Rosiger Stand und schäbige Reste

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Handwerkertage im Gruberhof: Zum Klöppeln haben sich die Damen in den Schatten zurück gezogen.

Groß-Umstadt - Rosig sehen die Damen des Museums- und Geschichtsvereins aus in ihren Kleidern mit Blütendekor und rosig sind auch die Produkte, die sie am Pfingstwochenende auf dem Gruberhof feilbieten. Von Ulrike Bernauer

Zu einem Schlückchen Rosensekt laden sie ein, dazu gibt es ein Rosenbrötchen. Kosten können die zahlreichen Besucher aber auch einen Rosenlikör, Bowle mit den Blütenblättern der Königin der Blumen und wem das alles viel zu süß ist, der kann einen Rosenschnaps oder Rosenessig probieren.

Ganz besonders wohl fühlt sich Uta Trosbach am rosigen Stand. „Ich bin eine geborene Rös’chen“, strahlt die Höchsterin und sagt extra: „Schreiben sie es mit Apostroph, sonst wird mein wunderschöner Geburtsname falsch ausgesprochen.“ Uta Trosbach führt Gäste aus Bayreuth durch das Groß-Umstädter Heimatmuseum und ihr Mann Raimund macht mal so richtig Werbung für die Odenwälder Weininsel. „Groß-Umstadt ist immer eine Reise wert, weil es einfach so schön ist.“.

Zeigen wollen die Höchster den Gästen aus dem Bayrischen heute aber die Handwerkertage. Nicht der Stand mit den Erzeugnissen mit Rosenblüten (die gibt es auch noch kandiert zum Probieren) spielt an Pfingsten die Hauptmusik, sondern die Textilien. „Von der Faser zum Gewand“ heißt die Ausstellung, die heute mit vielen Handwerkeraktionen eröffnet wird und noch den ganzen Sommer besichtigt werden kann.

Rosenbrötchen und Rosensekt gab es an Pfingsten auf dem Gruberhof zum Probieren. Foto: Bernauer

Heidelore Andres, zweite Vorsitzende des Museums- und Geschichtsvereins, der den Gruberhof betreibt, sitzt hinter einem Webstuhl. „Der ist eigentlich zu groß für mich“, klagt sie erst, „ich komme mit den Füßen kaum an die Pedale.“ Sobald aber ein Besucher in der ehemaligen Scheune, wo nicht nur gewebt wird, für ihre Arbeit Interesse zeigt und das kommt häufig vor, ist sie ganz in ihrem Element. Sie erklärt den Unterschied zwischen Schussfäden und Kettfäden und zeigt ganz genau, wie das wirklich große Instrument zu bedienen ist.

Zwei Meter weiter wird eifrig Garn gesponnen, Gertrud Argenendt aus Büttelborn zwirnt Garn mit ihrem Spinnrad. Zwei Fäden werden zu einem gemacht und dabei fest verdreht.

Ein paar Meter weiter wird Flachs zu Leinenfaden verarbeitet. Wieviele Arbeitsschritte dafür nötig sind, wusste auch Besucherin Heidi Klatta aus Roßdorf noch nicht. „Ich spinne zwar selber und stricke dann auch, aber die Flachsverarbeitung habe ich noch nicht gesehen.“

Der Flachs muss erst gerauft werden, dann geriffelt und geröstet. Er wird gedörrt und gebrochen, geschwungen und gehechelt. Dann erst hat man eine Faser, die tatsächlich auch gesponnen werden kann.

Herkunft des Wortes „Spinner“ gelüftet

Heidelore Andres führt auf Geräten, die das Museum im Laufe der Jahre zusammen getragen hat, dem Publikum einige der Arbeitsschritte vor. Nachhilfe wie wohl so mancher Begriff oder Ausdruck entstanden ist bekommen die Neugierigen gleich auch noch. Die Reste vom Arbeitsschritt Riffeln wurden früher Schäben genannt, der schäbige Rest eben. „Ein Weber brauchte etwa zehn Leute, die für ihn spannen, oft wurde das auch von geistig Behinderten erledigt, daher kommt vielleicht der Begriff ,die spinnen“, so die Erklärung von Andres.

Auf jeden Fall gewinnt einer der zahlreichen Besucher eine ganz andere Erkenntnis. „Wenn man sieht wie groß der Zeitaufwand war und wie viele Arbeitsschritte nötig waren, um ein Kleidungsstück herzustellen, dann weiß man auch, warum die Menschen früher so sehr auf ihre Kleidung geachtet haben.“

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