Kampf gegen Discount-Frisöre

Ehrung bei der Frisör-Innung (v. l.): Obermeister Detlef Faust, Wolfgang Barth (40 Jahre Meister), Joseph Faust (50) und Gerhard Schlepper (40). Foto: Dörr

Dieburg - (jd)   Die Wirtschaftskrise ist zurzeit allgegenwärtig.

Und so spannte auch Detlef Faust, Salonbesitzer und Obermeister der Frisör-Innung Dieburg-Erbach, bei der Jahreshauptversammlung in Dieburg den Bogen seiner Rede von diesem Thema ausgehend. „Die Wirtschaftskrise wird auch vor unserer Branche nicht halt machen“, so Faust. „Wenn durch Entlassungen oder Kurzarbeit weniger Geld im Portemonnaie ist, wird letzten Endes der Verbraucher auch weniger zum Frisör gehen.“ Was nicht heißt, dass die Frisöre resignieren sollen: Vielmehr sei ein auf die Kunden zugeschnittenes Marketing wichtig – durch Aktionen, eine Geschäftsphilosophie und Personalgespräche.

Der Obermeister rief anschließend eine Studie des „Industrieverbands Frisörbedarf“ in Erinnerung. Darin stellte der Verband fest, dass rund 60 Prozent der Verbraucher zum Frisör gehen, Männer mit 6,53 Besuchen pro Jahr öfter als Frauen – die dafür aber deutlich mehr pro Besuch ausgeben – mit 5,33 Besuchen. „Vor allem die unter 40-jährigen Männer scheinen den Frisör wieder entdeckt zu haben“, berichtete Faust. Bei dieser Zielgruppe sei eine leicht ansteigende Zahl der Besuche pro Jahr festzustellen. Bei den Frauen sind es eher die über 40-Jährigen, die Wert auf den regelmäßigen Frisörbesuch legen. Eine der Lehren aus der Studie sei, die „Generation 50 plus“ zukünftig als Marktmacht im Frisörhandwerk zu betrachten. „Wenn man sie adäquat begeistert und sie individuell und nachhaltig mit freundlicher Beratung und Wertschätzung anspricht, wird es dem Salon gelingen, sie als dem Salon verbundene Kunden zu gewinnen“, ist Faust überzeugt.

Das Kostenmanagement bliebe im Salon indes Chefsache – hier sehen sich die Salons einerseits gestiegenen Energiepreisen und generell hohen Fixkosten gegenüber, andererseits könne man auf dem umkämpften Markt kaum Preiserhöhungen durchsetzen. „Flexibel und schlank“ müsse man sein Geschäft entsprechend organisieren, empfahl Faust seinen Innungs-Kollegen.

Überdies waren es die Themen Mehrwertssteuer, Mindestlohn und Discount-Frisöre, die Faust in seinem Jahresbericht betonte. Eine Senkung des Mehrwertsteuersatzes bei Frisör-Dienstleistungen von 19 auf sieben Prozent sei nicht zu erwarten. „Untertarifliche Bezahlungen oder wettbewerbsverzerrende Dumpinglöhne“ seien für Unternehmen derweil „ein beachtliches Risiko“, so Faust. Und: Vor allen Dingen bei den Billig-Frisören seien bei Razzien „eklatante Verstöße gegen das Handwerksrecht“ festgestellt worden.

Auch vor dem Hintergrund, dass alleine im vergangenen Jahr in Deutschland 10000 neue Salons – meist Ein-Mann- oder Ein-Frau-Betriebe – eröffnet hätten, wollte Faust nichts beschönigen: „Bei solchen Steigerungszahlen sehe ich für die Zukunft in unserer Branche für die alteingesessenen Betriebe schwarz, was sich auch bei unserer Innung widerspiegelt.“ Dort traten im vergangenen Jahr zwölf von 78 Betrieben aus. Auch die Zahl der eingestellten Lehrlinge ging zumindest im Raum Erbach zurück.

Dennoch gab es auch freudige Momente: Innungssiegerin bei der Gesellenprüfung wurde 2008 Caroline Trumpfheller aus Michelstadt vom Salon Martin Rodemich, wie Faust mitteilte. Zudem ehrte der Obermeister Wilhelm Abbé aus Erbach, Wolfgang Barth aus Dieburg und Gerhard Schlepper aus Groß-Zimmern mit der Ehrenurkunde der Handwerkskammer. Alle hatten vor 40 Jahren ihre Meisterprüfung abgelegt. Vor gar 50 Jahren war dies beim Dieburger Josef Faust der Fall gewesen. Und so durfte Detlef Faust seinem Vater den Goldenen Meisterbrief überreichen.

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