„Kürzungen nicht zu rechtfertigen“

Darmstadt-Dieburg (st) - Nach Auskunft von Sozialdezernentin Rosemarie Lück muss die Kreisagentur für Beschäftigung (KfB) Darmstadt-Dieburg von 2010 bis 2013 Kürzungen ihres Eingliederungsbudgets um 49 Prozent verkraften.

Im Jahr 2010 standen noch 11,6 Millionen Euro für die Eingliederung von langzeitarbeitlosen Menschen in den Arbeitsmarkt zur Verfügung. Bereits 2011 waren es nur noch neun Millionen und zum 1. Januar 2012 wurde das Budget vom Bundesministerium für Arbeit erneut um zwei auf sieben Millionen Euro gekürzt. „Auch 2013 setzt sich das Berliner Streichkonzert fort, dann müssen wir mit nur sechs Millionen Euro auskommen“, erklärt Lück. Die drastische Kürzung der Eingliederungsmittel mache es immer schwerer, Menschen wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Selbst wenn die Anzahl der Bedarfsgemeinschaften zwischen 2010 und 2011 um 6,5 Prozent von 7 742 auf 7 242 gesunken sei, stünden die Mittelkürzungen in Höhe von 49 Prozent in keinem nachvollziehbaren Verhältnis dazu und seien nicht zu rechtfertigen.

Roman Gebhardt, Hauptabteilungsleiter der Kreisagentur für Beschäftigung Darmstadt-Dieburg, machte deutlich, dass sich der Arbeitsmarkt seit ein paar Jahren in einem Veränderungsprozess befinde. „Schon jetzt fehlt es in manchen Branchen an Fachkräften. Diese Tendenz wird sich noch weiter fortsetzen“, so Gebhardt. Um Menschen, die Leistungen nach dem SGB II beziehen, vermitteln zu können, sei oftmals eine Weiterqualifizierung nötig. Nicht selten müssten die deutsche Sprache, Schulabschlüsse oder Ausbildungsabschlüsse erst erworben werden. Durch die Kürzungen könne die Kreisagentur für Beschäftigung ihren Kunden jedoch immer weniger Maßnahmen anbieten. Auch habe sich bei einem großen Teil der bei der Kreisagentur für Beschäftigung gemeldeten Menschen Arbeitslosigkeit verfestigt. Multiple Vermittlungshemmnisse führten dazu, dass ihnen seit Jahren der Einstieg in den Arbeitsmarkt nicht gelinge. „Gerade bei diesem Personenkreis kommen wir mit unseren Standardangeboten wie Bewerbungstrainings oder der Vermittlung von Praktikumsplätzen nicht weiter“, berichtet Gebhardt: „Hier sind grundlegendere und weitergehende Maßnahmen erforderlich und die kosten Geld.“

Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück ist überzeugt davon, dass es sich lohnt, in die Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen zu investieren. „Wäre der Bund bereit, jetzt genügend Geld in die Hand zu nehmen, könnte es uns gelingen, Langzeitarbeitslose fit für den Arbeitsmarkt zu machen“, so Lück. Davon profitiere auf Dauer nicht nur der regionale Wirtschaftsstandort, sondern auch die Sozialsysteme würden langfristig entlastet werden. „Wenn der Bund nicht bereit ist, uns das nötige Geld zur Verfügung zu stellen, wird es immer schwieriger, unsere KfB-Kunden wieder in den Arbeitsmarkt zurück zu führen“, so Vize-Landrätin Lück.

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