Veterinäramt gibt Tipps zum Schutz des Jungwilds beim Mähen

Tod im hohen Gras

Obwohl einfache Maßnahmen das Rehkitz schützen könnten, kommen immer wieder Jungtiere zwischen die Messer maschineller Mähwerke und werden verstümmelt oder getötet.Foto: p

Darmstadt-Dieburg - Schönes Wetter nutzen Landwirte ab dem Frühjahr, um hochgewachsene Wiesen und Weiden zu mähen und Heu und Grünfutter zu ernten. Gerade hohes Gras bevorzugen jedoch auch Wildtier-Mütter, um ihre neugeborenen Kleinen aufzuziehen.

Nicht selten kommt ein frisches Rehkitz, ein kleiner Feldhase oder ein Federwildküken zwischen die Messer maschineller Mähwerke, die Tiere werden verstümmelt und verenden schließlich.

„Die Problematik hat bundesweit in den letzten Jahren zugenommen, da immer leistungsstärkere Mähmaschinen schneller und häufiger durch die Wiesen fahren“, erklärt Dr. Christa Wilczek, stellvertretende Leiterin des Veterinäramtes für den Landkreis Darmstadt-Dieburg. Kreisjagdberater Walter Schöcker ergänzt, dass in früheren Zeiten erst nach dem 24. Juni gemäht werden durfte. Da war das Jungwild groß genug und konnte sich selbst in Sicherheit bringen.

Im Landkreis bestehe zwar eine gute Zusammenarbeit zwischen den Landwirten und den Jägern, so Dr. Wilczek. Dennoch würden immer wieder vor allem Rehkitze ausgemäht. Dabei könnten bereits einfache Maßnahmen Jungwild vor dem Mähtod schützen. Landwirte, die eine Mahd planen, sollen laut Dr. Wilczek möglichst zwei bis drei Tage vorher dem Jagdausübungsberechtigten Bescheid geben, um notwendige Vorbereitungen zu besprechen. Der Landwirt selbst kann am Abend vorher Wildscheuchen aufstellen. Das können einfache Pfähle mit flatternden dünnen Müllsäcken sein, aber auch Absperrbänder, Blinkleuchten oder an das Gras gebundene und mit Gas befüllte Luftballons sorgen dafür, dass Ricken ihren Nachwuchs in Sicherheit bringen. „Wichtig ist, die Scheuchen erst am Abend vorher anzubringen, da das Wild sich sonst daran gewöhnt und die Kitze wieder zurück in das hohe Gras geführt werden“, erläutert Dr. Wilczek. Auch technische Wildretter können eingesetzt werden. Sie reagieren mit Infrarot oder Mikrowellen auf Wärme oder Wasser und zeigen die gut versteckten Kitze an.

Ein Absuchen der Wiesen und Weiden bleibt trotz aller Maßnahmen erforderlich und macht ein gutes Zusammenwirken von Landwirt und Jäger nötig. „Hier kann man auch Naturschutzgruppen oder Schulklassen um Hilfe bitten“, regt Dr. Wilczek an. Wird ein Rehkitz gefunden, darf es niemals mit den Händen angefasst werden. Mit Grasbüscheln zwischen den Händen und dem Fell soll das Rehkitz im Schatten unter einem Pappkarton oder einer Holzkiste abgelegt werden, bis die Mahd beendet ist. Letzter Tipp von der Vizechefin des Veterinäramtes: „Wenn von innen nach außen gemäht wird, können einzelne Wildtiere auch bei Mahdbeginn noch rechtzeitig fliehen und werden nicht im Zentrum der Weide eingekesselt.“ Wer keine vorbeugenden Maßnahmen trifft und damit den Mähtod von Jungwild billigend in Kauf nimmt, muss mit einer Geldstrafe rechnen - so ist es im Tierschutzgesetz geregelt.

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