Raumnot der TU Darmstadt

Sanierungsstau an den Hochschulen

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Die Fassade verrät nichts über die zum Teil sanierungsbedürftigen Räume der TU Darmstadt.

Darmstadt - Ein Protest von Architekturstudenten in Darmstadt rückt den Sanierungsbedarf an Hessens Hochschulen in den Blick. Die bekommen zwar jedes Jahr Millionen, doch das reicht längst nicht überall.

Kaputte Fenster, geschlossene Toiletten – und von der Decke tropft es: Ein Aufschrei von Architekturstudenten der Technischen Universität (TU) Darmstadt hat den Blick auf sanierungsbedürftige Hochschulgebäude in Hessen gelenkt. Ebenfalls in Darmstadt und im Fachbereich Architektur, aber an der Hochschule, hatten Studierende bereits im Sommer gegen Raumnot aufgrund stark gestiegener Studierendenzahlen protestiert.

„Die Hochschulen platzen aus allen Nähten und müssten erweitert werden“, sagt der finanzpolitische Referent der Bildungsgewerkschaft GEW Hessen, Kai Eicker-Wolf. „Die Bausubstanz ist einfach schlecht.“ Zahlen zum „Investitionsstau“ gebe es allerdings nicht. Er wünsche sich dazu eine detaillierte Auflistung der Landesregierung.

Die Hochschulen in Frankfurt und Darmstadt für angewandte Wissenschaften sowie die Musikhochschule des Landes sehen auch dringenden Handlungsbedarf. Die größte und die kleinste Hochschule Hessens – die Frankfurter Goethe-Universität und die Hochschule Fulda – sind dagegen nach eigener Einschätzung gut ausgestattet. Die mittelhessischen Hochschulen haben zuletzt mehrere Neubauten erhalten, etwa die Uni Marburg eine neue Universitätsbibliothek. Bedarf gibt es aber weiterhin: Die Uni Gießen soll bis 2024 einen modernisierten Campus für die Geisteswissenschaften bekommen.

„Die hessische Landesregierung ist sich bewusst, dass es einen hohen Bedarf für Baumaßnahmen im Hochschulbereich gibt“, sagt die Sprecherin des Wissenschaftsministeriums, Alexandra Groth. Das Geld fließe kontinuierlich. Im langfristigen Planungsprogramm HEUREKA liege der Fokus gerade auch nicht auf Einzelvorhaben, sondern auf Gesamtkonzepten. Von 2008 bis 2026 seien vier Milliarden Euro bereitgestellt worden. Dazu kämen noch etliche hundert Millionen aus Sonderprogrammen.

In den Forderungen der fünf Universitäten zur Landtagswahl heißt es dennoch: „Die bestehende Sanierungslücke an vielen Standorten, die wegen fehlender Mittel auch in absehbarer Zeit nicht behoben werden kann, bereitet besonders große Sorgen.“ Die Finanzierung für den Bauunterhalt reiche ebenfalls nicht. Angesichts der 2019 auslaufenden Mittel des Bundes werde dies in der Zukunft noch schlimmer werden.

Der Präsident der Frankfurter Hochschule für angewandte Wissenschaften, Frank Dievernich, nennt die Situation seiner Hochschule „relativ dramatisch“. Die letzte bauliche Veränderung sei zwölf Jahre alt. Seit 2007 aber sei die Zahl der Studierenden um 80 Prozent gestiegen. „Uns fehlen 25 000 Quadratmeter“, sagt Dievernich. „Wir pressen die Leute teilweise zusammen.“ Doch nicht nur der Platzmangel, auch der bauliche Zustand einiger Räume mache der Hochschule zu schaffen. Drei Gebäude müssten „dringend abgerissen oder erneuert werden“, sagte Dievernich. Darunter befinde sich auch ein Gebäude aus der Jahrhundertwende, in das es hineinregne.

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Der Kanzler der Frankfurter Universität, Albrecht Fester, nennt die Versorgung mit Veranstaltungsräumen „insgesamt zufriedenstellend“. Räumliche Engpässe gebe es - wenn überhaupt – überwiegend in den ersten Wochen eines neuen Semesters in sehr gefragten Fachbereichen. Die Uni nutze zudem „vielfältige technische Möglichkeiten“, um kurzfristigen Engpässen entgegenzuwirken. „Der gegenwärtige bauliche Zustand der Goethe-Universität kann aufgrund der hohen Bauinvestitionen der letzten 20 Jahre überwiegend als gut bis sehr gut bezeichnet werden.“ An der Hochschule in Fulda sind der Zustand der Bauten und die Ausstattung im Vergleich gut, wie Sprecherin Antje Mohr sagt. „Wenn es mal Platzprobleme gibt, versuchen wir mit der Anmietung zusätzlicher Räume zu reagieren.“

„Von den 160 Gebäuden der TU Darmstadt sind geschätzt 80 sanierungsbedürftig – in unterschiedlichem Umfang“, sagt Hochschulsprecherin Silke Paradowski. Es werde noch einige Jahre dauern, „den ursprünglich auf 500 Millionen Euro geschätzten und sich immer noch auf 300 Millionen Euro belaufenden Sanierungsstau vollständig abzubauen“. (dpa)

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