Frauen immer öfter Opfer häuslicher Gewalt

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Zwei von fünf Frauen haben laut Statistik in ihrem Leben sexuelle und körperliche Gewalt erlebt. Was weit weg scheint, ist längst auch in der Region angekommen: 994 Fälle von häuslicher Gewalt verzeichnete das Polizeipräsidium Südhessen allein im letzten Jahr.

Darmstadt-Dieburg ‐ Der gewaltsame Tod von Figen Capkan aus Kleestadt hat viele erschüttert. Tatverdächtig ist der Ehemann der 37 Jahre alten dreifachen Mutter. Gegen ihn wurde schon in der Vergangenheit wegen Körperverletzung und häuslicher Gewalt ermittelt. „Die Erfahrungen der Polizei und der Beratungsstellen zeigen, dass häusliche Gewalt häufiger angezeigt wird.

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg nimmt dieses Thema sehr ernst. Wir appellieren an diejenigen, die sich von häuslicher Gewalt bedroht fühlen, den Schutz der Polizei und Beratungsangebote frühzeitig in Anspruch zu nehmen“, so Landrat Klaus Peter Schellhaas.

Monika Abendschein, Leiterin der Abteilung für Chancengleichheit beim Landkreis, berichtet, dass statistisch gesehen zwei von fünf Frauen in ihrem Leben sexuelle und körperliche Gewalt erlebt haben. Zu 70 Prozent wird Gewalt gegen Frauen durch Partner und im häuslichen Bereich verübt. Häufig wird Gewalt in der eigenen Wohnung erlitten, verhältnismäßig selten an öffentlichen Orten wie Straßen oder Parks.

Allein im Jahr 2008 994 Fälle von häuslicher Gewalt

Das Polizeipräsidium Südhessen verzeichnete allein im Jahr 2008 994 Delikte von häuslicher Gewalt. In 899 Fällen waren Frauen die Opfer. Hinzu kommen 276 Stalking-Fälle, davon waren 240 Frauen betroffen. „Sieben Jahre leben Frauen im Schnitt in Gewaltbeziehungen, bevor sie um Hilfe bitten“, berichtet Abendschein. Sie weist darauf hin, dass ein langer Leidensweg vermieden und ein Gewaltkreislauf durchbrochen werden kann, wenn Frauen rechtzeitig Hilfe suchen. Landrat Schellhaas und Monika Abendschein erklären, dass es im Landkreis diverse Möglichkeiten gibt, Schutz und Unterstützung zu erhalten. Erster Ansprechpartner in akuten Krisen- und Bedrohungssituationen ist die Polizei (Notruf 110 und 06151/9690). Die Frauenhäuser nehmen Frauen und ihre Kinder bei einer gewalttätigen häuslichen Situation auf (Frauenhaus im Landkreis: 06071/33033). Die Fachstelle Frauen helfen Frauen e.V. in Dieburg berät unter 06071/25666.

In der Broschüre „Hilfe für Frauen und Kinder nach Gewalttaten“, die das Netzwerk Gewaltschutz herausgegeben hat, sind weitere Kontaktadressen aufgelistet. Außerdem wird übersichtlich dargestellt, welche Rechte das Gewaltschutzgesetz festlegt, das im Jahr 2002 in Kraft getreten ist.

Brötchentütenaktion „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“

„Richtig helfen bei häuslicher Gewalt“ heißt eine Infoschrift, die für helfende Personen gedacht ist, die mitbekommen oder vermuten, dass in ihrem Bekanntenkreis Misshandlungen oder Gewaltandrohungen stattfinden. In dieser Broschüre wird mögliches Verhalten von Opfern erklärt und aufgezeigt, wie helfende Personen reagieren sollten. Darüber hinaus sind Adressen angegeben, wo man bei Fragen zu häuslicher Gewalt Antworten erhält.

Monika Abendschein macht außerdem auf den internationalen Tag „Nein zu Gewalt an Frauen“ am 25. November aufmerksam. Vom 21. bis 28. November beteiligt sich der Landkreis an der hessenweiten Aktion „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“. Zahlreiche Bäckereien etwa in Ober-Ramstadt, Pfungstadt, Reinheim und Roßdorf verkaufen in der Zeit ihre Brötchen in Tüten, auf denen Kontaktadressen von Beratungsstellen aufgedruckt sind.

In diesem Zusammenhang wird auch die Wanderausstellung „Tatmotiv Ehre“ am 24. November um 17 Uhr im Kreishaus in Kranichstein eröffnet. Hasan Tatligün, Migrationsbeauftragter des Polizeipräsidiums Südhessen, wird in das Thema einführen.

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