Anklage wegen Mordes

Prozess: Sohn gesteht tödliche Messerstiche auf Vater

Darmstadt - Ein wegen Mordes angeklagter Sohn hat zugegeben, seinen 80 Jahre alten Vater mit einem Messer getötet zu haben. Der 43-Jährige bestätigte vor dem Landgericht Darmstadt die Darstellung eines Sachverständigen, die zum Prozessbeginn vorgetragen worden war.

Der Angeklagte soll seinen Vater im Dezember 2016 in Reinheim heimtückisch umgebracht haben. Die Anklage wirft ihm vor, die "Arg- und Wehrlosigkeit" des Opfers ausgenutzt zu haben. Ein Schnitt sei von hinten mit großer Wucht ausgeführt worden. Anschließend soll der Angeklagte seinem Opfer mindestens weitere 17 Stiche versetzt haben, mindestens vier hätten das Herz getroffen.

Auslöser sei eine Bemerkung des Vaters über den Alkoholkonsum des Sohnes gewesen. Ein Arzt, der den gleich nach der Tat festgenommen Sohn dann in einem Krankenhaus untersuchte, beschrieb ihn als "leicht betrunken". Er habe zwar einen apathischen Eindruck gemacht, "Fragen aber konkret beantwortet".

Der Sachverständige schilderte den Lebensweg des Angeklagten, den dieser ihm bei einem Termin in der Untersuchungshaft erzählte. Der 43-Jährige habe sich als "braves, schüchternes Kind" beschrieben. Als Jugendlicher sei er "ängstlich gewesen, das habe dem Vater nie gefallen". Seine Schwestern hätten sich mehr gegen den Vater durchsetzen können, der vom Sohn als "eingebildet und dominant" beschrieben wurde. Wenn der Vater ins Zimmer kam, sei er "immer aufgestanden", habe der Sohn erzählt, "aus Respekt."

Am Tattag habe er Alkohol getrunken gehabt, was sein Vater nie gefallen habe. "Eine abwertende" Bemerkung des Vaters darüber habe ihn in diesem Moment wütend gemacht. Das Messer habe er aus der Küche geholt, sein Vater habe aber auch darauf herablassend reagiert. Dann sei seine "Wut hochgekocht", er habe zugestochen. Anders als in der Anklage vorgeworfen will der Sohn von vorne in den Hals gestochen haben und dem Vater nicht von hinten an die Kehle gegangen sein. An so viel Stiche wie vorgeworfen könne er sich nicht erinnern, berichtete der Sachverständige. Er leide aber unter der Tat. Das Schwurgericht hat für den Prozess zwei Verhandlungstage geplant. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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