Die Kunst des Überganges

Mozarts „Le Nozze di Figaro“ am Staatstheater

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Starke Besetzung: Katharina Persicke (Gräfin Almaviva) und Jana Baumeister (Susanna)

Darmstadt - Wolfgang Amadeus Mozarts äußerst verwickelte Oper „Die Hochzeit des Figaro“ ist ein Stück der permanenten Übergänge. Ständig gehen Türen auf und zu, wechseln Personenkonstellationen mit ihren Verwicklungen und Intrigen, Spielereien und echten Gefühlen. Von Axel Zibulski

Mit dieser musikalischen Komödie spielt das hervorragend aufgelegte Ensemble des Staatstheaters Darmstadt sein Publikum regelrecht schwindlig. Dabei ist die Inszenierung nicht einmal neu, sondern reproduziert eine Arbeit der französischen Regisseurin Emmanuelle Bastet, die im vergangenen Mai Premiere an der Oper Köln hatte.

Schon während der knackig vom Staatsorchester präsentierten Ouvertüre gibt’s was zu sehen, vor allem für die Damen im Publikum: Als Figaro mit ideal durchtrainiertem Oberkörper wacht der blutjunge Bass Georg Festl am Hochzeitsmorgen neben seiner Verlobten Susanna auf. Graf Almaviva, Chef der beiden, darf nur einen scheuen Blick auf die Schöne werfen, hat er doch selbst gerade das feudale „Recht der ersten Nacht“ außer Kraft gesetzt. Freilich findet der Graf, den David Pichlmaier mit fast bürokratischer Akkuratesse gibt, in den folgenden dreieinhalb Stunden immer wieder Gründe, die Hochzeit verschieben zu lassen.

Eng orientieren sich Bastet und Ausstatter Tim Northam am Libretto Lorenzo Da Pontes. Ein Einheitsraum mit hellgrün-weißen Wänden ist zugleich Salon und Garten. Tapetentüren erlauben rasche Auftritte und Abgänge, Spiegel und spanische Wände geben der Szene später einen ebenso flüchtigen wie undurchdringlichen Charakter. Zwar kommen die äußerst komplex gesponnenen Intrigen, die den liebestollen Grafen Almaviva zur Räson rufen sollen, auch in dieser Produktion nicht ganz ohne szenische Längen aus. Doch musikalisch gibt es keine Atempausen.

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Eine Wucht ist die Besetzung der weiblichen Hauptpartien. Katharina Persicke und Jana Baumeister übertreffen sich mit ihren technisch makellos und betörend ausdrucksvoll gestalteten Frauenporträts der Gräfin Almaviva sowie der Susanna geradezu. Die lyrische Mezzosopranistin Xiaoyi Xu gibt mit bezwingender Leichtigkeit die Hosenrolle des pubertierenden Cherubino. Nicht alles glückt dem Staatsorchester Darmstadt unter Gastdirigent Rubén Dubrovsky perfekt. Doch langweilig tönt das nie, und das bis in die Nebenrollen hervorragend besetzte Sängerensemble (köstlich: Kammersängerin Katrin Gerstenberger als Marcellina) macht das mehr als wett.

Nächste Vorstellungen am 4., 14. und 26. November sowie am 23. und 28. Dezember

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