Ins All gebracht

Wettersatellit „Metop-C“ wird von Forschern in Darmstadt betreut

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Der Satellit „Metop-C“ ist erfolgreich vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana abgehoben.

Darmstadt/Offenbach - Sieben auf einen Streich im All: So viele Satelliten kreisen nun um die Erde, damit sich die Wettervorhersage verbessert. Neuster im Bund: Metop-C, der gestern erfolgreich in Kourou in die Luft gegangen ist. Von Axel Wölk

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) verspricht sich vom Start des neuen Wettersatelliten Metop-C zuverlässigeres Datenmaterial für seine Prognosen. „Wir werden für lange Zeit mehr Daten haben“, freut sich Satellitenexperte Jörg Asmus. Es kreisen nämlich nunmehr sieben Satelliten speziell für die Wettervorhersage um die Erde.

Dabei enttäuschten die beiden europäischen Satellitenkontrollzentren Esoc und Eumetsat in Darmstadt die Hoffnungen der Offenbacher Meteorologen nicht. Zielsicher brachten die Techniker vom Esoc den im südamerikanischen Kourou von einer Sojus-Trägerrakete ins All geschossenen Satelliten in eine Erdumlaufbahn. Ab dem Wochenende ist die kritische erste Phase abgeschlossen und das Kontrollzentrum für Wettersatelliten Eumetsat wird den Normalbetrieb des Metop-C übernehmen.

Bevor „Metop-C“ in Kourou abhob, wurde er am Bodensee von Technikern überprüft, um Fehler so gut wie möglich ausschließen zu können.

Im Prinzip verlief in den Kontrollräumen von Esoc und Eumetsat alles nach Plan. Schon vorher hatte es vom Esoc geheißen, dass die Organisation seit 1967 alle mehr als 80 Raketenstarts sicher über die Rampe gebracht habe. Trotzdem war die Nervosität spürbar und von lässiger Routinearbeit keine Spur. Das galt umso mehr, als dass der Metop-C-Start bis voraussichtlich 2020 der letzte vom Esoc betreute Raketenabflug sein wird.

In einem Meer von Rauch und Lärm hob die russische Sojus mit der kostbaren und 4,8 Tonnen schweren Nutzlast planmäßig um 1 Uhr 47 unserer Zeit in der Nacht zum Mittwoch ab. Nach vier Minuten und dreißig Sekunden erreichte sie eine Höhe von 150 Kilometern und hatte damit technisch gesehen das Weltall erreicht. In der Spitze raste die Sojus mit einer Geschwindigkeit von etwa acht Kilometern in der Sekunde durch den Äther.

Am Ende wird Metop-C mit seinen beiden Geschwistern Metop-A und Metop-B in einem Orbit von rund 817 Kilometern Höhe um die Erde schwirren. Dabei fliegen sie praktisch in genau gleichem Abstand hintereinander her. Jeder der Satelliten soll die Erde pro Tag 14 Mal umkreisen und dabei jeden Punkt unseres Planeten zweimal alle 24 Stunden abdecken, wie Programmwissenschaftler Dieter Klaes erläuterte.

Auf längere Sicht wird Metop-C im All aber mit nur einem Geschwisterkind auskommen müssen. Der bereits 2006 gestartete und eigentlich nur für fünf Jahre konzipierte Metop-A wird 2021 seinen Dienst einstellen. An einem Nachfolgeprogramm für die derzeitige Metop-Serie arbeiten die Weltraumexperten fieberhaft. Ab 2022 will Eumetsat nämlich mit einer neuen Generation von Metop-Satelliten starten.

Von Metop-C erhoffen sich Eumetsat und Meteorologen ein besseres Verständnis von Wetter und Klima. Mit den neun Instrumenten an Bord lassen sich Daten zu Temperatur, Feuchtigkeit, Zusammensetzung der Atmosphäre, Meereis-Eigenschaften, Wolkenbildern und dem Wassergehalt des Bodens sammeln. Sie dienen unter anderem der besseren Vorhersage von extremen Wetterphänomenen. „Wir können mit den Daten sehen, wie ein Sturm geboren wird“, ist sich Mark Higgins von Eumetsat sicher.

Die Möglichkeiten der Satelliten sind beachtlich. Sie können die Oberfläche der Erde praktisch scannen und Umweltverschmutzungen in Form von übermäßigem Ammoniak- und Kohlendioxid-Ausstoß aufdecken. Auch versorgen sie Klimaschützer mit wichtigem Argumentationsfutter. Die Wissenschaftler können zeigen, dass es auf kurz oder lang zu einer eisfreien Arktis kommen wird, sofern die Erderwärmung um mehr als 2 Grad nach oben schießt. Bei einer Erderwärmung, die wenigstens bei 1,5 Grad festgesetzt wird, ließe sich dieses Katastrophenszenario vermeiden.

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Unterdessen hofft Asmus vom DWD auf eine Lebensdauer des neuen Metop-Sprösslings von um die sieben Jahre. Die Datenqualität habe sich seit dem vergangenen Jahrzehnt verbessert. Besonders auch das Material, das die USA lieferten, würde die Qualität der Prognosen erhöhen. Aber auch Daten aus China und Japan verwenden die Offenbacher. Diese fließen dann in die DWD-Simulationen ein und helfen unter anderem bei der Warnung vor Unwettern.

Die Kooperation mit Eumetsat klappt nach Ansicht von Asmus reibungslos. So sitze etwa DWD-Chef Gerhard Adrian im Rat der Satellitenorganisation aus der Nachbarstadt. Von daher kann die Rhein-Main-Region als deutscher Vorzeigestandort für Weltraum und Wetter punkten. Auch aufgrund des neuen Eumetsat-Kontrollzentrums für geostationäre Satelliten. Die glatten Oberflächen erinnern da schon sehr an Raumschiff Enterprise.

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