Satellitenkontrollzentrum treibt Sicherheits-Programm voran

Esoc: Expertentreffen zu Weltraumschrott und Asteroidenabwehr in Darmstadt

+
Schon der Einschlag eines zehn Kilometer großen Asteroiden könnte alles Leben auslöschen.

Darmstadt - Raumfahrtexperten aus aller Welt treffen sich kommende Woche im Darmstädter Satellitenkontrollzentrum, um gewichtige Zukunftsthemen der Raumfahrt zu erörtern. Von Axel Woelk

Dem Europäischen Satellitenkontrollzentrum (Esoc) geht auch in einem ereignisarmen Jahr die Arbeit nicht aus. 2019 wird das Esoc keine Satellitenstarts begleiten. Nichtsdestotrotz betreiben die Darmstädter derzeit 23 Satelliten. Und in der kommenden Woche liegt das Zentrum der Raumfahrt in Südhessen. Dann lädt die Europäische Raumfahrtagentur (Esa) alle nationalen und internationalen Experten zur Weltraumsicherheitskonferenz ins Esoc.

Auf der Veranstaltung geht es um Weltraumschrott, Asteroidenabwehr und Sonnenstürme. All diese Themen bedrohen die internationale Raumfahrt, teilweise gar die Menschheit. Der durch abgewrackte Satelliten erzeugte Müll, der um die Erde kreist, schlägt schon heute von Zeit zu Zeit in Wetter-, Navigations- und Telekommunikationssatelliten ein. Nicht einmal die Internationale Raumstation (ISS) bleibt davon verschont und muss Ausweichmanöver starten.

Sonnenstürme machen den Raumfahrern ebenfalls schwer zu schaffen. Diese Eruptionen der Sonne sind fürs Magnetfeld der Erde vorübergehend brandgefährlich, was wiederum die Telekommunikation und Navigation in Mitleidenschaft zieht. Für die bemannte Raumfahrt ist das Thema besonders heiß. Astronauten, die Sonnenstürmen ausgesetzt sind, riskieren etwa bei Außenbordeinsätzen ihr Leben.

Und die Gefahr von Asteroiden hat es dank Hollywood bereits zu Weltruhm geschafft. Der Einschlag eines Asteroiden mit einem Durchmesser von zehn Kilometern würde wohl die Menschheit auslöschen. Die Experten auf der Weltraumsicherheitskonferenz haben also reichlich Gesprächsstoff und suchen fieberhaft nach Lösungsansätzen. Früher gab es immer wieder ähnliche Konferenzen. Doch Esoc-Direktor Paolo Ferri sieht Fortschritte: „Wir haben überhaupt erst ein Bewusstsein für diese Gefahren geschaffen.“

Und so schutzlos, wie es vielfach aussieht, würden Raumfahrt und Menschheit nicht in diese Probleme schlittern. So bringt Ferri für den Weltraumabfall so etwas wie eine „Sperrmüllabfuhr“ ins Spiel, bei der zu ausgedienten Satelliten hingeflogen wird und diese zurückgeholt werden. Anders sieht es bei Trümmerteilen aus. „Die kleinen Stücke kann man nur vermeiden.“ Das funktioniert, indem Techniker fortlaufend tausende von Objekten nachverfolgen. Ferri klagt fast schon verbittert, dass bis heute über Selbstverpflichtungen hinaus wenig passiert ist: „Jeder kann tun, was er will.“

Zu den derzeit 4500 um die Erde kreisenden Satelliten – davon sind zwei Drittel Weltraumschrott – kommen demnächst die Steckenpferde von Multi-Milliardären wie Tesla-Gründer Elon Musk und Amazon-Besitzer Jeff Bezos. Völkerrechtlich lässt sich weder eine Deckelung der Starts noch eine Entsorgung durchsetzen. So bleiben Selbstverpflichtungen, die laut Ferri teilweise sogar greifen, da die Unternehmen um ihren guten Ruf bangen.

Seit Jahren tüfteln die Experten an Modellen zum besseren Verständnis und einer treffsicheren Prognose von Sonnenstürmen. Gegen Asteroideneinschläge wappnen sich Esa und die US-Raumfahrtagentur Nasa mit der Entwicklung einer Technik zur Umlenkung solcher Himmelskörper mit Hilfe von Raketen. Esoc-Chef Rolf Densing: „Die USA übernehmen das Schießen und wir eher die wissenschaftliche Beobachtung.“

"Astro-Alex" muss sich neu auf der Erde einleben

Ansonsten steht das Esoc in diesem Jahr vor den Herausforderungen des Alltags. Der Missionsbetrieb läuft weiter. Zugleich bereiten die Darmstädter neue Projekte vor. Derweil hat sich das Esoc ganz im Sinne der Weltraumsicherheitskonferenz einem Mega-Thema verschrieben. Auf längere Sicht will sich das Haus bei Fragen um die Weltraumsicherheit hervorheben. Zugleich arbeiten die Darmstädter weiter zur unbemannten Mars- und zur Merkur-Mission. Derweil bleibt auch die Erdbeobachtung von Ozeanen, Polkappen oder sogar Winden ein Kernthema am Esoc.

Densing sieht die Zukunft seines Hauses im Angriffsspiel. „Wir müssen Treiber von Innovationen sein.“ Der Schlüssel dazu sei Künstliche Intelligenz. Die auf diesem Gebiet mit tonangebenden Chinesen waren beim Jahresauftakt-Gespräch der Esoc übrigens mit einem Kamerateam vertreten. Denen ging es jedoch nicht um Künstliche Intelligenz, sondern um Mond und Mars. Das Darmstädter Esoc wird der chinesischen Raumfahrt aktiv mit Daten von Bodenstationen helfen. Die einst von Russen und Amerikanern beherrschte Raumfahrt wird so tatsächlich international.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare