In Darmstadt

Nur die Fische gefüttert? Missbrauchsprozess gestartet

Darmstadt - Fünf und sieben Jahre alt waren die beiden Nachbarskinder, die Andreas U. in seiner Raunheimer Wohnung vor zwei Jahren sexuell missbraucht haben soll. Von Silke Gelhausen

Seit gestern muss sich der 33-jährige deswegen vor der zehnten Strafkammer des Darmstädter Landgerichts verantworten. Zudem wird ihm der Besitz kinderpornografischer Schriften und zwei unter das Waffengesetz fallender Messer vorgeworfen – diese wurden bei einer Hausdurchsuchung am 18. April 2017 gefunden. An diesem Tag musste U. in Untersuchungshaft, wurde dann aber am 2. Oktober wieder entlassen – Grund: keine Fluchtgefahr.

Der kaufmännische Sachbearbeiter hält sich für unschuldig, zumindest, was die schweren Tatvorwürfe der Staatsanwaltschaft betrifft. In der Anklageschrift heißt es, er soll die Mädchen dazu gezwungen haben, mit ihm Pornofilme anzuschauen. Er habe sich von ihnen sexuell befriedigen lassen und ihren Urin getrunken.

„Es hat kein Missbrauch stattgefunden“, verteidigt sich der Angeklagte und erzählt seine Version: „Während meines Einzugs im September 2016 spielten die Kinder auf der Straße und sahen mein Aquarium. ‘Wir wollen Fische gucken’ war die Reaktion. Ich kam ihrem Wunsch nach und ließ sie zweimal die Fische füttern. Die Mutter war jedes Mal dabei.“ Mehr sei da nicht gewesen. Die Kinderpornos erklärt U. ähnlich „harmlos“: „Mir war gar nicht bewusst, dass ich das Zeug besessen habe, ich finde das selbst abscheulich. Das muss noch aus der Zeit von vor über zehn Jahren stammen. Da haben wir unter Kumpels tausende Videos und Musik getauscht. Auch meine externe Festplatte wurde von jemand anderem beladen. Wahrscheinlich sind so die Kinderpornos da drauf gekommen“. Insgesamt 1,5 Millionen Dateien fanden die Beamten bei U., außerdem ein Spring- und ein Butterflymesser im Schreibtisch.

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Von Fische füttern, weiß die 38-jährige Mutter nichts. „Ich habe ihn nur ein einziges Mal gesehen“, sagt die Krankenschwester. Von einem möglichen sexuellen Missbrauch erfährt sie durch das kurzzeitige Verschwinden des älteren Kindes. Als die Siebenjährige wieder da ist, erzählt sie zuerst, sie war bei einer Freundin. Dann gibt sie zu, beim Nachbarn gewesen zu sein. Die Nebenklägerin: „Zuerst sagte sie, sie habe nur Fische geguckt. Einen Tag später jedoch rückte sie damit heraus, dass sie nicht freiwillig mitgegangen sei und sie etwas machen sollte, was sie nicht sagen will, weil es ihr peinlich sei.“ Nach und nach erzählte sie alles, auch, das die Schwester ebenfalls in U.s Wohnung gewesen war. Insgesamt sind vier Verhandlungstage bis Mitte Oktober geplant.

Rubriklistenbild: © picture-alliance / dpa

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