Hilfe in fast allen Lebenslagen

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Die Jugendberufshilfe und die Schwangerenkonfliktberatung des Diakonischen Werkes sind umgezogen. In neuen Räumen im Darmstädter Schloss beraten Astrid Freund, Ursula Eilmes und Alexandra Besserer (von links) zu vielen Lebenslagen.

Darmstadt-Dieburg - „Wir geben nicht nur Hilfestellung beim Start in den Beruf“, sagt die Diplom-Sozialpädagogin Alexandra Besserer. Ihre Kollegin Ursula Eilmes, ebenfalls Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin ergänzt: „Manchmal genügt schon die Hilfe bei der Bewerbungsmappe, bei vielen kommen aber noch alle möglichen Probleme dazu und manche Jugendliche kommen regelmäßig über Monate.“ Von Ulrike Bernauer

Rund 90 Ratsuchende begleitet die Jugendberufshilfe des Diakonischen Werkes Darmstadt-Dieburg im Jahr. Häufig helfen die beiden Sozialpädagoginnen über lange Zeit. „Zum Problem, einen Arbeitsplatz zu finden, kommen oft auch psychische Probleme“, sagt Besserer, „das kann Schulschwänzen sein, Probleme in der Familie oder auch Drogenkonsum.“ Bei letzterem verweisen die Diakonie-Mitarbeiterinnen an die zuständigen Fachstellen.

Aber sonst fühlen sich die beiden Sozialpädagoginnen für viel zuständig. „Beim Erstkontakt gilt es erst einmal, Vertrauen aufzubauen“, erklärt Eilmes. „Ist man miteinander vertraut, dann geht es darum, einen Weg aus der Misere zu finden.“ Jugendliche im Alter von 15 bis 27 Jahren kommen in die Beratungsstelle in Groß-Umstadt. Früher waren es meist Hauptschüler, heute sind auch viele Realschüler unter den Ratsuchenden. Das Einzugsgebiet ist recht groß, die Kunden kommen aus Groß-Zimmern, Münster, Eppertshausen, Groß-Bieberau, Schaafheim, Babenhausen, Dieburg, Reinheim und natürlich aus Groß-Umstadt. Die Jugendberufshilfe ist zuständig für den Ostkreis des Landkreises oder – um im kirchlichen Rahmen zu bleiben – für das zukünftige Dekanat Vorderer Odenwald.

Seit 25 Jahren gibt es die Beratungsstelle für Jugendliche, seit 2004 befindet sie sich in Groß-Umstadt. Umgezogen ist sie in diesem Jahr, von der Realschulstraße in das Darmstädter Schloss in frisch renovierte Räume. Im Erdgeschoss des Gebäudes residiert die Jugendberufshilfe und die Sozialpädagoginnen können ihre Beratung in freundlichen, großzügigen Räumen anbieten. „Die Kirche hat die Probleme Jugendlicher im Blick und fühlt sich auch dafür zuständig“, sagt Besserer. Tatsache ist, dass die evangelische Kirche über das Diakonische Werk diese einzige Jugendberufshilfestelle im Ostkreis finanziert.

Angegliedert ist, ebenfalls schon seit Jahren, die Schwangeren- und Konfliktberatung. Astrid Freund, Diplom-Sozialpädagogin, steht Frauen, die nicht wissen, ob sie ihr Baby behalten sollen, mit Rat und Tat zur Seite. Sie hilft bei Anträgen bei der Bundesstiftung „Mutter und Kind“, wenn sich die werdende Mutter für den Nachwuchs entschieden hat, aber finanzielle Hilfen benötigt.

„Die Konfliktberatung ist nicht mein Hauptgeschäft“, erklärt Freund. „Frauen, die abtreiben wollen, kommen meist nicht zu uns.“ Wobei die Konfliktberatung auch zum Angebot des Diakonischen Werks gehört, nach Gesetzeslage wird beraten und auch der Beratungsschein ausgestellt.

Aber meist geht es um die finanziellen Hilfen, eine psychosoziale Beratung schließt sich oft an. Auch Freund kennt manche Frauen schon seit Jahren, denn bei Problemen mit dem Baby steht sie auch mit Rat zur Seite. „Oder eine Mutter kommt auch einfach mal vorbei, um mir stolz ihr Baby zu zeigen“, sagt die Sozialpädagogin und lacht.

Nicht nur werdende Mütter berät Freund, sie bietet Hilfe in allen Lebenslagen an. Kommt sie mal bei einem Problem nicht weiter, so kann sie zumindest an die dafür zuständigen Fachstellen vermitteln.

Mit dem Babysimulator üben

Spezialisiert ist sie aber auch auf sexualpädagogische Angebote für Jugendliche. Ein großer Erfolg ist dabei das „Elternpraktikum“ oder die „Babybedenkzeit“. „In vielen Berufen können Jugendliche in Praktika ausprobieren, ob ihnen diese Tätigkeit gefällt. Ausgerechnet im Beruf Eltern, den man nicht so ohne weiteres ändern kann, gibt es bislang keine Praktikumsmöglichkeit“, so steht es im Faltblatt über die Babybedenkzeit.

Das hat sich nun geändert. Mädchen und Jungen ab 14 Jahren können beispielsweise im Rahmen einer Schulprojektwoche einen Babysimulator, der seine einprogrammierten Bedürfnisse zu jeder Tages- und Nachtzeit lautstark kundtut, für vier Tage mit nach Hause nehmen. Besonders die Schülerinnen der Groß-Zimmerner Albert-Schweitzer-Schule haben dieses Angebot schon häufig angenommen. Der „Babykurs“ ist bei der Projektwoche immer überbucht, neu ist, dass sich inzwischen auch der eine oder andere Junge dafür interessiert.

Erreichbar ist die Schwangeren- und Konfliktberatung sowie die sexualpädagogische Beratungsstelle unter 06078/789566. Die Jugendberufshilfe hat die Nummern 06078/7895 64 und 65. Besetzt ist die Beratungsstelle in der Regel von 8 bis 13 Uhr. „Der Anrufbeantworter ist außerhalb der Bürozeiten geschaltet und wir rufen immer zurück“, sagt Eilmes.

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