. Zur Seeseite hin wurde der Sockel mit Spritzbeton abgedichtet.

Um nördlich des Bootssteges die Uferbefestigung auf einer Länge von 13 Meter weiter zu führen, wurden Steinkörbe gesetzt – so genannte Gabionen. Die Gabionenwand besteht aus miteinander verbundenen Einzelelementen. Sie sitzt auf der Teichsohle, ist einen Meter hoch und wurde um 50 Zentimeter durch eine weitere Gabione erhöht, die jetzt als Sitzgelegenheit genutzt werden kann und die in Kürze auch noch eine Holzauflage erhält.

Bootssteg bekommt eine neue Holzauflage

Die neue Holzauflage des Bootsstegs ist aus dem heimischen Holz der Robinie, lediglich bei den Konstruktionshölzern haben die Fachleute das tropische Bankirai gewählt. Unter Mitwirkung des Bootsverleihers wurde der neue Steg durch ein funktionelles Geländer und ein Abstellschrank aus Douglasie komplettiert.

Die Wiederherstellungskosten des Bootsstegs betragen 120 000 Euro. „Diese teilweise unvorhergesehenen Kosten werden aus dem vorhandenen Maßnahmenbudget finanziert. Eine Deckung erfolgt aus verschiedenen anderen Einzelpositionen, beispielsweise werden am vorhandenen Toilettenhäuschen nur noch die dringendsten Maßnahmen durchgeführt“, erläuterte Wenzel weiter. Die Mittel für eine Spielplatzgestaltung blieben unangetastet.

Auffüllungen am Ufer: Betreten verboten

„Wir bitten alle Besucher des Steinbrücker Teiches, die an den ausgeschwemmten Ufern erfolgten Auffüllungen noch nicht zu betreten, um der Ansaat die Möglichkeit zu geben, wenigstens teilweise im Boden Wurzeln zu bilden und den Oberboden zu festigen. Das gilt auch für den Bereich zwischen dem Grillplatz auf der Ostseite und dem See“, fügte Wenzel hinzu. Die Sperrung soll noch einige Zeit aufrecht erhalten werden.

Der Bootsbetrieb startete schon während der letzten Arbeiten Ende Mai. Der Angelverein, als Pächter des Teiches, hat mit der Pflanzung von Seerosen begonnen und auch schon wieder einen Großteil der für dieses Gewässer sinnvollen Fischsorten und der entnommenen Teichmuscheln eingebracht.

„Das Ziel der Gesamtmaßnahme „Entschlammung des Steinbrücker Teichs“ war, das Gewässer dauerhaft vor einem biologischen Umkippen in einem trockenen Sommer zu schützen. Dieses Ziel wurde erreicht. Der Steinbrücker Teich wird auch der nächsten Generation als ein sauberes und ökologisch gesundes Gewässer in ihrem Freizeitgelände zur Verfügung stehen“, schloss Wenzel das Fazit.

Keine Kampfmittel aus Kriegszeiten gefunden

Mit den Vorarbeiten zur Entschlammung, dem Mähen der Unterwasserpflanzen und dem Sondieren der Teichfläche auf Kampfmittel aus Kriegszeiten, war im September letzten Jahres begonnen worden. Hierbei wurden zwar über 50 Verdachtspunkte aus Metall detektiert, aber erfreulicherweise handelte es sich nicht um Granaten oder Bomben, sondern um andere unerlaubt im See versenkte Gegenstände, wie zum Beispiel Papierkörbe oder Sitze der Tretboote.

Anschließend wurde das Wasser langsam abgelassen und die Fische und Muscheln in einer großen Fangaktion im November 2009 dem Teich entnommen und großteils zur Zwischenlagerung in andere Teiche ausquartiert.

Wegen des langen und schneereichen Winters konnten erst mit sechswöchiger Verzögerung rund 22 000 Kubikmeter Sedimente aus dem abgelassenen See ausgebaggert, auf Lkw verladen und als Bodenverbesserung auf dafür ausgewiesene Ackerflächen im Bereich Obertshausen aufgebracht werden. Mit einer Tagesleistung von 500 bis 900 Kubikmetern waren über 1 000 Lkw-Fahrten nötig. Teilweise waren vier bis fünf Bagger gleichzeitig im bis 1,50 Meter tiefen Schlamm im Einsatz.

Das Westufer wurde auf einer Länge von zirka 190 Metern durch eine Steinschüttung vor weiterer Erosion geschützt. Nördlich des Bootsstegs wurden Gabionenkörbe gesetzt.

Danach führte das Regierungspräsidium Darmstadt die wasserrechtliche Abnahme durch. Ende Mai begann der Einstau durch das Schließen des Schiebers im teilweise umgebauten Ablaufbauwerk. Bei der zügigen Füllung des Teiches halfen auch die starken Regenfälle der letzten Wochen.

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