Dank aufmerksamer Nachbarn und Polizeipräsenz bleibt Aufklärungsquote hoch

Kriminalstatistik: Das ist die sicherste Region Hessens

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Immer mehr Einbrüche enden in einem Versuch. Im Landkreis sind das 44,9 Prozent. Thomas Raths, Leiter der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg führt das auf gute Präventionsmaßnahmen der Polizei und auch der Bürger zurück.

Darmstadt/Dieburg - Positiv blickt das Polizeipräsidium Südhessen auf den Landkreis Darmstadt-Dieburg. Mit dem Fazit, die gewünschte Aufklärungsquote beinahe erreicht zu haben, präsentiert es die Kriminalstatistik 2016 für den Kreis Darmstadt-Dieburg und die Stadt Darmstadt. Von Yvonne Fitzenberger

Knapp 60 Prozent aller Kriminalfälle haben die südhessischen Polizisten im Landkreis Darmstadt-Dieburg aufgeklärt – in Darmstadt sogar mehr. Der Leiter der Polizeidirektion Darmstadt-Dieburg, Thomas Raths, ist damit zufrieden. „Das ist eine positive Entwicklung“, sagt er. Der gesamte Bereich des Präsidiums Südhessen – Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Odenwald, Bergstraße und Groß-Gerau – sei die „sicherste Region in Hessen“. Gerade bei Wohnungseinbrüchen gab es 2016 einen deutlichen Rückgang an Fällen im Landkreis. Zusätzlich scheiterten 44,9 Prozent aller Versuche. Eine stolze Zahl findet Raths: „Das ist nur durch Öffentlichkeitsarbeit und operative Maßnahmen möglich.“ Durch verstärkte Präsenz verschreckt die Polizei Einbrecher bereits bevor sie zur Tat schreiten.

Aber auch durch Aufklärung der Bürger haben es Einbrecher immer schwerer. Durch Öffentlichkeitsarbeit informiert die Polizei über Möglichkeiten, Wohnungen und Häuser einbruchssicher zu machen. Schon ein zusätzliches Schloss kann reichen. „Jeder Täter gibt nach drei Minuten auf“, erläutert Raths den Effekt. Des Weiteren helfen wachsame Nachbarn, dank deren Hilfe Täter schnell gefasst oder sogar noch bei der Tat erwischt werden. Jedoch entwickeln sich auch Kriminelle weiter. Als Beispiel führte Raths Einbrüche in und aus Autos an. Früher sei es leichter gewesen, ein Radio aus einem Auto zu stehlen. Inzwischen sind sie fest eingebaut. Täter, die es auf Radios oder auch Airbags abgesehen haben, seien professioneller. „Sie arbeiten auf Bestellung oder haben es auf bestimmte Marken abgesehen“, sagt Raths.

Das sind Serientäter, die sich belastend auf die Kriminalstatistik auswirken. „Ein Täter kann 20 Autos beschädigen, schnappen wir ihn nicht, sind das 20 einzelne Fälle“, klagt der Leiter der Direktion. Auch das Gegenteil kann jedoch der Fall sein. Gefasste Serientäter bedeuten mehrere gelöste Fälle, und die Aufklärungsquote steigt. Insgesamt blieb die Zahl aller Kriminalitätsfälle erneut unter der 10.000er-Marke. Und das trotz der Befürchtungen, die im vergangenem Jahr laut wurden: „Es gab Ängste, dass der starke Flüchtlingsstrom die Fallzahlen nach oben treibe“, sagte Raths. Dass dem nicht so ist, beweise die Kriminalstatistik. Es gab demnach einen leichten Anstieg an nicht-deutschen Tätern – also Täter ohne deutschen Pass. Deren Zahl stieg von 1 531 auf 1 830. Darin eingerechnet seien Delikte, die nur diese Tätergruppe begehen könne, zum Beispiel illegale Einwanderung.

Die gängigsten Tricks der Diebe

Ein weiteres Vorurteil, dem die Statistik widerspricht: Jugendliche werden immer krimineller. Auch dem sei nicht so. Denn der Anteil an Straftätern unter 21 Jahren sei nur leicht gestiegen. „Aber der Trend der letzten Jahre zeigt, dass die Zahl der jugendlichen Straftäter eher sinkt“, betont Ina Mahl, Leiterin der regionalen Kriminalinspektion. Von den insgesamt 4 770 Straftaten im Landkreis wurden 1,4 Prozent von Kindern, 9,6 Prozent von Jugendlichen und 9.5 Prozent von Heranwachsenden im Alter von 18 bis 21 Jahren begangen. Das sind etwas mehr als 20 Prozent – 975 Fälle – aller Taten.

Dass die öffentliche Wahrnehmung und die tatsächlichen Zahlen so weit auseinanderklaffen, führt Raths auf die sozialen Netzwerke zurück. „Informationen verbreiten sich schnell über das Internet“, sagt er. Ungeachtet dessen, ob die Nachrichten richtig oder falsch seien. Dadurch rücken Taten – egal wie gering die Auswirkungen sind – in den Fokus der Öffentlichkeit. „Außerdem haben meine Eltern auch schon gesagt, dass die Jugend immer schlimmer werden würde“, scherzt der Kriminalist. Des Weiteren werden durch zufällige Kontrollen mehr Fälle gelöst, aber auch erst aufgedeckt. So wurden 260 Schwarzfahrer im Landkreis erwischt. Zugleich sank die Zahl um 15 Fälle. Ob die Dunkelziffer höher ist oder die Kontrollen abschrecken, sagt die Statistik nicht.

Für 2017 plant das Präsidium, die 60-Prozent-Aufklärungsquote im Kreis zu erreichen. Dafür setzen die Ermittler auf Aufklärung und Präsenz zeigen. „Die Bürger sollen sich auf der Straße und zu Hause sicher fühlen“, sagt Raths.

Weitere Infoshttp://bit.ly/2mdFVcf

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