Mathematik kann glücklich machen

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Drei Spiegel, verbunden zu einem Dreieck, in das man reinkrabbeln kann, bieten unendliche Ansichten. Nicht nur die Kinder des katholischen Kindergartens Groß-Zimmern spiegeln sich zigmal, sondern am Rand auch die Fotografin.

Groß-Umstadt/Zimmern (bea) ‐ Große Faszination üben sie aus, die Aufgaben und Experimente des Mini-Mathematikums. Gedacht für die Altersgruppe von vier bis acht Jahren bildet die ein oder andere Aufgabe auch für manchen Erwachsenen eine harte Nuss. Sehr gut gefällt Christa Kaiser vom katholischen Kindergarten Groß-Zimmern die Ausstellung des Mini-Mathematikums.

Die Kinder sind alle beschäftigt“, zeigt sich die Erzieherin begeistert, „sonst wird ihnen schnell etwas langweilig, das ist hier aber überhaupt nicht der Fall“. Im Forum S der Dieburger Sparkasse in Groß-Umstadt macht die Wanderausstellung des Mini-Mathematikums für zwei Wochen Station. Organisiert wird sie vom Museum „Mathematikum“ in Gießen. 20 Exponate sollen die kindlichen Besucher begeistern. Die Kindergärten im Geschäftsgebiet hat die Sparkasse eingeladen und die Ausstellung ist praktisch ausgebucht. 53 Kindergärten wollen ein bisschen Mathe lernen und haben sich mit insgesamt 1 330 Kindern angemeldet.

Nicht nur die Kinder sind fasziniert von den Experimenten, sondern auch die Erwachsenen, die einen Tag vorher zur Eröffnung des Mini-Mathematikums gekommen sind. Das manchmal etwas gelangweilte Herumstehen vor Beginn eines Vortrags entfällt, die Tische mit den Aufgaben sind umlagert und gestandene Erzieherinnen stöhnen entweder bei dem Versuch einer Lösung oder sind ganz glücklich, weil ein Experiment geklappt hat.

Riesenseifenhaut ein Publikumsmagnet

Referent Albrecht Beutelspacher, Professor für Geometrie und Diskrete Mathematik an der Universität Gießen und Direktor des Mathematikums hat seine Zuhörer schnell im Griff. „Mathematik kann glücklich machen“, behauptet Beutelspacher, „dann nämlich, wenn es im Kopf Klick macht und die Lösung aufscheint“. Sind die Mienen der Zuhörer anfänglich eher skeptisch, so lockern sie sich im Verlauf des Vortrags auf und mitunter erntet der Referent herzliches Gelächter seines Publikums.

Mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, scheint eine Spezialität des Professors zu sein. Eines der beliebtesten Experimente, das Bestandteil der Wanderausstellung ist, die Riesenseifenhaut (der Besucher stellt sich in eine ringförmige Wanne, zieht an einem Seil und dann zieht sich eine Seifenhaut um die Person herum), macht nicht nur den Ausstellungsbesuchern Spaß, sondern ist auch ein Renner bei Architekten. Das Gebilde, geometrisch ein Katenoid, vorstellbar als eine Röhre mit einer Taille, hat an allen Stellen die gleichen Kräfte. Große Begeisterung erntet Beutelspacher, als er aus zwei Kreisen mit Hilfe von Klebstoff und einer Schere zwei ineinander verbundene Herzen zaubert. „Keine Zauberei, sondern echte Wissenschaft“, so Beutelspacher. Nach seinem Vortrag bietet sich erneut dasselbe interessante Bild wie am Anfang. Die Tische sind umlagert, alle versuchen den Glücksklick zu bekommen.

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