Kreisdezernentin Margarete Sauer zieht positive Zwischenbilanz

Kreis sagt Ja zum "Pakt für Nachmittag"

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Ab dem Schuljahr 2019/20 ist auch die Markwaldschule im Babenhäuser Stadtteil Langstadt mit dabei beim Pakt für den Nachmittag.

Darmstadt-Dieburg – Der „Pakt für den Nachmittag“ ist das Modell, das der Landkreis für den Ausbau und die Gestaltung des Nachmittags-Angebots an seinen 54 Grundschulen, Grundstufen der Sekundar-I-Schulen und Förderschulen gewählt hat. Von Sebastian Richter 

Nach dem Beschluss des Kreistags 2014, ein vom Land Hessen angebotenes Pilotprojekt aufzugreifen, lief die Umsetzung zunächst eher schleppend an. Nachdem aber dafür in den Koalitionsverhandlungen von SPD, Grünen und FDP nach der Kommunalwahl ein eigenes Dezernat in der Kreisverwaltung geschaffen und mit der FDP-Politikern Margarete Sauer besetzt wurde, ist die Entwicklung sichtlich vorangekommen. In einem Bericht für den Kreistag und einem Gespräch mit dieser Zeitung zieht die pensionierte Leiterin des Max-Planck-Gymnasiums in Umstadt eine positive Zwischenbilanz.

Zehn Schulen pro Jahr sollten im Kreis dem Pakt beitreten. Gegenwärtig nehmen allerdings nur 20 teil, womit die Realität dem Plan hinterherhinkt. Das räumt Sauer ein, kann aber darauf verweisen, dass nach vielen Besuchen und Überzeugungsarbeit im Schuljahr 2019/20 zehn weitere Lehranstalten hinzukommen werden und es für 2020/21 Optionen von 18 weiteren Schulen gibt. Der „Pakt für den Nachmittag“ kommt also voran.

Der Beitritt zum Pakt bringe den Beteiligten Vorteile, versichert Sauer, und insbesondere für kleine Grundschulen habe das Land das Angebot noch einmal nachgebessert, mit der Option auf eine volle Stelle zusätzlich unabhängig von der Schülerzahl. Aber mit dem Übergang von einer „betreuenden Grundschule“ zum rhythmisierten pädagogischen Ganztagsangebot bis 14.30 oder auch 17 Uhr seien auch erhebliche organisatorische Umstellungen verbunden, pädagogische und sozialpädagogische Fachkräfte müssten zu einer Zusammenarbeit finden, Lehrer sich auf neue Arbeitszeiten einstellen und Eltern neue Verbindlichkeiten anerkennen.

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Dabei habe es überall schon Angebote der „betreuenden Grundschule“ gegeben, und dies in diversen Formen mit den unterschiedlichsten Trägern. Eine sehr bunte Landschaft habe sie vorgefunden, schildert Sauer ihre Anfänge im Dezernat, von Elterninitiativen über freigemeinnützige Träger bis hin zu Angeboten des Kreises an einst 21 Schulen, an denen es sonst kein über die Unterrichtszeit hinaus gehendes Angebot gegeben hätte.

Margarete Sauer Kreisbeigeordnete

„Bei der betreuenden Grundschule ging und geht es vor allem darum sicherzustellen, dass die Kinder innerhalb eines definierten Zeitraums verlässlich betreut werden“, erklärt die ehrenamtliche Dezernentin den Unterschied zu den Paktschulen, bei denen das Nachmittags-Angebot zum Teil des pädagogischen Programms werde, neben Hausaufgaben-Betreuung auch Arbeitsgruppen und individuelle Förderung umfasse. „Schrittweise Herstellung von Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit“ führt die liberale Politikerin ins Feld, stört sich daran, dass die Anmeldung für den Nachmittag den Eltern freigestellt sei. Sie plädiert für eine allgemeine Verpflichtung bis 14.30 Uhr – auch um die Angebote aller Schulen auf einen vom Schulbezirk unabhängigen, etwa gleich hohen Stand zu bringen.

Die Notwendigkeit eines Angebots bis 17 Uhr sieht sie in den eher ländlichen Kommunen des Ostkreises nicht, „wohl aber in den städtischeren großen Kommunen des Westens“.

Für viele Eltern werde der Beitrag günstiger. Sie zahlen bis 14.30 Uhr 50 Euro pro Monat, bis 17 Uhr insgesamt 118,50 Euro, jeweils zuzüglich Mittagsverpflegung. Günstiger werde die Sache auch für die Kreiskommunen, die manche Betreuende Grundschule und manches Hortangebot mit bis zu sechsstelligen Beträgen unterhalten haben. Jetzt erhalten die Schulen nach einem bestimmten Schlüssel vom Land Mittel fürs Personal. Und der Kreis müsse höhere Kosten tragen. Kritik daran kontert die Dezernentin mit einem Sinnspruch, der an der Wand des Flurs vor ihrem Büro in Kranichstein hängt: „Wenn du denkst, Bildung ist zu teuer, dann versuch’s doch mal mit Dummheit!“

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