„Meister Bockert“ ist wieder zurück

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Der Biber kann mit seinen Zähnen scharf rangehen.

Darmstadt-Dieburg ‐ Schon seit 2008 gab es erste Anzeichen, dass der Biber, vor Jahrhunderten in Deutschland fast ausgerottet, sich auch in der Gersprenzaue wieder ansiedeln könnte. Vor einigen Tagen trat Fritz Fornoff, Kreisbeauftragter für Vogelschutz und eifriger Naturbeobachter, den Beweis an:

Meister Bockert, wie der Biber auch genannt wird, ist wieder da. Zur angekündigten NABU-Exkursion waren, über fünfzig Besucher in die Naturschutzscheune gekommen, wo Fornoff den Biber vorstellte. Die Besucher sahen an Beispielen, mit welcher Kraft Biberkiefer und Zähne Baumstämme bearbeiten können und dabei daumengroße Späne produzieren. Gespannt auf die Realität in der Gersprenzaue vertrauten sie sich alle der Führung an.

An einem weiter oben an der Gersprenz gelegenen Renaturierungsbereich, wo die Natur und das Wasser schon länger wirken konnten, kamen dann die Biberinteressierten auf ihre Kosten. Bäume und Gebüsche mit Stammstärken bis zu 20 Zentimetern waren dutzendweise in rund 40 Zentimeter Höhe abgenagt und flachgelegt, teilweise ihrer Äste beraubt oder ohne Rinde.

Meister Bockert sucht sich früh eigene Reviere

Fornoff erläuterte den Mitwanderern die Lebensweise von Meister Bockert: Vermutlich ausgehend von einer Aussetzungsaktion im Sinntal im Spessart vor rund 20 Jahren, haben sich die Biber entlang der Flusssysteme bis zum Main und dann in die Gersprenz begeben, um neue Reviere für sich zu erschließen.

Bei „Bibers“ ist es üblich, dass nach dem zweiten Jahr die Jungen vertrieben werden und sich neue Reviere suchen müssen. Das verhindert eine Überpopulation auf engem Raum.

Biber ist idealer Feuchtraumgestalter

In seinem neuen Revier gestaltet der Biber seine Wasserlandschaft selbst. Er baut einen Damm und staut das Wasser, wenn sein Winterfutter, also kleinere Stämme und Äste, deren Knospen und Rinde er im Winter verzehrt, für den Transport und Einlagerung, nicht ausreicht. Man braucht auch nicht zu befürchten, dass er nun alle Bäume „vernascht“: Die bei ihm besonders beliebten Weiden schlagen rund um die Abbissstelle wieder aus und wachsen umso schneller nach.

Im Sommer nutzt er alles Grünzeug, das bis in einer Entfernung von etwa 20 Metern vom Bachufer entfernt erreichbar ist. Sein breites Nahrungsspektrum reicht von Gras über Kräuter, Schilf bis Mais oder Getreide. Als Feuchtraumgestalter ist der Biber eine wahre Bereicherung im Naturraum der Gersprenzaue.

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