Max Goldt liest in der Centralstation

Wenn Tippse auf Putze trifft

Darmstadt - Wenn sich eine Geschichte um eine Lesbe, eine Tippse und eine Putze rankt und die Aufzählung absurder Produktnamen wie „Maiskolbenhalter“ das Publikum zu lautem Lachen verleitet, dann liest Max Goldt. Von Julia Radgen

Der für seine Kolumnen im Satiremagazin „Titanic“ und als textende Hälfte des Comic-Duos „Katz und Goldt“ bekannte Autor hat ein Gespür für die Wirkung von Worten. Am Montag las er in der Centralstation Darmstadt.

Goldts Texte zielen durch gekonntes Spiel mit Ausdrücken und deren Klang auf das Zwerchfell der Zuhörer ab – auf Umwegen. Vor der Pointe führt der 58-Jährige sein Publikum durch skurrile Gedankenwelten – seien es Berufsschülerinnen, die mit schlimmen Patienten vom Traumberuf Ärztin abgeschreckt werden oder das erste Treffen eines Erotik-Fäkalfilm-Darstellers und den Eltern seiner Liebsten.

Max Goldt

Nichts ist unmöglich im Goldt-Universum und nichts zu absonderlich, um den Weg in einen seiner Bände zu finden. Zuletzt veröffentlichte Goldt „Lippen abwischen und lächeln“, das er als „zeitlich begrenztes Best-of“ bezeichnet. Oder: „Alles, was ich noch gut finde“ – wie einen Text über eine Reise nach Katar, bei der man eigens für die Gäste aus dem Westen einen Luxus-Falken operiert.

Die Gedanken des Autors kreisen um Alltägliches wie das Bidet in seiner Wohnung. Das rückt Goldt wegen des Wortklangs gedanklich in die Nähe eines Boudoirs und fabuliert über die Nutzung in einem Damenzimmer vergangener Zeit. Er widmet sich aber auch ganz großen Themen wie dem Glück. Und bekennt: „Ich habe nie groß in mir selbst gewühlt, weil ich es nie für notwendig hielt, glücklich zu sein.“ Die zufriedensten Menschen der Welt sind für Goldt Tierpfleger, was schon ein Blick in die Zoo-Sendungen des nachmittäglichen TV-Programms beweise. Und zwischen Zufriedenheit und Glück unterschieden ohnehin nur Schlaumeier.

Rubriklistenbild: © Archivbild: dpa

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