Faszinierende Flattermänner

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Mit dem „Bat-Detektor“ den Vampiren der Nacht auf der Spur: Der Diplombiologe Dirk Diehl (rechts) ortete bei der Exkursion am Reinheimer Teich mit seinem Ultraschallwandler jagende Fledermäuse.

Darmstadt-Dieburg - Unter hunderten herumwuselnder „Babys“ bei absoluter Finsternis mühelos sein Kind wieder zu finden – dies ist nur eine faszinierende Eigenschaft von Fledermäusen. VonUrsula Friedrich

Besucher der Fledermausnacht in der Naturschutzscheune an den Reinheimer Teichen staunten nicht schlecht über die Lebensweise der Flattermänner. „Am tollsten finde ich, wie Fledermäuse diese Ultraschallwellen ausstoßen“, erklärte ein junger Besucher, während sich sein Freund fragte, wie Fledermäuse das „kleine Geschäft“ erledigen, während sie schlafend mit dem Kopf nach unten hängen. Der Diplombiologe Dirk Diehl vom Naturkundeinstitut Langstadt antwortete geduldig auf alle Zuschauerfragen. So erfuhren rund 70 Besucher seines Vortrages, dass die rätselhaften Jäger der Nacht bereits vor 55 Millionen Jahren die Erde bevölkerten. Heute stehen viele Arten auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere. „Hier im Kreis leben etwa 16 verschiedene Fledermausarten“, sagte Dirk Diehl, weit verbreitet sei die Zwergfledermaus. In Punkto Größe liegt der indonesische „Kalong“ mit 1,80 Metern Spannweite ganz vorn, winzig ist dagegen sein thailändischer Verwandter, der es auf fünf Zentimeter Flügelspannweite bringt.

Bereits am Samstag (29.) geht es erneut auf Entdeckungsreise. Unter dem Motto „Die Natur begibt sich zur Ruhe, oder?“ startet an der Naturschutzscheune um 19 Uhr eine Exkursion.

Mit dem Bat-Detektor „bewaffnet“ ging der Fachmann mit rund 70 Besuchern bei Einbruch der Dunkelheit auf Fledermaussuche. „Der Detektor wandelt die Ultraschallrufe der Fledermäuse um, sodass sie für das menschliche Ohr hörbar sind“, erläuterte Diehl. Auch Heuschrecken nutzten allerdings die Technik, um sich beim Publikum Gehör zu verschaffen. Die Geduld der Wanderer wurde jedoch belohnt: Die Laute von Abendsegler und Zwergfledermaus wurden von dem kleinen Gerät übertragen. Die Fledermausnacht des Nabu-Kreisverbands Dieburg zählt zu den populärsten Veranstaltungen in der Naturschutzscheune, die von Nabu und der Hessischen Gesellschaft für Ornithologe und Naturschutz (HGON) betrieben wird. „Biologie zum anfassen“ ist eine erlebnisreiche Form der Umweltpädagogik, die auch diesmal Publikum jeden Alters in Bann zog. Nistkästen bauen und die Arbeit unter dem hoch auflösenden Mikroskop faszinierte kleine und große Naturfreunde. Beim abendlichen Rundgang sorgten viele Tiere des Naturschutzgebietes für ein zusätzliches Erlebnis: Rund 2 000 Stare präsentierten sich in einer fulminanten Flugshow, eine Ringelnatter zeigte ihre Schwimmkünste, Schwäne, Störche und viele andere Tiere waren zu sehen.

Immer mehr Besucher, darunter zahlreiche Schulen und Kindergärten, entdecken das umweltpädagogische Angebot der Naturschutzscheune für sich, um das vielfältige Leben am Naturschutzgebiet zu erleben. Im Vorjahr verbuchten die Naturschutzverbände bei 56 Veranstaltungen rund 3 500 Besucher.

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