Schutzengel auf der Autobahn: „Ich bin kein Held“

Pfarrer für filmreifes Fahrmanöver auf A5 geehrt

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Sieht nicht unbedingt auf den ersten Blick wie ein tollkühner Retter aus: Pfarrer Sönke Krützfeld in seinem Büro in der Verwaltung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Darmstadt - Eine Autofahrerin wird bewusstlos, ihr Fahrzeug fährt auf der Autobahn ungebremst weiter. Ein Pfarrer greift beherzt ein, bringt das Auto in einem filmreifen Stunt zum Stehen. Als Held sieht sich der Gottesmann aber nicht.

Mit so viel Rummel hatte Sönke Krützfeld nicht gerechnet. Der evangelische Pfarrer aus Darmstadt ist ein gefragter Mann, nachdem er eine Autofahrerin gerettet hat, die bei hohem Tempo auf der A5 bei Bad Homburg bewusstlos geworden war. Krützfeld bemerkte dies, setzte sich im Juli mit seinem Auto vor den führerlosen Pkw und bremste diesen dann bis zum Stillstand ab. Der 32-jährigen Frau konnte anschließend geholfen werden, Krützfeld verhinderte einen womöglich schlimmen Unfall. Für sein mutiges Handeln erhielt der achtfache Vater gestern aus den Händen von Innenminister Peter Beuth (CDU) die Hessische Rettungsmedaille.

„Ich wollte helfen. Ein Held bin ich aber nicht“, sagt er. „Helden? Das sind vielleicht Rettungskräfte, die immer wieder rausfahren. Allerdings bin ich stolz darauf, das gebe ich zu.“ Geprägt hätten ihn sein Elternhaus und sein christlicher Glaube, sagt der Pfarrer. Er arbeitet in Darmstadt in der Verwaltung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Der Oberkirchenrat leitet das Referat Schule und Religionsunterricht. „Das ist so etwas wie ein kleines Kultusministerium für den Religionsunterricht“, erklärt er.

„Schon mein Vater hat gesagt: Du musst helfen, wo Du helfen kannst“, erzählt der Kirchenmann. Auch Geschichten aus der Bibel wie die vom barmherzigen Samariter, der einem niedergeschlagenen Menschen half, hätten ihn tief beeindruckt. „Die Gesellschaft funktioniert nur, wenn man einander helfen kann“, sagt Krützfeld. „Ich helfe, aber ohne Helfersyndrom. Ich würde auch niemandem raten, einen solchen Stunt hinzulegen.“

Bilder: Mann rettet Offenbacherin auf der A5

An die selbstlose Aktion auf der Autobahn kann sich der 57-Jährige genau erinnern. Er habe gesehen, dass ein Auto vor ihm an der Mittel-Leitplanke entlangschrammte. Beim Rechts-Überholen habe er die bewusstlose Frau gesehen, sich vor ihr Fahrzeug gesetzt „und sie langsam im dritten Gang aufgenommen und abgebremst, etwa bei Tempo 70“. Nachgedacht habe er damals nicht, auch nicht über seine acht Kinder, sagt Krützmann. Seine Frau habe den Kindern später per Kurznachricht geschrieben: „Euer Papa ist ein Held.“ Angst habe er auch keine gehabt. „Die Angst kommt dann erst hinterher.“ (dpa)

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