Ein Kompass für den hürdenreichen Weg

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Der Kreistagsvorsitzende Prof. Dr. Ralf-Rainer Lavies (Mitte) vereidigte Klaus Peter Schellhaas (links) am Montag als Nachfolger von Landrat Alfred Jakoubek (rechts). Die große Schar der über 200 Gäste und Gratulanten reichte vom Regierungspräsidenten bis zur Personalratsvorsitzenden Erika Krapp und Gesandten der Partnerkreise.

Darmstadt-Dieburg - Man hätte meinen können, dass der Mittwoch vergangener Woche der Tag gewesen sein muss, an dem Klaus Peter Schellhaas mehr Glückwünsche, mehr Geschenke und mehr Hände gereicht bekam als an jedem anderen Tag dieses Jahres. Von Barbara Hoven

Wäre da nicht der Montag dieser Woche gewesen. Da waren die Flut der warmen Worte, der Berg der Mitbringsel und die Schlange der Gratulanten noch länger als an Schellhaas’ 49. Geburtstag. Die Vereidigung als Landrat des Kreises Darmstadt-Dieburg ist nunmal ein noch ehrenvollerer Anlass als ein Wiegenfest.

Ein Neuankömmling in der Welt der für 290 000 Bürger in 23 Städten und Gemeinden verantwortlichen Verwaltung ist der neue Landrat (SPD), der sein Amt am 1. Oktober zunächst für sechs Jahre antritt, nicht. Seit Januar 2007 war der gebürtige Darmstädter Erster Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent im Kreis und damit stellvertretender Landrat. Vor fünf Monaten setzte er sich in ei ner Direktwahl gegen den Erbacher Bürgermeister Harald Buschmann (CDU) durch, der ebenfalls nach dem Amt des scheidenden Landrats Alfred Jakoubek (SPD) gegriffen hatte.

Für Groll war jedoch am Montag kein Platz. Die Vereidigung, eine versöhnliche Veranstaltung, in der die politischen Wettbewerber gemeinsam die gute Zusammenarbeit erhofften und die schlechte Wahlbeteiligung – nur 32 Prozent – betrauerten.

Gesundheit und Nachhaltigkeit als Schwerpunkte

Für Schellhaas kam die Freude über die neue Aufgabe hinzu. „Der Neue“ erweiterte seine bisherigen Arbeitsschwerpunkte – Familie, Schule, Ehrenamt – um die Stichworte Gesundheit und Nachhaltigkeit. Jenseits solcher Maximen „wird es keine kurzfristigen Erfolge geben. Wir dürfen uns nicht dem Trugschluss hingeben, dass wir die Folgen der Wirtschaftskrise durch Konsolidierung in irgendeiner Form wettmachen können.“ Nötig sei der intensive Dialog. Eine entsprechende Plattform will Schellhaas in den nächsten Tagen im Internet installieren, um engen Kontakt auch mit den Bürgern zu halten. Als wichtige Projekte bezeichnete er zudem die Wirtschaftsförderung, die Sicherung von Arbeitsplätzen und Infrastrukturprojekte wie den Ausbau der B 26.

Sehr persönliche und bewegende Momente

Zum Schluss wurde der neue Landrat sehr persönlich. Nicht alleine, was den Dank an Vorgänger Jakoubek und andere Weggefährten betrifft, sondern auch mit Blick auf seine leukämiekranke Partnerin. „Es bricht mir das Herz, dass sie jetzt nicht hier sein kann.“ Er sei dennoch von ihr ermutigt worden und werde seine „ganze Kraft für den Kreis geben!“.

Und für die Partei. Eine kleine Spitze der CDU-Fraktionsvorsitzenden Karin Neipp zumindest, Schellhaas werde doch eher nicht Landrat sein und SPD-Unterbezirkschef bleiben wollen, parierte der mit der Ankündigung, sich in dieser Frage an der Bundeskanzlerin und CDU-Parteivorsitzenden Angela Merkel orientieren zu wollen. Die Kreis-CDU beschenkte Schellhaas mit einem Wunschbaum, dekoriert mit 30 Wünschen, die von persönlichem Glück bis zur „Gleichberechtigung aller Fraktionen“ reichen.

Aus Schellhaas eigenen Reihen kam ein Rucksack, bepackt mit Kompass, Energieriegel und dem Versprechen, dass die Fraktion den „dank Finanzkrise“ hürdenreichen Weg mit ihm gehen werde. „Ich hätte Dir einen leichteren Weg gewünscht“, sagte Dagmar Wucherpfennig.

Der Pit, der kann´s

An Equipment wird es dem Landrat auch sonst nicht mangeln. Die Grünen empfahlen sich unter anderem mit „Grünzeug“ im Obstkorb als Nutznießer der von ihrer Fraktionschefin Brigitte Harth gelobten Bereitschaft Schellhaas’ zur Zusammenarbeit. Für die FDP schenkte Klaus Jürgen Hoffie ein kleines Fernglas „für den Blick über enge Grenzen hinaus“. Und Brigitte Tesch (Freie Wähler) bedachte „den Pit“, wie Schellhaas genannt wird, außer mit einem Kunstwerk auch mit einem Wortbild: „Ich bin mir sicher, Du wirst wie ein Sportler jede Hürde meistern, wie ein Musiker den richtigen Ton treffen, wie ein Akrobat den Spagat zwischen den Parteien schaffen – wie ein Künstler eben.“

Zum Abschied von Alfred Jakoubek aus dem Chefsessel in Kranichstein lesen Sie auch:

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Dass er in mancher Hinsicht einer wird sein müssen, bescheinigte ihm jeder Gratulant. Walter Busch-Hübenbecker (Die Linke/DKP) etwa, der Schellhaas deshalb die neue Ausgabe des „Kapitals“ von Karl Marx überreichen will. Karl Hartmann (SPD) als Vorsitzender der bis auf eine Ausnahme anwesenden Kreis-Bürgermeister. Regierungspräsident Johannes Baron, der dem studierten Sozialpädagogen Schellhaas die Bewahrung seines „Interesses am Menschen“ wünschte. Und Jakoubek selbst, in seiner Funktion als Präsident des Hessischen Landkreistages. Er versprach seinem Nachfolger „eine gut aufgestellte Verwaltung“, die ihm zur Seite stehe, und den Gästen „einen Pit, der’s kann“. Das habe er schon als Kreisbeigeordneter gezeigt.

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