Kunst als Ausdruck der Lebensfreude

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Die Teilnehmer (von links) Bora Oz, Maria Kern, Kursleiterin Maria Köpfiger, Anke Badior und Doris Sperling haben große Freude an der Kunst, wie auch das kleine Bild unten zeigt.

Münster ‐  Wer am vergangenen Donnerstag das Münsterer Rathaus betrat, sah sich einer ungewöhnlichen Farbenpracht gegenüber: Die Vernissage zur Ausstellung von Künstlern mit Behinderungen der Lebenshilfe Dieburg spiegelt die ungebremste Lebensfreude der Menschen wieder. Von Jasmin Frank

Dementsprechend merkte auch Bürgermeister Walter Blank frei nach Joseph Beuys in der Eröffnungsrede an, dass jeder Mensch ein Künstler sei. „Und nicht nur das Malen selbst macht Spaß, auch das Anschauen danach. Dabei dient Kunst ja auch der Kommunikation und diese Ausstellung hier besonders der zwischen Künstlern und Besuchern“, erläuterte der Verwaltungschef.

Den Künstlern machte die Eröffnung sichtlich Spaß, sie klatschen begeistert in die Hände und freuten sich, wenn ihr Name oder ihre Bilder genannt wurden. Gruppenleiterin Maria Köpfinger stellte die Herren und Damen im Einzelnen vor, denn jeder der Maler fertigt seine Werke ganz individuell an. „Wir haben Teilnehmer, die malen wochenlang an einem Bild. Immer wenn ich denke, so jetzt ist es fertig, heißt es ‚nein, da muss ich noch dran arbeiten’. Erst nach vielen Stunden intensiver Beschäftigung mit dem Werk ist es schließlich vollendet. Andere wiederum malen ein Bild in einer knappen Stunde“, erzählt die Erzieherin, die regelmäßig Musik- und Malkurse in dem Verein für geistig behinderte Menschen anbietet. Manche malen in Gruppen, andere, wie Doris Sperling, benötigen aufgrund der starken Einschränkungen eine Einzelbetreuung. Sperling hatte auch die Idee in der Lebenshilfe mit dem Zeichnen anzufangen, obwohl sie stark sehbehindert ist. Sie hat sich aber schnell gemerkt, wo ihre Farben und Pinsel stehen und kommt gut zurecht. Sie malt gerne wochenlang an ihren Bildern, denn zum einen beruhigt die Beschäftigung die vitale junge Frau, zum anderen sorgt sie für gute Laune, so dass sie während der Arbeit singt. „Wenn ich male, fühle ich mich glücklich wie ein Vogel. Aber fliegen kann ich noch nicht“, lacht sie und zeigt ihr Werk „Stolz“, das nicht zu Unrecht diesen Namen trägt.

Die Lebenshilfe hält neben Malkursen weitere Angebote für die Betroffenen bereit, darunter Seminare über Ernährung und den Umgang mit Geld sowie einige sportliche und musikalische Veranstaltungen. Wer sich über die Arbeit und die Angebote des Vereins informieren möchte, hat dazu auf der Internetseite der Lebenshilfe Dieburg Gelegenheit.

Von ganz anderer Natur ist das Gemälde „Turmwächter der Liebe“ des ruhigen, in sich gekehrten Bora Oz, der aus Messel zu dem Dieburger Verein kommt. Detailliert beschrieb er sein Werk: „Hier sieht man die Adern des Turmwächters und hier das Auge. Er passt auf, dass nicht jeder hineinkommt. Das Bild ist aber noch nicht ganz fertig, ich habe so wenig Zeit. Ich bin nicht nur Künstler, sondern auch Kunsttänzer.“ Während Oz einfach drauflos gemalt hat, sind die Bilder seiner Kollegin Anke Badior wohlgeordnet. Sie malt gerne viele bunte Blumen, möglichst in einer Reihe. Von Gruppenleiterin Köpfinger hat sie bereits den ein oder anderen Tipp bekommen, beispielsweise eine Blume hinter einer Mauer zu verstecken. Ein Bild, das sie von einem Pferd gemalt hat, wurde sofort verkauft. „Das Veräußern der Bilder steht natürlich nicht im Vordergrund, sondern die Wertschätzung der Arbeit der Künstler“, erläutert die Geschäftsführerin des Vereins, Christine Ortwein-Kartmann. „Wir haben rasch gemerkt, dass gute Pinsel und Farben ganz andere Werke ergeben. Leider gehen die Spenden für die behinderten Menschen immer mehr zurück. Deshalb wäre es schön, wenn sich wieder mehr Leute fänden, die uns unterstützen.“

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