„Kämpfer im Gestrüpp der Bürokratie“

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Amtswechsel: Der neue und alte Regierungspräsident des Bezirks Darmstadt: Johannes Baron (r.) und Gerold Dieke (l.). In der Mitte Hessens Innenminister Volker Bouffier.

Darmstadt - Für Gerold Dieke endet ein Lebensabschnitt. Der 66-Jährige war zehn Jahre Regierungspräsident des Bezirks Darmstadt, damit zuständig für die Interessen und Belange von 3,8 Millionen Menschen in Hessen. Von Dirk Beutel

Eine weitere Aufgabe des Präsidenten und seiner rund 1 600 Mitarbeiter im Regierungspräsidium ist die Umsetzung von Landes-, Bundes- und Europäischem Recht, unter anderem in den Bereichen Wirtschaft, Landwirtschaft, Gesundheit oder Naturschutz für die Kommunen. Für diese Arbeit benötige man nicht nur ein hohes Maß an Kompetenz, sondern eine Persönlichkeit, die es vermag, unterschiedliche Standpunkte im Interesse aller zu vermitteln. „Mit seiner ruhigen, ausgeglichenen Art und auch mit seinem Humor hat es Gerold Dieke geschafft, Menschen zusammen zu führen. Dabei verstand er es, das Präsidium in eine moderne und transparente Behörde zu verwandeln“, sagte Hessens Innenminister Volker Bouffier, der Gerold Dieke im Darmstädter Staatstheater am Dienstag bei einer Feierstunde vor etwa 350 Gästen in den Ruhestand verabschiedete.

Für Dieke vermutlich vielmehr ein „Unruhestand“, denn seine Vorliebe für Lateinamerika und seine große Familie (vier Kinder, ein Enkelkind) werden ihn weiterhin beschäftigen. In den zehn Jahren seines Amtes war Dieke an vielen Baustellen beteiligt. Die wohl Bedeutendste sei der Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau des Frankfurter Flughafens, des größten Arbeitgebers in Hessen. Stellvertretend für die kommunalen Spitzenverbände lobte der Landrat des Odenwaldkreises, Horst Schnur, Gerold Dieke als „einen Kämpfer im Gestrüpp der Bürokratie, bewaffnet mit dem Schwert seiner Persönlichkeit, der es immer wieder vermochte, entscheidende Schneisen zu bahnen.“

Trotz massiver Stellenstreichungen im Zuge der Operation sichere Zukunft zeigte sich Dieke auch in internen Konfliktlagen als engagierter und verständnisvoller Verhandlungspartner, wie der Vorsitzende des präsidialen Personalrates, Uwe Eisenmenger, betonte. Der Regierungsbezirk Darmstadt gelte als „wirtschaftliche Lokomotive und ist Fach- und Bündelungsbehörde für zehn Landkreise, zwei kreisfreie Städte und drei Städte mit Sonderstatus“, so Innenminister Bouffier.

Als Präsidiumsnachfolge benötige man jemanden, der sich mit der Region identifiziere und kommunalpolitische Erfahrungen mitbringe. Der von Jörg-Uwe Hahn, Hessens stellvertretendem Ministerpräsidenten, vorgeschlagene Johannes Baron sei daher die Idealbesetzung. Der 43 Jahre alte Freidemokrat war zehn Jahre als Erster Stadtrat in Kelkheim im Taunus tätig. Sein Aufgabenspektrum erstreckte sich hierbei vom Finanzwesen bis zu sozialen Themen wie Kindertagesstätten und Jugendarbeit. „Während dieser Zeit verstand es Baron, eine breite Palette an unterschiedlichen Aufgaben zu bearbeiten und die Wünsche Einzelner und die der Allgemeinheit aufeinander abzustimmen“, resümierte Hahn. Außerdem schaffte es Kelkheim auch in schwierigen Phasen, einen ausgeglichenen Haushalt zu gewährleisten.

Eine Erfahrung, die der Familienvater sicherlich benötige, wenn er die Aufsicht über die kommunalen Haushalte am 1. Juli als zehnter Regierungspräsident übernimmt. Nach seiner offiziellen Amtseinführung am Dienstag durch Innenminister Bouffier betonte Baron, dass er die Leistungsfähigkeit und das qualitative Niveau des Präsidiums erhalten möchte, „für den Wohlstand und die Lebensqualität in der Region jedes Einzelnen.“ Dazu gehört auch die Kompetenz seiner Mitarbeiter: „Sobald die Wirtschaftskrise überwunden sein wird, brauchen wir Fachleute für schnelle Genehmigungsverfahren.“

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