Prozess um Brandserie: Tränenreiches Geständnis

Darmstadt - Zwei Brüder sollen für zahlreiche Brände im Odenwald verantwortlich sein. Vor Gericht legte einer der beiden Männer unter Tränen ein Geständnis ab.

Mit einem Geständnis der beiden angeklagten Brüder hat in Darmstadt der Prozess um eine ungewöhnlich lange Serie von Brandstiftungen im Odenwald begonnen. „Ich will mich entschuldigen, auch bei den Geschädigten", sagte der 32-Jährige am Freitag vor dem Landgericht unter Tränen. Für seinen 26 Jahre alten Bruder sprach dessen Anwalt.

Den beiden Männern wird vorgeworfen, zwischen 2007 und 2011 in Michelstadt und Erbach 32 Brände gelegt zu haben. Etwa 20 Menschen wurden verletzt, meist durch beißenden Qualm. Der Sachschaden wird auf 1,4 Millionen Euro geschätzt. In Brand gesteckt wurden laut Anklage Keller, Schuppen, Scheunen und Gartenhütten. Der schnelle Einsatz der Feuerwehr verhinderte Schlimmeres.

Nach dem Verlesen der Anklage weinte der 32-Jährige. Der Prozess wurde deshalb kurz unterbrochen, dann legte der Mann sein Geständnis ab. Die Vorsitzende Richterin Ingrid Schroff gab ihm die Möglichkeit, sich gleich zu den Vorwürfen zu äußern und erst einmal auf persönliche Angaben auch zu Kindheit und Jugend zu verzichten. „Das scheint uns emotionsgeladen."

Eltern der Angeklagten wegen Misshandlung der Kinder verurteilt

Der Ältere der beiden Angeklagten musste immer wieder mit der Fassung kämpfen und aufpassen, die einzelnen Brände der vier Jahre auseinanderzuhalten. Ursprünglich hätten beide Männer vorgehabt, in Keller einzubrechen und etwas zu stehlen. Aus Frust habe sein Bruder dann vorgeschlagen, Brände zu legen.

Bei dem Prozess gab es Hinweise auf besonders schwierige Verhältnisse im Elternhaus der beiden Angeklagten. Der 32-Jährige sagte, es habe Übergriffe gegeben. Beide Brüder hätten eine besonders enge Verbindung gehabt, weil sie zu Hause „für alles die Sündenböcke" gewesen seien. Die Eltern waren 2007 vom Amtsgericht Darmstadt wegen Misshandlung leiblicher Kinder zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Im Zuschauerraum saßen Geschwister der Angeklagten. Von diesen meinte ein Bruder, im Elternhaus mit insgesamt 15 Kindern habe es schwere Gewalt gegeben. Seine Brüder hätten die Brände gelegt, um „Wut und Hass rauszulassen".

Den beiden Angeklagten war die Polizei durch intensive Ermittlungen auf die Spur gekommen. Die Brüder wurden im vergangenen Sommer gefasst. Sie sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Der Prozess soll am 8. März fortgesetzt werden. Bis Ende März sind noch weitere sieben Verhandlungstage terminiert.

dpa

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