Diensthunde bei der Polizei

Unterstützung auf vier Pfoten

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Bei der Polizei in Südhessen gehören Diensthunde zum Team. Für die meisten Hundeführer sind die Vierbeiner aber mehr als nur „Kollegen“. Gute Spürnase: Im Nu hat Diensthund Benny Helfer Christian Beti gefunden.

Darmstadt-Dieburg - Bei der Polizei in Südhessen gehören Diensthunde zum Team. Für die meisten Hundeführer sind die Vierbeiner aber mehr als nur „Kollegen“. Von Lena Marie Jörger 

Benny wedelt mit dem Schwanz, den Blick starr auf sein Herrchen gerichtet, das in gut 15 Metern Entfernung wartet. Ob der Deutsche Schäferhund allerdings wirklich Karl Vock beobachtet und nicht etwa das Spielzeug in dessen Hand, lässt sich nicht so genau sagen. Benny bleibt geduldig im Gras liegen, wartet auf ein Kommando. Er kennt das, er ist Diensthund beim Polizeipräsidium Südhessen.

Zwei Mal im Monat trainieren die Hundeführer und ihre Tiere, unter anderem auf dem Platz des Groß-Zimmerner Hundevereins. Auch Karl Vock und Benny. Immer wieder üben sie die Kommandos, denn die müssen im Ernstfall sitzen. Ernstfälle, das sind beispielsweise Hausdurchsuchungen oder Verfolgungen. Außerdem sind die Hunde bei Großveranstaltungen und auf Streife dabei. „Zur Verstärkung“, wie Andrea Löb, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums, erklärt. „Denn wenn die Tiere vor Ort sind, wirkt das gleich ganz anders.“ Mehr als 30 Diensthunde gibt es im Polizeipräsidium. „Sie gehören zum Team“, sagt Löb.

Vock sieht das genauso. Seit 1977 ist er Hundeführer. Der drei Jahre alte Benny ist bereits der siebte Vierbeiner, mit dem er arbeitet. Auch die Feierabende verbringen beide gemeinsam, denn Benny lebt – wie fast jeder Diensthund – bei seinem Hundeführer und gehört zur Familie. „Was noch nicht so gut klappt, ist das Vorausgehen“, gibt Vock gerade zu und demonstriert, was er meint. Während Benny in der Mitte des Platzes liegt, legt Vock das Spielzeug 20 Meter weiter ins Gras. Aufmerksam beobachtet der Hund sein Herrchen, das langsam auf ihn zu kommt. „Bei dieser Übung geht es darum, dass er erst losgeht, wenn ich das Kommando gebe“, erklärt Vock etwas außer Atem. „Das Schwierige ist, dass er natürlich am liebsten sofort hinrennen würde.“ In der Tat scheint Benny ungeduldig, blickt immer wieder vom Spielzeug zum Herrchen und zurück. Als Vock das Kommando gibt, sprintet Benny los, schnappt sich das Spielzeug und bringt es stolz zurück. „Das hat gut geklappt“, lobt Vock.

Bis Hund und Hundeführer so gut zusammenarbeiten, dauert es eine ganze Weile. Zunächst müssen die Hunde, die im Alter zwischen einem und drei Jahren eingekauft werden, beweisen, dass sie für den Dienst geeignet sind. Getestet wird das an der Außenstelle der Hessischen Polizeiakademie in Mühlheim, die zentral für Aus-, Fort- und Weiterbildung der Diensthunde zuständig ist.

„Da wird geprüft, ob sie über Treppen und glatte Böden laufen, ob sie schussfest sind und ob sie unter Belastung beißen“, erklärt Ausbildungsleiter Hans Günther Paul. Erst danach geht der eigentliche Lehrgang los: Zwölf Wochen lang wird jeden Tag acht Stunden trainiert. „Physisch und psychisch ist das sehr belastend“, sagt Paul. „Es gibt auch Hunde, die das nicht packen. Das ist dann wie Burnout.“

Aber nicht nur die Tiere sind gefordert, auch die Hundeführer müssen einiges lernen. „Jeder Hund hat seinen eigenen Charakter, das ist wie beim Menschen. Da braucht’s das gewisse Händchen.“ Neben Kommandos stehen auch Erste Hilfe am Hund und gesetzliche Vorschriften auf dem Stundenplan. „Der Hund ist ein Hilfsmittel, darf also nicht als Waffe eingesetzt werden“, erläutert Harald Finger, Leiter des Sachgebiets Diensthundewesen beim Polizeipräsidium Südhessen.

Dort unterscheidet man zwischen Schutz- und Fährtenhunden, Sprengstoff-, Leichen-, Geldmittel- und Rauschgiftspürhunden. Nur die letzten beiden werden allerdings gemeinsam ausgebildet, „weil es Sinn macht, dass Drogensuchhunde auch Geldscheine anzeigen können und umgekehrt“, sagt Paul.

Hat der Hund gefunden, wonach er suchen sollte, legt er sich an der entsprechenden Stelle ab. „Die Hunde kratzen aber nicht etwa am Sprengstoffkoffer oder an der Autotür“, sagt Löb, „das gibt es nur im Fernsehen.“ Gebellt wird auch eher selten, beispielsweise, wenn der Hund einen Menschen aufgespürt hat.

Benny macht das gleich mal vor. Statt eines Verbrechers sucht er allerdings Vocks Kollegen Chrisitan Beti, der – in bissfester Kleidung – als Helfer fungieren muss. Dazu versteckt er sich in einem Verschlag, der ein bisschen an ein Tipi aus dunkelgrünem Plastik erinnert. Für Benny ist die Übung natürlich ein Kinderspiel. Die Nase Richtung Boden gestreckt, läuft er los. Innerhalb kürzester Zeit hat er Beti gefunden und springt bellend vor ihm auf und ab. „Zur Belohnung wird gespielt“, erklärt Vock. Sein Kollege Matthias Klein nickt. Er hockt auf dem Boden, daneben sein Hund Derius, der ihm gerade quer über die Hand leckt. Liebevoll fährt Klein dem Tervueren – eine Varietät des Belgischen Schäferhundes – über den Kopf. „Ich hab dich auch lieb“, murmelt er.

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