Patient in Pflegeheim getötet

Pfleger soll 63-Jährigem Überdosis Morphin verabreicht haben

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In diesem Seniorenzentrum in der Groß-Umstädter Realschulstraße soll ein Altenpfleger einen 63-jährigen Patienten mit einer Überdosis Morphin getötet haben.

Gross-Umstadt/Darmstadt - Ein Pfleger wird verdächtigt, einen alten Menschen in Groß-Umstadt getötet zu haben. Seine Motive sind noch völlig unklar. Ob der Mann noch mehr schutzbedürftige Menschen umgebracht hat, wird untersucht.

Der Hinweis einer Kollegin brachte die Ermittlungen ins Rollen. Ein Altenpfleger soll in Groß-Umstadt einen schwerstkranken Mann mit einer Überdosis Morphin getötet haben. Der 44 Jahre alte Deutsche habe bei der Polizei eingeräumt, dass er dem 63-Jährigen in einem Pflegeheim zu viel von dem Schmerzmittel verabreicht und dies auch gewusst habe, sagte Oberstaatsanwalt Robert Hartmann am Freitag in Darmstadt. Das Motiv des Beschuldigten und der Hintergrund der Tat seien noch unklar. Der Mann sitze wegen des Verdachts auf Totschlag in Untersuchungshaft und schweige. Hinweise auf einen Mord gebe es bisher nicht.

Bei der Einrichtung handelt es sich um das „Haus Weinbergblick“ in der Groß-Umstädter Realschulstraße, das zur gemeinnützigen Seniorendienstleistungs GmbH Gersprenz gehört. Dies bestätigten Geschäftsführer Rolf Theissen und Darmstadt-Dieburgs Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) unserer Mediengruppe. Schellhaas sprach von einem „fürchterlichen Ereignis“, das auch die Mitarbeiter sehr getroffen habe. Der Kreis ist größter Anteilseigner des Verbandes, der Einrichtungen in Groß-Umstadt, Münster, Groß-Zimmern und Reinheim betreibt.

Auch Gersprenz-Geschäftsführer Theissen äußerte sich „bestürzt und betroffen“. Mitarbeiter und Leitung stünden in engem Kontakt mit der Polizei und seien um „lückenlose Aufklärung“ bemüht. Theissen zufolge war der Altenpfleger seit September 2017 bei der Gersprenz gGmbH beschäftigt. Eine Kollegin habe die Leitung der Einrichtung durch einen Hinweis auf den Fall aufmerksam gemacht. Diese habe dann die Polizei informiert.

Die Ermittler prüfen, ob der Pfleger auch für den Tod weiterer Menschen verantwortlich ist. „Einen Hinweis auf andere Fälle gibt es bislang aber nicht“, sagte Hartmann.

Der 44-Jährige soll dem Mann doppelt so viel Morphin gegeben haben wie vorgeschrieben, sagte Hartmann. Er hatte zuvor in einem anderen Beruf gearbeitet, soll aber auch früher schon einmal als Pfleger tätig gewesen sein. Einzelheiten dazu würden auch noch geprüft, so der Staatsanwalt weiter.

Der schwer kranke Rentner war am Freitag vor einer Woche in dem Groß-Umstädter Pflegeheim gestorben. Die Obduktion ergab Hinweise darauf, dass dem Mann eine Überdosis an Medikamenten verabreicht worden war. Der Pfleger wurde am Mittwoch festgenommen.

Erster Eindruck zählt - Das richtige Pflegeheim finden

Die öffentlich-rechtliche Gersprenz, so der Kurzname des Heimbetreibers, kommt seit Jahren nicht aus den Negativschlagzeilen. Zuletzt hatte es Wirbel um dramatische Kostensteigerungen für Neubauten in Fischbachtal und Groß-Bieberau des aus Steuern finanzierten Verbandes gegeben. Knapp 12 Millionen Euro sollten beide Gebäude ursprünglich kosten, mittlerweile sind es mehr als 14 Millionen.

In Groß-Bieberau waren zudem Bewohner schon in die Einrichtung gezogen, obwohl noch keine Betriebserlaubnis vorlag. Sie wurden wieder ausquartiert und leben derzeit in Ausweichunterkünften. Der Zweckverband war im Jahr 1996 von den Städten und Gemeinden Eppertshausen, Fischbachtal, Groß-Bieberau, Groß-Umstadt, Groß-Zimmern und Reinheim sowie dem Landkreis Darmstadt-Dieburg gegründet worden.

Erst vor kurzem sorgten ähnliche Schlagzeilen deutschlandweit für Aufsehen. Wegen Mordes an 97 Patienten muss sich der verurteilte Ex-Krankenpfleger Niels H. erneut vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, aus Langeweile und Geltungsdrang 62 Patienten am Klinikum Delmenhorst und 35 am Klinikum Oldenburg umgebracht zu haben. (dpa/re)

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