Mit den Filmstars an einem Tisch

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Und Action: Komparse Thomas Draxler (vorne) bei den Dreharbeiten.

Schaafheim ‐ Lavaströme und Ascheregen in der Eifel. Der RTL-Zweiteiler „Der Vulkan“ mit deutschen Fernseh-Stars wie Yvonne Catterfeld und Heiner Lauterbach zeigte am Sonntag- und Montagabend, wie es bei einem Vulkanausbruch in Deutschland zugehen würde. Von Katrin Görg

Mittendrin war der Schaafheimer Thomas Draxler. Der 46-Jährige spielte als Komparse einen Familienvater, der mit Frau und Sohn zu Fuß auf der Flucht vor dem Vulkanausbruch ist. Zu seiner Rolle vor der Kamera ist der Schaafheimer aus Langeweile gekommen. „Meine Familie wollte letztes Jahr nicht in den Urlaub fahren, also sind wir zu Hause geblieben. Da wurde mir langweilig und ich bin im Internet auf eine Komparsen-Agentur gestoßen. Spontan habe ich mich angemeldet und kurze Zeit später kam er erste Anruf“, erzählt er.

Die Dreharbeiten mit Draxler waren bereits im Juli. „Ich war für zwei Drehtage von jeweils etwa zehn Stunden gebucht, musste mich also am Set aufhalten.“

Viel Sitzfleisch und Geduld gefragt

Die Drehorte für Draxlers Szenen waren im Spessart und einmal fast vor seiner Haustür in Aschaffenburg. „Wenn man Komparse ist, muss man vor allem Sitzfleisch haben und Geduld mitbringen. Denn die meiste Zeit wartest du eben, bis dein Einsatz kommt.

In den Drehpausen praktizierte der Leiter der Schaafheimer Kampfsportschule Qi-Gong, eine chinesische Meditationsform. Am Set von „Der Vulkan“ leistete ihm schließlich auch seine Film-Frau Dörthe Krohn, die auch in Wirklichkeit die Mutter von ihrem Film-Sohn ist, bei den Übungen Gesellschaft.

Für die Szene, in der Thomas Draxler und „seine“ Familie am Straßenrand entlang laufen und Pasquale Aleardi alias Phil Friedrichs auf seinem Weg in das Katastrophengebiet um den Ort Lorchheim zuwinken, um ihn zum Anhalten zu bewegen, stand das Trio stundenlang in der prallen Sommersonne. „Und das, obwohl am Ende bloß wenige Sekunden davon im Fernsehen gezeigt werden“, sagt Draxler. „Aber genau das fasziniert mich dabei. Zu sehen, wie viel Aufwand hinter einem Film oder jeder einzelnen Szene steckt. Manchmal haben wir auch 20 Minuten auf die richtige Sonneneinstrahlung gewartet, bis wir weitermachen konnten. Mir ist auch klar geworden, wie anstrengend so ein Drehtag für die Hauptdarsteller sein muss. Denn jede Szene wird ja nicht nur einmal sondern fünf- oder gar zehnmal gedreht.

Stau in Aschaffenburg gedreht

Die zweite Szene mit Thomas Draxler wurde in der Endfassung des Fernsehfilms nicht gezeigt. „Wir haben am zweiten Drehtag einen Stau in Aschaffenburg gedreht“, erzählte er. Das sei aber nicht weiter schlimm, denn vor allem ging es ihm ja darum, ein wenig Filmatmosphäre zu schnuppern und zu sehen, was hinter den Kulissen eines Fernsehfilms so los ist. „Es gibt am Set eine ganze Reihe von Lastkraftwagen: einer für Kostüme und Schminke, einer für die Küche und so weiter. Von den Stars hat natürlich jeder seinen eigenen Wohnwagen, wohin sie sich zurückziehen“, erzählt der im wahren Leben als Verwaltungsfachwirt arbeitende Komparse.

In Kontakt mit Hauptdarstellern wie Katharina Wackernagel ist er auch gekommen: „Wir haben alle zusammen gegessen: Komparsen, Filmstars – alle an einem Tisch. Die meisten waren sehr nett, besonders Pasquale Aleardi war sehr freundlich.

Der RTL-Film ist nicht Draxlers erste Station als Statist. Kurz vor dem Einsatz in „Der Vulkan“ spielte er einen Ritter in dem Kinofilm „Die Ritter von St. Alban“, der zunächst in den USA über die Leinwände flimmern wird. Regisseur des Streifens ist der Großostheimer Axel Loh; Teile des Films wurden sogar in Ringheim aufgenommen.

Was Draxler zum Thema „Komparse” wichtig ist: „Wer glaubt, als Komparse entdeckt zu werden und so eine Schauspielerkarriere starten kann, wird enttäuscht werden. Ich habe mich mit einigen ausgebildeten Schauspielern unterhalten, die mir erzählt haben, wie schwer es doch ist, auch als staatlich geprüfter Bühnendarsteller, wie die offizielle Berufsbezeichnung heißt, einen guten Job zu finden. Viele von ihnen begnügen sich auch mit Komparsen- oder zumindest nur kleinen Rollen. Die wirklich guten Rollen bekommen nur die wenigen, die es wirklich geschafft haben.

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