Für die einen ist es eine Erfolgsgeschichte, für andere Anlass zur Kritik

20 Jahre Dadina: Neue Züge für Odenwaldbahn

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Unter anderem auf das „Erfolgsmodell Odenwaldbahn“ – hier im Bahnhof Babenhausen – verweist das neue „Regionale Schienenbündnis“, das sich jetzt mit einer Pressemitteilung vorgestellt hat.

Darmstadt-Dieburg - Seit zwei Jahrzehnten gibt es die Dadina, die gemeinsame Nahverkehrsorganisation für den Landkreis Darmstadt-Dieburg und die Stadt Darmstadt. Die Verantwortlichen finden dafür lobende Worte. Ein neu gegründetes „Schienenbündnis“ fordert hingegen mehr Sitzplätze und Züge. 

Der Öffentliche Personennahverkehr hat in den vergangenen 20 Jahren immens an Bedeutung gewonnen. Viele deutsche Innenstädte können den ebenfalls gewachsenen Individualverkehr gar nicht mehr fassen, und das gilt auch für Darmstadt, Werktag für Werktag Ziel tausender Pendler aus dem Umland. Vor allem die aus dem Ostkreis wissen ein Lied von Staus zu singen, wünschen sich aber auch weitere Verbesserungen im ÖPNV-Angebot. Das wiederum wissen Darmstadts Stadträtin Barbara Boczek und Kreisdezernent Christel Fleischmann, die jetzt zu einem Pressegespräch anlässlich des 20. Geburtstags der Dadina eingeladen hatten, der gemeinsamen ÖPNV-Organisation von Stadt und Landkreis.

Gäbe es die Dadina nicht, man müsste sie glatt erfinden – so der Tenor ihres Lobes für das Zusammenwirken der Stadt und dem Kragenkreis. Der Verkehrsverbund ist in Hessen einmalig, sei aber angesichts der politischen Geografie eine nahe liegende Lösung gewesen, meinte Fleischmann, der die „Erfolgsgeschichte“ zusammen mit seiner Darmstädter Amtskollegin und derzeitigen Vorstandsvorsitzenden mit beachtlichen Daten unterfüttern konnte: So haben sich die Fahrgastzahlen von 18,5 Millionen im Gründungsjahr auf rund 55 Millionen im Jahr 2016 verdreifacht. Die Verkehrsleistungen wurden ebenfalls ausgeweitet, denn hier verbucht die Dadina einen Zuwachs von rund 33 Prozent basierend auf der Ausgangssituation von 8,8 Millionen Wagenkilometern 1998 auf knapp 11,7 Millionen 2016 bezogen auf den lokalen Bus- und Straßenbahnverkehr.

Fleischmann nannte als Erfolg unter anderem die Modernisierung der Odenwaldbahn, mit der ein Fahrgastzuwachs von über 40 Prozent erreicht wurde. Die Reaktivierung der Pfungstadtbahn zum Dezember 2011 sei ein weiterer Markstein gewesen. Er bedauerte allerdings auch, dass die von der Dadina beauftragte Kosten-Nutzen-Untersuchung für eine Straßenbahn in den Ostkreis nach Groß-Zimmern keine Grundlage für den Bau einer solchen Verbindung abgegeben hat, konnte aber zugleich am Horizont einen Hoffnungsschimmer aufscheinen lassen: Das Land Hessen untersuche derzeit Möglichkeiten zur Reaktivierung alter Schienenverbindungen, die habe es ja auch zwischen Darmstadt und Groß-Zimmern gegeben, und die Dadina sei bereits auf diesen Zug aufgesprungen. Für Darmstadt hob Stadträtin Boczek den AirLiner hervor, der die Innenstadt direkt mit dem Flughafen Frankfurt verbindet. Komfortable Doppelstockbusse mit WLAN und Lademöglichkeit für Handys und Laptop gehören zur Ausstattung. Außerdem verwies sie darauf, dass für Dezember 2017 ein durchgehender Halbstundentakt von vier bis 24 Uhr beschlossene Sache ist.

Für den Rhein-Main-Verkehrsverbund, dem die Dadina angehört, lobte Thomas Kern nicht nur die gute Zusammenarbeit, sondern stellte auch technische Modernisierungen für den Bereich von Kreis und Stadt in Aussicht. Für die Odenwaldbahn, die mit 13.000 bis 14.000 Fahrgästen pro Werktag an ihre Kapazitätsgrenzen stoße, seien vier neue Zuggarnituren in Beschaffung. Auf der Regionalbahn RB 75 zwischen Mainz und Aschaffenburg übernehme die Hessische Landesbahn den Betrieb und werde ab Ende 2018 30 neue Elektrotriebzüge einsetzen – komplett mit kostenfreiem WLAN an Bord. Für die Zeiten zwischen sechs und neun sowie 14 bis 19 Uhr sei auf dieser Strecke dann ein Halbstundentakt vorgesehen.

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„Ernüchternd“ sei die Dadina-Bilanz nach 20 Jahren, meint hingegen der Verkehrsclub Deutschland (VCD). „Das Sitzplatzangebot der Odenwaldbahn liegt unter dem 2005er Stand, die Fahrtenzahl der Busse aus dem Ostkreis unter dem 2012er Stand und die Fahrplankilometer in unserer Wachstumsregion sind fast so niedrig wie im Gründungsjahr 1997“, heißt es in einer Pressemitteilung. Inzwischen hat Uwe Schuchmann, Galionsfigur des VCD in der Region und umtriebiger Verfechter einer Stadt-Land-Bahn zwischen Groß-Zimmern und Darmstadt, in einem „Schienenbündnis“ Unterstützer gesammelt. Dem neuen „Regionalen Schienenbündnis“ für Darmstadt und den Landkreis Darmstadt-Dieburg gehören der Autoclub Europa (ACE), der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC), die Bahngewerkschaften Gewerkschaft der Lokführer (GDL) sowie die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), der Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Initiative „Pro Bahn“, Vertreter des Dadina-Fahrgastbeirats und natürlich der VCD an.

„Nach der Bundestagswahl“ will das Bündnis mit öffentlichen Veranstaltungen beginnen, mit denen jeweils in einer Kommune auf deren ÖPNV-Situation eingegangen und Lösungsvorschläge präsentiert werden sollen. „Dann sind wir auch so weit, für deren Umsetzung Kostenrechnungen vorlegen zu können“, verspricht Schuchmann. (sr)

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