Knicklenker gesellt sich zu Bulldogs

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Getreideernte, so wie sie früher betrieben wurde, konnte man beim Fest der Lanzfreunde beobachten.

Groß-Umstadt - (bea)  Gefachsimpelt wird, was das Zeug hält. Das 20-jährige Jubiläum der Lanzfreunde Odenwald lockt nicht nur Massen von Zuschauern auf den Heubacher Festplatz, sondern auch viel sachkundiges Publikum.

Ohne die vielen Gäste, die nicht nur sich selbst, sondern auch ein altertümliches Gefährt mitgebracht haben, könnte die Show von alten Bulldogs, Traktoren und landwirtschaftlichen Geräten in dieser Form gar nicht stattfinden.

Eines der Glanzstücke ist ein Lanz Knicklenker von 1925. Zwölf PS hat das Museumsstück, 1 700 Kilo bringt es auf die Waage. Ein Museumsstück ist es im wahrsten Sinn des Wortes, normalerweise steht es im Museum der John Deere Werke in Mannheim. „Wir haben den ausgeliehen bekommen, weil wir im Gegenzug ab und zu einen unserer Bulldogs an das Museum für Ausstellungen verleihen“, verrät Reinhold Bönsel, Mitglied der Lanzfreunde Odenwald. Weltweit gibt es von diesem Typ schätzungsweise nur noch zehn Stück.

So kostbar sind aber nicht alle Maschinen, die auf dem Festplatz in Heubach stehen. Und die meisten wurden auch von ihren Besitzern dorthin gefahren. Die stehen oft neben ihren Traktoren und Bulldogs (so nennt man die Lanz-Gefährte) und geben gerne Auskunft über ihre Schätzchen. Die wenigsten werden noch in der Landwirtschaft eingesetzt, sondern von ihren Besitzern gehegt und gepflegt, was man dem glänzenden Lack auch durchaus ansieht.

Wahre Schmuckstücke sind darunter, die so aussehen als hätten sie gestern das Werk verlassen, obwohl sie meist schon mehr als ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel haben. Einer der wenigen Ausnahmen ist der Lanz der Familie Weber aus Heubach. Der wird tatsächlich noch zu manchen Arbeiten auf den Acker gefahren, beispielsweise zur Kartoffelernte.

Alles, was Rang und Namen hat, ist hier vertreten

Nicht nur Maschinen der Firma Heinrich Lanz stehen auf dem Platz, alles was im Traktorenbau Rang und Namen hat, ist hier versammelt. Von Schlüter, Deutz, Man, Hanomag, Porsche, Fendt, Fahr, Allgaier, Holder, Eicher, Güldner bis zu Exoten aus der ehemaligen DDR reichen die Namen. Und genauso vielfältig ist auch der Standort der Vereine oder Einzelpersonen, die ihr Schmuckstück heute zur Schau stellen. Aus Bad König, Dietzenbach, Babenhausen, Zwingenberg, der Wetterau und vielen anderen Orten der näheren und weiteren Umgebung kommen die Aussteller.

Viele übernachten in der Zeltstadt, die sich hinter dem Ausstellungsgelände breit gemacht hat.

Neben den Traktoren und Bulldogs gibt es auch noch andere Maschinen zu besichtigen, beispielsweise eine Steinbrechmaschine. In deren Schlund werden Steinbrocken geworfen, die unten als Steinbröckchen wieder herauskommen. Angetrieben wird die Maschine natürlich von einem Bulldog. Feurig geht es bei einem Feder-Schmiedehammer zu, der ebenfalls von einem Deutz-Traktor in Bewegung gesetzt wird.

Eines der vielen alten Schätzchen, die man beim Traktoren- und Bulldog-Treffen der Lanzfreunde Odenwald bestaunen konnte.

Ein Schmuckstück ist auch ein beweglicher Dampfkessel aus dem Jahr 1918 von der Firma Epple und Buxbaum aus Augsburg. Den haben Günter Ignee aus Langenselbold und Walter Stenger aus Reichenbach mitgebracht, sogar die Genehmigungsurkunde haben sie noch. Kennengelernt haben sich die beiden Sammler von alten Maschinen im Verein „die Gusseisernen“ aus dem Kahlgrund. Liebevoll putzt Ignee mit einem Läppchen über Teile der Maschine.
Die Schirmherrschaft für diese Jubiläumsfeier hat Landrat Alfred Jakoubek übernommen, der sich überwältigt von der Vielzahl der unterschiedlichen Maschinen zeigt. Er spricht auch den Wandel in der Landwirtschaft an, der sich deutlich am Outfit der Traktoren ablesen lasse. In einem Eck steht nämlich auch ein moderner Traktor, dessen gewaltige Reifen allein schon höher sind als eines der ganz alten Gefährte.

Bürgermeister Joachim Ruppert freut sich über die zahlreichen Aktivitäten der Lanzfreunde, die Heubach weit über seine Grenzen bekannt gemacht haben. Charakteristisch ist für den Bürgermeister, der in Heubach wohnt, das Geräusch der Lanz-Bulldogs. Und auch andere Traktorenfreunde wissen das typische „put-put-put“ der Bulldogs zu schätzen.

Die Liebe zu den Traktoren vom Vater geerbt

So wie bei Peter Waschek aus Dreieich fängt bei den meisten die Liebe zum alten Gefährt an. „Ich wollte erst einen, jetzt habe ich drei“, lacht der Oldtimer-Fan. Infiziert hat ihn sein Vater, der hatte ebenfalls drei Trecker. Diese hat Vater Waschek allerdings verschrottet, als sein Sohn den landwirtschaftlichen Betrieb in Dresden verließ.

Bei Familie Bönsel - Hans Bönsel ist derzeit der Vorsitzende der Lanzfreunde und Bruder Reinhold war früher einmal Chef - ist der Lanz-Virus familiär bedingt. „Unsere Familie hatte früher eine Schreinerei mit Sägewerk“, sagt Reinhold Bönsel, „da gab es schon immer Zugmaschinen, wir hatten einen Deutz als Antrieb für die Dreschmaschine“. Beim Treffen in Kleestadt vor 20 Jahren zeigten die Bönsels einen generalüberholten Lanz - das Fieber war ausgebrochen.

Aber zu den rund 50 Lanzfreunden gehören auch Mitglieder, die keine familiäre Vorerfahrung haben. Georg-Werner Ruppert beispielsweise ist auch beruflich nicht vorbelastet, angesteckt hat er sich wohl mit seiner Sammelleidenschaft für Motorräder, die dann auf größere Maschinen überging.

Die bedeutendste Unternehmung unseres Vereins ist ohne Zweifel die Ausstellung historischer Traktoren, Stationärmotoren, Gerätschaften und Dreschvorführungen“, sagt Reinhold Bönsel. Ein Vorhaben, das die Lanzfreunde äußerst gelungen umgesetzt haben.

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