Daniel Cohen

Israelischer Dirigent ist Darmstadts neuer Generalmusikdirektor

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Mozarts als Schlüsselerlebnis: Die Linzer Sinfonie hat Daniel Cohen als 16-Jähriger erstmals in Tel Aviv dirigiert und darin seine Berufung gefunden.

Darmstadt - Mit vollem Risiko ins kalte Wasser: Daniel Cohen absolvierte sein erstes Dirigat in Darmstadt als Einspringer – ohne jede Probe. Von diesem Einverständnis will der Israeli auch in seiner Funktion als neuer Generalmusikdirektor am Staatstheater profitieren. Von Klaus Ackermann

Er ist gerade mal 34 Jahre jung und macht schon einen großen Karrieresprung. Daniel Cohen, seit 2015 Kapellmeister an der Staatsoper Berlin, ist neuer Generalmusikdirektor am Darmstädter Staatstheater. Der Israeli hat nach beeindruckendem Probespiel auf Anhieb Intendant Carsten Wiegand und das Darmstädter Orchester überzeugt. Sein Antrittskonzert gibt er am Sonntag, 18. November im Haus am Georg-Büchner-Platz.

Cohen hat das ursprüngliche Programm des Sinfoniekonzerts verändert, bringt Schwerpunkte seiner musikalischen Vita ein. Mozart ist für den sympathischen jungen Pultmeister ein Muss. Der Komponist spielte auch eine große Rolle bei Cohens erster Begegnung mit dem Orchester des Staatstheaters. Ohne Proben habe er in Darmstadt Vorstellungen von „Cosi fan tutte“ dirigiert, erzählt der Pultmeister mit Behagen. Und schon nach den ersten Takten sei jedwede Angst verflogen gewesen. Es wurde musiziert, als würden sich Musiker und Dirigent schon Jahre lang kennen. Mozarts Linzer Sinfonie hat der junge Geiger erstmals als 16-Jähriger während seiner Studienzeit in Tel Aviv dirigiert. Ein Schlüsselerlebnis – fortan wollte Daniel Cohen Dirigent werden.

Johannes Brahms, dessen 1. Sinfonie ebenfalls beim Antrittskonzert erklingt, sei sein Lieblingskomponist, sagt der neue Darmstädter Maestro. Und mit den „Variationen über ein Thema von Arnold Schönberg“ des Italieners Luigi Nono (1924-1990) verneigt sich Cohen vor der großartigen Tradition Darmstadts als Zentrum für Neue Musik. Das Werk war 1950 vom Orchester des Darmstädter Staatstheaters uraufgeführt worden.

Zeitgenössische Musik liegt dem Dirigenten am Herzen, der zehn Jahre als Geiger im von Daniel Barenboim gegründeten West-Eastern Divan Orchestra spielte und den Weltklassedirigenten als seinen wichtigsten Mentor nennt. Mit Neuer Musik sei er auch durch Assistenzen beim leider schon verstorbenen Neutöner-Guru Pierre Boulez und bei Gustavo Dudamel (Los Angeles Philharmonic Orchestra) intensiv vertraut. Man sollte sie dem Publikum zum Erlebnis machen, das oft noch mit neuen Klängen fremdelt, sagt Cohen.

Neue Stücke einzustudieren sei auch der Wunsch des Orchesters, von dem der Dirigent mit Hochachtung spricht. „Jeder einzelne Musiker ist eine Persönlichkeit“, weiß Cohen. Als Dirigent müsse man seine Idee von Klang mit der des Orchesters abgleichen - dieses Zusammenwirken ergebe dann eine völlig neue musikalische Identität.

Tanztheater in Darmstadt

Voll des Lobes ist der Israeli auch vom aktuellen Spielplan des Staatstheaters, in dem viele thematische und musikhistorische Linien erkennbar seien. Neueinsteiger Cohen wird noch die Premieren von Verdis „Maskenball“ (8. Dezember) und Dvoraks „Rusalka“ (23. März 2019) dirigieren. Eine große Neugier verspürt der junge Maestro - auch beim Orchester. Ebenso gespannt dürfte das Publikum sein, vor allem aufs Antrittskonzert.

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