Furioser Abschluss des Jubiläumsjahres

+
Kaum wieder zu erkennen war die Stadthalle: Für ihre Jubiläumsveranstaltung hatte die Sparkasse die „Gut Stubb“ von Groß-Umstadt in ein Riesen-Restaurant verwandeln lassen.

Groß-Umstadt (bea) ‐  So richtig krachen ließ es die Sparkasse Dieburg noch einmal zum Ende ihres 175-jährigen Jubiläumsjahres. Hatte sie schon das ganze Jahr ihr Kunden mit zahllosen Veranstaltungen verwöhnt - dazu gehörten Vorträge, Sportveranstaltungen, Wanderungen und vieles mehr - so erlebten jetzt die rund 600 geladenen Gäste in der Stadthalle Groß-Umstadt einen gleichzeitig informativen und unterhaltsamen Abend mit hochkarätigen Referenten und Diskussionsteilnehmern.

Schon beim Eintritt erlebte das Publikum eine Überraschung. Nicht der übliche Haupteingang war für die Gäste geöffnet, sondern der Eingang über die Heinrich-Klein-Halle, die Sporthalle, die sich direkt neben der Stadthalle befindet. Über rote Läufer ging es in die Halle, die ihr Gesicht allerdings vollständig verändert hatte. Geschmückt und mit einer Bühne versehen war ihr ihre normale Funktion kaum anzumerken. So mancher Schüler der Max-Plank-Schule hatte sich in der vorhergehenden Woche gefreut, fiel doch wegen der Umrüstarbeiten der Sportunterricht für eine Woche aus.

Hochkarätig war die Besetzung auf der Bühne. Die Moderation der Diskussionsrunden leitete Franziska Reichenbacher, den Fernsehzuschauern bekannt als Lottofee. Zwei ehemalige Landräte, Alfred Jakoubek (1997 bis 2009) und sein Vorgänger Hans-Joachim Klein bat die Glücksfee an den Diskussionstisch. Die beiden Herren, die während ihrer Landratstätigkeit kraft ihres Amtes auch im Vorstand der Sparkasse saßen, durften sich zu deren Geschichte äußern. Das hohe Lied der Sparkasse in der Region sangen Jakoubek und Klein. „Lange Zeit galten die Sparkassen als verstaubt und überholt. Im Zeichen der Finanzkrise hat sich diese Sicht auf die Sparkassen verändert. Gäbe es sie nicht schon, müssten sie erfunden werden“, erklärte Jakoubek. Klein bemängelte den Slogan der Sparkasse: Statt „gut für die Region“ sollte es heißen „sehr gut für die Region“.

Zeitreise mit ZDF-Historiker Guido Knopp

In einer Groß-Umstädter Wohnstube fing es im Jahr 1835 an. Kreisrat Friedrich Kritzler trieb die Gründung einer Spar- und Credit-Kasse für den Kreis Dieburg voran. Da in den ersten Jahren der Wohnsitz des Rechners, also des Geldeinnehmers den Sitz der Sparkasse bestimmte, war das in der Umstädter Bachtorstraße bei Friedrich Colin. 1835 war geprägt von großer Armut und Hungersnöten. Die Sparkassen, manche Institute sind schon älter und feierten bereits ihr 200-jähriges Jubiläum, waren für arme Menschen - ausdrücklich werden Dienstboten, Vormünder und Kinder erwähnt - die erste Möglichkeit, eine Form der Altersvorsorge zu betreiben.

Mit einer Zeitreise über 175 Jahre, die über den Tellerrand des Geldinstitutes hinausblickte, verwöhnte Guido Knopp die Zuschauer und Zuhörer. Den Chefhistoriker des ZDF hatte die Sparkasse schon im vergangenen Jahr zum Vortrag „Wahnsinn! Als die Mauer fiel“ eingeladen. Jetzt fasste Knopp in 40 Minuten 175 Jahre Geschichte zusammen, ein Unterfangen, das dem Historiker, Sachbuchautor und Filmemacher nach eigenem Bekunden nicht leicht fiel.

2009 bestes Betriebsergebnis seit 175 Jahren

In drei mit zahlreichen Filmbeiträgen unterlegten Vorträgen führte Knopp die Gäste des Jubiläumsabends durch zwei Weltkriege, einige Revolutionen, die Teilung Deutschlands, seine glückliche Wiedervereinigung und die Einführung des Euro. Auf die jüngste Vergangenheit blickten Vorstandsvorsitzender Manfred Neßler und sein Stellvertreter Markus Euler sowie der aktuelle Landrat Klaus Peter Schellhaas zurück.

Wir haben viel gefeiert“, bestätigte Neßler, „aber auch hart gearbeitet. Im Jahr 2009 haben wir das beste Betriebsergebnis der vergangenen 175 Jahre eingefahren.“ Mit einer Wachstumsrate von 2,6 Prozent auf der Kreditseite, rund 3 500 neuen Girokonten könne man mehr als zufrieden sein. Schellhaas hob die besondere Bedeutung der Jubiläumsstiftung hervor, die nunmehr mit einem Vermögen von 5 Millionen Euro ausgestattet sei und seit ihrem Bestehen 2,5 Millionen in die Region ausgeschüttet habe.

„Der Markt regelt nicht alles“

Zum Schlussbild versammelten sich die Diskussionsteilnehmer und Redner - in der Mitte Lottofee Franziska Reichenbacher - zusammen mit dem Sparkassenchor auf der Bühne. Vorne von links die beiden früheren Landräte Hans Joachim Klein und Alfred Jakoubek mit Vorstandsvorsitzendem Manfred Neßler (am Mikrofon).

Zum „besonderen Geschäftsmodell“ der Sparkassen äußerten sich Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, sowie Gerhard Grandke, geschäftsführender Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen. Das Modell habe sich bewährt, trotz Finanzkrise stünde die Sparkasse Hessen-Thüringen auf einem soliden Fundament. Umgedacht werden müsse insgesamt im Bankenbereich, so Haasis. Es habe sich gezeigt, dass der Markt nicht alles regele, der Staat müsse Grenzen setzen. „Wie viele Sparkassen haben einen eigenen Chor?“, diese Frage von Lottofee Reichenbacher konnte keiner der Herren beantworten. Die Sparkasse Dieburg hat seit Neuestem einen. Der setzte mit zwei Liedern den Schlusspunkt der Veranstaltung in der Heinrich-Klein-Halle. Musikalische Hör-Leckerbissen hatten vorher schon die Musical Factory 64853, die Hollywood Connection Band und der Jazzchor des gemischten Chores Groß-Umstadt geboten.

Kulinarische Leckerbissen erwarteten die Gäste danach in der Stadthalle, die dank ungewöhnlicher Ausstattung ebenfalls kaum wieder zu erkennen war. Sechs 7,5-Tonner hatten das Material zur Verwandlung herbeigeschafft. 20 Köche und 30 Kellner waren zur Versorgung der Gäste zusätzlich geordert worden.

Mit der Abschlussveranstaltung ihres Jubiläumsjahres setzte die Sparkasse neue Maßstäbe in Groß-Umstadts Eventkultur und sorgte für eine Premiere: Noch nie hat ein Veranstalter Stadthalle und Heinrich-Klein-Halle zusammen gebucht.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare