Fünfter europäischer Satellit zur Erdbeobachtung ist gestartet

Neuer Wächter im All

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Die Vega-Rakete, die den Satelliten Sentinel-2B ins All beförderte, startete in der Nacht zu gestern vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana.   - Foto:

Darmstadt - Ein weiterer europäischer Satellit zieht seine Kreise um die Erde. Sentinel-2B soll mit seinem Schwester-Trabanten 2A alle fünf Tage aktuelle Bilder von der Erdoberfläche liefern. Darüber können sich unter anderem Landwirte freuen. Von Axel Wölk

Die Europäische Raumfahrt setzt ihr ehrgeiziges Erdbeobachtungsprogramm Copernicus erfolgreich fort. Der Europäischen Raumfahrtagentur (ESA) gelang es jetzt, einen weiteren seiner sogenannten Wächter-Satelliten in eine Erdumlaufbahn zu bringen. So soll der frisch gestartete Satellit Sentinel-2B Land-, Eis- und Ozeanflächen messen. „Das kommt gerade Küstenregionen sehr zugute“, freut sich ESA-Missionsmanagerin Bianca Hörsch. Ihre Worte stießen auf ein gebannt lauschendes Publikum. Diesmal war bei der ESA in Darmstadt, von wo aus der neue, 1,1 Tonnen schwere Sentinel-Satellit gesteuert wird, nämlich alles anders. Die altehrwürdige Raumfahrtorganisation gab sich zum Start von Sentinel-2B einen betont jungen Anstrich. So bevölkerten mehr als 100 meist deutlich unter 30 Jahre zählende Blogger, Facebook-Fans und Twitter-Schreiber den Veranstaltungsraum am Kontrollzentrum.

Illustration des Satelliten Sentinel-2B

Sie bejubelten bereits am frühen Morgen frenetisch das Abheben der Vega-Rakete in Kourou in Französisch-Guayana mit seiner kostbaren Fracht an Bord. Als dann rund eine Stunde später der Darmstädter Kontrollraum erst den Empfang des alles entscheidenden ersten Signals und bald darauf Kourou das Ausklappen der Solarpaneele vermeldete, kannte der Jubel keine Grenzen. Das ließ auch die gestandenen Raumfahrtexperten am Darmstädter ESA-Standort alles andere als kalt. „Heute ist ein Tag für die jungen Leute“, sagte ESA-Direktor Rolf Densing. Eine ganze Nacht lang standen Missionsanalysten, Raumfahrtingenieure und sogar ESA-Rekordastronaut Thomas Reiter der Internetgeneration Rede und Antwort.

Und die bekam einiges geboten. Die ESA streicht Copernicus als Flaggschiff-Programm heraus. Hier erheben im Prinzip drei Gruppen mit zwei jeweils baugleichen Satelliten Daten von unserem Mutterplaneten. Mit dem Projekt widmet sich die europäische Raumfahrt dem Klimawandel, überwacht die Meeresumwelt und misst Veränderungen in der Atmosphäre. Die Daten zu Umweltänderungen sind dann frei zugängig und kostenlos nutzbar. Den Europäern ist ein unabhängiger Zugang zu Erdbeobachtungsdaten wichtig, um nicht zu sehr auf andere Raumfahrtnationen angewiesen zu sein. Über die kommenden zwei Jahrzehnte sammeln die Satelliten im Routinebetrieb riesige Datenpakete zum Erden-Zustand.

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Wie wichtig es ist, Entwicklungen in der Umwelt unseres Planeten genau zu erfassen, zeigt sich am Ozonloch. Die Wissenschaftler schlugen vor einigen Jahren Alarm, als über Nord- und Südpol der Ozongehalt dramatisch abnahm. Die Politik reagierte prompt auf die Warnungen der Wissenschaftler. Relativ schnell kam es zu einem FCKW-Verbot. Inzwischen hat sich die Ozonschicht wieder deutlich regeneriert.

In der Erdbeobachtung kommt derweil dem jetzt gestarteten Sentinel-2B und seinem Brudersatelliten 2A, der bereits im Jahr 2015 in den Weltraum vorstieß, eine besondere Rolle zu. Sie sollen etwa unterschiedliche Meereshöhen, Wassertemperaturen und auch die Farbe von Ozeanen messen. Es gebe zugleich auch zahlreiche Anwendungen in der Landwirtschaft, bei der Messung vom Abschmelzen der Gletscher und der zunehmenden Rodung von Wäldern, wie Missionsmanagerin Hösch erläuterte. Sie verwies auch auf die Chancen, rechtzeitig vor Waldbränden warnen zu können. Eine konkrete Leistung des 800 Kilometer über der Erde kreisenden Sentinel-2A strich sie besonders heraus. So hätte der Satellit Risse im Eis in einem Antarktisgebiet beobachtet. Unglücklicherweise geschah das ganz in der Nähe einer Antarktis-Station. Dank der Daten aus dem All konnten die Forscher dann rechtzeitig evakuiert werden.

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Das Satellitenpaar dürfte planmäßig die kommenden sieben Jahre Daten über unsere Erde sammeln. Danach ist eine Verlängerung der Mission um weitere fünf Jahre durchaus möglich. Bis dahin werden die heute jungen Internetfans längst in allen möglichen Bereichen Fuß gefasst haben. An einen denkwürdigen Abend, als sich ein Satellit zur Erdbeobachtung ins All auf den Weg machte, dürften sie sich in jedem Fall erinnern.

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