Sinnvoller Ansatz oder ein Schlag ins Gesicht?

+
Viel Material wird auf den Baustellen des Kreises benötigt. Die Handwerkskammer kritisiert eine neue Praxis des Auftraggebers, der die Beschaffung teils selbst übernimmt.

Darmstadt-Dieburg (eha) ‐  „Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Handwerksbetriebe in der Region.“ Was Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Rhein-Main, so erregt, ist eine neue Praxis der Landkreis-Verwaltung.

Neuerdings kauft der Landkreis für Aufträge, die an Handwerksbetriebe vergeben werden, die Baumaterialien selbst ein. „Wenn die Handwerksbetriebe ihr Baumaterial nicht mehr selbst besorgen können, müssen die fehlenden Rabatte für den Einkauf auf die Stundenlöhne gerechnet werden. Die Konsequenz ist, dass dadurch die Stundenlöhne steigen müssten. Kein Handwerksbetrieb kann sich damit mehr an Ausschreibungen beteiligen“, kritisiert Ehinger dieses Verfahren. Dem Handwerk gingen dadurch massiv Aufträge verloren. „Außerdem werden Arbeits- und Ausbildungsplätze im großen Stil vernichtet“, wettert Ehinger.

Dass der Landkreis mit der neuen Praxis Geld sparen würde, bezweifelt der Handwerkskammer-Sprecher ebenfalls. Offen sei zudem auch die Frage der Gewährleistung. Kein Handwerksbetrieb könne diese dann für derartig abgewickelte Aufträge übernehmen. „Diesen Missstand werden wir nicht hinnehmen“, sagt Ehinger. Es sei ein einmaliger Vorgang in Hessen, dass ein Landkreis sich als Einkäufer von Baumaterialien betätige.

Fleischmann: „Sinnvolle und kostengünstigere Option“

Die Tätigkeit der öffentlichen Hand sollte sich strikt auf die Vergabe von Aufträgen begrenzen. Ehinger: „Es gilt das Prinzip: Der Staat soll sich um seine Kernaufgaben kümmern. Die Ausführung von Aufträgen mit Kauf der Baumaterialien ist Sache der Betriebe.“

Der Baudezernent des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Christel Fleischmann, weist Ehingers Vorwürfe zurück. Das Vorgehen des Landkreises in dieser Frage sei ein sinnvoller Ansatz und habe nichts mit einem „Schlag ins Gesicht für alle Handwerksbetriebe in der Region“ zu tun. „Was der Landkreis an Aufträgen für Handwerksbetriebe hat, geht zu fast hundert Prozent in die Region“, so Fleischmann. Von der Praxis der Materialausschreibung durch die Kreisverwaltung selbst wolle man aber nicht lassen: „Für uns bleibt das eine sinnvolle Option. Wir arbeiten dadurch mit einheitlichem Material, das vereinfacht Wartung und Lagerung und macht es letztlich auch kostengünstiger.“

Kommentare