Menu à la Molière

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Da hilft keine noch so hohe Gartenmauer: Agnès (Bianca Weidenbusch) hat sich trotz der raffinierten Erziehungstricks ihres ältlichen Bräutigams in den jungen Horace (Marcel Schüler) verliebt.

Darmstadt -   Kleine Gerichte namens „Raffinesse“ reichen Hausbesorgerin Georgette und Diener Alain - er vergisst auch nicht, immer mal schnell was in den Mund zu schieben - den Zuschauern vor Spielbeginn. Aber es gibt auch „Fromage de la Souche“ und „Ragout d'Arnolphe“. Von Lisa Hager

Und voller Raffinesse wird besagter Arnolphe (Rainer Poser) in der „Schule der Frauen“ durch den Fleischwolf gedreht. Ein sinnlich-kulinarisches Amusement hat die Neue Bühne Darmstadt mit ihrer frisch gebackenen Kreation wieder zubereitet. Und die Zuschauer lecken sich die Finger danach ab.

Hat man sich an die Sprache des in den Sechzigerjahren von Hans Weigel genial übersetzten Molière-Klassikers gewöhnt, kann man gar nicht mehr genug bekommen von den verbalen Arabesken und Kratzfüßen. Die historischen Kostüme (Stephanie Mitterle) tun ein Übriges dazu, das Publikum in die barocke Welt der spitzenbesetzten seidenen Kniebundhosen (für Männer!) und aufregenden Kassiber, die heimlich in Dekolletés verschwinden, zu versetzen.

Arnolphe - göttlich mit seinem hektischen Perückenwechsel und den Rouge-Bäckchen - hat sich etwas ganz Schlaues ausgedacht: Da gehörnte Ehemänner die beliebtesten Zielscheiben seines Spottes sind, will er derlei Geweih-Risiken gar nicht erst eingehen. Trick: Er erschafft sich eine Ehefrau nach seinen Vorstellungen. Sein Mündel Agnès - rührend arglos: Bianca Weidenbusch - lässt er in einem weltabgeschiedenen Kloster erziehen. Zu lesen bekommt sie nur, was er ihr gibt. So hofft er, für sich die perfekte Ehefrau zu formen: naiv, ungebildet, ohne eigene Meinung. Eine Frau, die selber denkt, ist für ihn der Anfang allen Übels. Und so nimmt er seine Braut mit sich nach Hause, um die Hochzeit auszurichten.

Allerdings hat er nicht mit der Stimme des Blutes und der verblüffenden Logik der kleinen Dame gerechnet, die ihm seine eigenen Wahrheiten als Spiegelbild serviert. Während seiner Abwesenheit verliebt sie sich in einen Jüngling, dessen Aufmerksamkeiten sie höflich erwidert - so wie es ihr der Möchtegern-Gatte beigebracht hat. Adolphes klägliche Versuche, den jungen Horace (Marcel Schüler), der sich ihm in seiner Not irrtümlicherweise anvertraut, von seinem Geschöpf wegzulocken, schlagen allesamt fehl.

Irrungen, Wirrungen, Intrigen, Briefe, die heimlich über den Zaun fliegen, eine Leiche, die plötzlich verschwindet - es geht turbulent zu in der Neuen Bühne, die in ihrer Inszenierung (Regie: Renate Renken) mit beeindruckenden Lichteffekten und rasanten Ortswechseln aufwartet.

Für amüsante Nebenfiguren sorgen Heike Berg mit der handfesten Dienerin Georgette und Ralph Dillmann als bauernschlauer, ewig hungriger Alain.

In weiteren Rollen sind Axel Raether als Chrysalde und Jens Hommala als Enrique zu sehen.

„Ein alter Mann wie ich wird in die Knie gezwungen, von einem Unschuldslamm und einem dummen Jungen“, kann Adolphe am Ende nur noch konstatieren - da nützt es auch nichts, noch mal zornig mit den Füßen aufzu-stampfen und die prachtvolle Perücke zu wechseln. C'est la vie.

Termine

Nächste Vorstellungen am 13., 14., 20., 21., 27. und 28. März. Etliche weitere Termine bis Mitte Juni. Kartenvorbestellung unter 06151/422205. Infos finden Sie hier.

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