Räume als Gesamtkunstwerk

Welterbe-Bewerbung: Museum ordnet Präsentation neu

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Die Schlafzimmer-Ausstattung entwarf Joseph Maria Olbrich für eine internationale Ausstellung in Turin. 

Darmstadt - Das Institut Mathildenhöhe verweist in seinem Ostflügel selbstbewusst auf Möbel, Raumensembles, Keramiken, Bücher, Textilien und Drucksachen, die von 1901 bis 1914 in der Darmstädter Künstlerkolonie entworfen wurden. Von Eugen El

„Raumkunst – Made in Darmstadt“ heißt der erste Teil der überarbeiteten Sammlungspräsentation, die nun im Ostflügel des Museums Künstlerkolonie zu sehen ist. Sie soll die weltweite Bedeutung der 1899 gegründeten Darmstädter Künstlerkolonie demonstrieren. Ein Beweggrund für die neue Präsentation ist die laufende Vorbereitung einer Unesco-Welterbe-Bewerbung.

Die von Stefanie Patruno kuratierte Ausstellung ist thematisch gegliedert. Auf diese Weise soll sie sich von der vorherigen, chronologischen Präsentation abheben. Die Schau beginnt im Foyer mit einer Auswahl von sechs Stühlen der Künstlerkolonie-Mitglieder. Von schlicht bis dekorativ und floral-verspielt reicht das gestalterische Spektrum. Historische Fotografien zeigen die Stühle zudem im Kontext der Räume, für die sie entworfen wurden.

Hans Christiansens Vase (1901) für die Wächtersbacher Keramik

Auf die vollständige Gestaltung von Räumen bezieht sich der Titel der Ausstellung. „Raumkunst“ meint eigentlich Gesamtkunstwerk. Eine prominente Rolle spielt dabei Joseph Maria Olbrich (1867-1908), der als leitender Architekt das Gebäudeensemble auf der Mathildenhöhe entwarf. Der ursprüngliche Zustand des einzigartigen Ensembles lässt sich an einem Architekturmodell nachvollziehen, das in der Mitte des Ausstellungssaals platziert ist. Für sein Darmstädter Wohnhaus gestaltete Olbrich zahlreiche Gebrauchsgegenstände, von denen einige im ersten Raum der Ausstellung zu sehen sind.
Die Künstlerkolonie-Mitglieder präsentierten 1901 ihre ersten Entwürfe in der Schau „Ein Dokument deutscher Kunst“. Die frisch erbauten Künstlerwohnhäuser waren öffentlich zugänglich. Die eigens für die Häuser gestalteten Einrichtungsgegenstände konnten käuflich erworben werden.

Die Darmstädter Künstlerkolonie trat überdies auf internationalen Ausstellungen in Paris (1900), Turin (1902) und St. Louis (1904) auf. Das von Olbrich für Turin gestaltete Schlafzimmer fand in Teilen Eingang in die neue Sammlungspräsentation.

Elektrischer Wasserkocher (ca. 1909) von Peter Behrens

Peter Behrens (1868-1940), ursprünglich als Maler ausgebildet, baute 1901 als architektonischer Autodidakt sein Haus auf der Mathildenhöhe. 1902 entwarf er für das Berliner Warenhaus Wertheim ein komplett ausgestattetes Speisezimmer. Möbel, Kronleuchter, Besteck, Geschirr, Gläser, Teppich, Wandfries – nichts überließ Behrens dem Zufall. Viermal wurde das komplette Zimmer damals verkauft, was angesichts von dessen Modernität als Erfolg gilt. Das rekonstruierte Wertheim-Speisezimmer ist ebenfalls im Museum Künstlerkolonie zu sehen.

Zahlreiche weitere Designobjekte und historische Fotografien ergänzen die Präsentation. Sie ermöglichen einen neuen Blickwinkel auf die Schätze der Künstlerkolonie. Dies sei jedoch nur ein Bruchteil der gesamten Sammlung, sagt Philipp Gutbrod, Direktor des Instituts Mathildenhöhe. Im Sommer 2018 werde der zweite Teil der Schau im Westflügel zu sehen sein.

„Raumkunst – Made in Darmstadt“ bis 18. Februar 2018 im Museum Künstlerkolonie (Mathildenhöhe), Olbrichweg 13A, Darmstadt. Geöffnet Dienstag bis Sonntag, 11-18 Uhr.

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