Vater unschuldig in Haft

Kein Schmerzensgeld für Vergewaltigungslüge

+
Heidi K.

Osnabrück/Darmstadt - Mit erfundenen Vergewaltigungsvorwürfen hat eine Lehrerin in Hessen ihren Kollegen ins Gefängnis gebracht - ein Schmerzensgeld wird sie für diese Jahre hinter Gittern aber nicht zahlen müssen.

Die Tochter des kurz nach seiner Rehabilitierung gestorbenen Horst Arnold zog ihre Zivilklage gegen die Frau zurück. Seine Mandantin hätte den möglicherweise über mehrere Instanzen laufenden Prozess aus eigener Tasche vorfinanzieren müssen, teilte ihr Anwalt Hartmut Lierow gestern mit. Und sie hätte damit rechnen müssen, auch bei Erfolg auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Die Lehrerin war 2012 vom Landgericht Darmstadt wegen ihrer Falschaussage zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die Tochter des von ihr ins Gefängnis gebrachten Arnold hatte sie auf Schmerzensgeld verklagt, laut Anwalt für das Leid, das ihr Vater wegen der unschuldig in Haft verbrachten Jahre ertragen musste. Das Landgericht Osnabrück hatte die Lehrerin 2013 zur Zahlung von 80 000 Euro verurteilt. Dagegen hatte sie Einspruch eingelegt, ein langer Rechtsstreit drohte.

Lesen Sie dazu auch:

Erfundene Vergewaltigung

Die Schmerzensgeldansprüche hätten bislang nicht vollstreckt werden können, sagte Lierow. Die Lehrerin habe ihre Beamtengehaltsansprüche an Dritte abgetreten. Außerdem sei ihr Prozesskostenhilfe gewährt worden. Seine Mandantin hingegen hätte sämtliche Prozesskosten vorstrecken müssen. Weil ihr die Haftentschädigung ihres Vaters per Erbe zugefallen sei, habe sie keine Prozesskostenhilfe bekommen.

Großes Justizirrtum

Der Fall des unschuldig zu fünf Jahren Haft verurteilten Arnold gilt als einer der größten Justizirrtümer Deutschlands. Wegen des Vorwurfs, er habe seine Kollegin 2001 in einer Schule im Odenwald vergewaltigt, war Arnold vom Landgericht Darmstadt verurteilt worden. Er beteuerte stes seine Unschuld. Erst als einer Frauenbeauftragten des Schulamts auffiel, dass das vermeintliche Opfer in anderen Fällen reihenweise Lügen auftischte, wurde der Fall neu aufgerollt. Das Landgericht Kassel stellte 2011 die Unschuld Arnolds fest. Ein Jahr später starb er - wenige Monate nach dem endgültigen Freispruch durch den Bundesgerichtshof.

Heidi K., die nun im Raum Osnabrück lebt, hat auch gegen das Darmstädter Urteil aus dem Jahr 2012 Revision eingelegt. Dafür zuständig ist laut Landgericht der Bundesgerichtshof. Vor Sommer sei aber nicht mit einer Entscheidung zu rechnen. So lange bleibt Heidi. K. auf jeden Fall auf freiem Fuß.

dpa/ad

Mehr zum Thema

Kommentare