„Richer könne des!“

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Eine marrokanische Teezeremonie auf der Schmiedestraße in Richen mit der Landesjury und Richer Bürgern.

Groß-Umstadt/Richen - „Richer könne des!“ prangt es bereits seit Wochen vom Heck vieler Fahrzeuge. Diese Woche zeigten die Bürger des rund 1700 Einwohner kleinen Ortsteils von Groß-Umstadt, was es mit dem Slogan auf sich hat. +++Fotostrecke+++Von Ursula Friedrich

In einer fulminanten Aktion präsentierten die „Richer“ ihr Dorf vor einer neunköpfigen Kommission des Landes Hessen. Richen war erste Etappe auf der Reiseroute der Fachjury, die den Gewinner des Landeswettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ ausloten wird. Der Umstädter Stadtteil hatte sich 2008 mit seinem Sieg im Regionalausscheid des Landeswettbewerbs für das Finale des Dorfwettstreits 2009 qualifiziert.

Impressionen von der Dorfbegehung

Richen: „Unser Dorf hat Zukunft“

Junge Familien und altes Handwerk, liebevoll sanierte historische Hofreiten und gärtnerische Ambitionen, ein starkes Bürgerengagement und ein lebhaftes Vereinswesen: Damit punkteten die Richer bei der Jury, die rund zwei Stunden durch den Ort zog. Agenda-Frontfrau Hedi Heß, die mit der Dorfschelle zum zügigen Marsch aufforderte, wies in ihren Ausführungen zur Ortsgeschichte auf ein charakteristisches Merkmal des Dorfes hin: Bis heute ist Richen in gewisser Weise autark. Obwohl das Dorf bei der Gebietsreform und der Eingemeindung nach Groß-Umstadt seine Unabhängigkeit verlor, prägt ein beharrlicher Gedanke nach stolzer Eigenständigkeit bis heute das Ortsgeschehen: Die Feuerwehr vergrößerte das zu klein gewordene Feuerwehrgerätehaus kurzerhand in Eigenregie, auch der 700 Mitglieder starke TSV Richen mauerte und sanierte, um das Vereinsheim neuesten Entwicklungen anzupassen.

Die „Waschfrauen“ der Agenda-Gruppe sorgten für gute Stimmung und das leibliche Wohl der Gäste.

„Des mache mer schon selbst“, gab Kai Cezanne, einer der „Macher“ in der Vorbereitungsgruppe zum Dorfwettbewerb, die Parole aus: Der marode Saalbau wurde ebenso durch Bürgerengagement saniert, wie der „Backes“ und das Badhaus im alten Rathaus sowie der Richer Friedhof. „Weil wir der Stadt Geld gespart haben, hat es beim Saalbau sogar noch für eine Photovoltaikanlage gelangt“, so Ortsvorsteher Heiko Handschuh stolz. Auch für die Zukunft ist „Riche“ bestens gerüstet: Rund 300 Arbeitsplätze schlagen hier zu Buche. Mit ihrem Kinderreichtum (22 Prozent der Bevölkerung sind unter 20 Jahren) liegen die Richer glatt zehn Prozent über dem Landesdurchschnitt. Und seit Richen 2009 in das Dorferneuerungsprogramm des Landes aufgenommen wurde, werden eifrig Pläne geschmiedet, wie sich das Ortsbild weiter verschönern lässt.

Dass die Richer ein eigenes Völkchen sind, untermauerte die Dorfband „Watzekäfer“ mit der Richer Hymne musikalisch. Im allgemeinen Gesang swingte auch die Jury mit und deren Leiterin Roswitha Rüschendorf lobte: „Danke für die freundliche Aufnahme, sie haben große Persönlichkeiten im Ort und wir haben viele Menschen kennen gelernt, die sich ins Gemeinwesen einbringen.“

Natürlich haben sich die Richer die Messlatte hoch gelegt: Sie wollen den Sieg im Landeswettbewerb davontragen. Ob die „Richer des könne“ verrät die Jury am 9. Juli bei der Bekanntgabe der Ergebnisse. Bliebe Richen wie 2008 auf Erfolgskurs, wäre die Teilnahme der Gemeinde am Bundeswettbewerb 2010 perfekt.

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