Soziales, Diakonie und Bildung stehen im Mittelpunkt

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Das neue Dekanatsteam.

Darmstadt-Dieburg ‐ Wenn man derzeit das Darmstädter Schloss in Groß-Umstadt betritt, könnte man meinen, es sei eine einzige Baustelle. Die Handwerker gehen ein und aus, Bauschutt liegt neben der Eingangstür des historischen Gebäudes, Müllsäcke füllen den Innenhof. Im Erdgeschoss residiert jedoch seit ein paar Wochen die Regionalstelle des Diakonischen Werkes Darmstadt-Dieburg. Auch der Ökumenische Hospizverein Groß-Umstadt hat im Obergeschoss neue Räumlichkeiten gefunden. Als letztes sind die beiden Dekanate Groß-Umstadt und Reinheim eingezogen, beide Dekanate vereinigen sich am 1. Januar zum Evangelischen Dekanat „Vorderer Odenwald“.

Neben der Verwaltung, die für 40 Kirchengemeinden und 39 Pfarrerinnen und Pfarrer sowie 65 000 evangelische Christen zuständig ist - so viele Mitglieder hat das neue Dekanat - sind hier auch die Mitarbeiter für die Fachbereiche Bildung, Gesellschaftliche Verantwortung, Senioren, Musik, Seelsorge sowie die beiden Dekanatsjugendreferenten untergebracht. Die mit dem Umzug bedingte Konzentration auf organisatorische Abläufe ließ Inhalte und Themen vorübergehend in den Hintergrund geraten. Doch nun will das neue Dekanat „in Gottes Namen Farbe bekennen“. So jedenfalls lautet die Kernbotschaft, die im Zentrum der neu formulierten Leitsätze steht. Die Synodalvorstände haben dem neuen Dekanat „Vorderer Odenwald“ für seinen Beginn also eine Art Satzung gegeben, die man in den kommenden Jahren mit Leben füllen möchte. Daher habe man sich auch nicht, so Dekan Joachim Meyer (Reinheim), der zusammen mit Dekan Heinz-Walter Laubscheer (Groß-Umstadt) das neue Dekanat leitet, einem klassisches Leitbild verschrieben, sondern bewusst Leitsätze formuliert. Einer dieser Sätze lautet: „Evangelisch zu sein bedeutet für uns, offene und einladende, lebensbegleitende und glaubensfördernde Kirche zu sein.“ Ein anderer betont die Region. „Wir sehen hin, um zu verstehen, was die Menschen in unserer Region beschäftigt und was sie von uns brauchen.“ Auch auf Kommunikation wird Wert gelegt: „Wir setzen uns für einen achtsamen Dialog der unterschiedlichen Menschen und vielfältigen Interessengruppen ein.“ Durch die räumliche Nähe ergeben sich für die Mitarbeiter selbst Chancen für eine direkte Zusammenarbeit. In dieser Bündelung sieht Dekan Laubscheer denn auch einen Sinn der Fusion. „Wir wollen das Optimale für unsere beiden Dekanate mit ihren 40 Kirchengemeinden herausholen. Wir werden Kräfte bündeln, unnötige Doppelstrukturen etwa im Verwaltungsbereich abbauen, und nach außen in die politische und wirtschaftliche Region hineinwirken, um so ein starker und verlässlicher Partner zu sein.“ Für das kommende Jahr sind bereits einige Schwerpunktthemen angedacht und in Planung. „Die Leitsätze werden mit Inhalten gefüllt, um es nicht nur bei wohlklingenden Worten zu belassen“, so Pressesprecher Völker.

Daher setzt das neue Dekanat seine Schwerpunkte in den Bereichen Soziales, Umwelt, Diakonie und Seelsorge. Annette Claar-Kreh etwa, im Dekanat zuständig für das Referat „Gesellschaftliche Verantwortung“, will sich verstärkt im Ausbildungsnetzwerk st.a.rk engagieren. Diese von Kirche und regionaler Wirtschaft getragene Initiative hilft jungen Menschen, die als schwer vermittelbar gelten, einen Ausbildungsplatz zu finden.

Eine für den Herbst 2010 geplante Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Zukunft gestalten“ setzt sich mit Themen wie Landwirtschaft und Gesundheit sowie Ökologie und Wirtschaft auseinander. Für das Frühjahr 2010 ist eine Aktionswoche zur „Allianz für den freien Sonntag“ geplant, wo man mit Gewerkschaften und Vereinen im gesamten Landkreis kooperieren möchte.

Einen ganz anderen Schwerpunkt legen die Dekanatsjugendreferenten Dieter Stab und Rainer Volkmar. Im Laufe des kommenden Jahres ist erstmals eine Jugendkirche in der Region geplant, wo junge Menschen verschiedene Formen kirchlicher Spiritualität kennen lernen und erleben sollen. An diesem aufwändigen Projekt beteiligen sich auch die vier Gemeindepädagoginnen im Dekanat. Pfarrer Werner Stoklossa vom Referat Bildung will mit einer regionalen „Ehrenamtsakademie“ auf die Bedürfnisse der neu gewählten Kirchenvorsteher mit gezielten Seminaren eingehen. Außerdem befasst er sich mit dem ökumenischen Dialog.

Das Referat für Seniorenarbeit, das von der Religionspädagogin Karin Jablonski und dem Diakon Wolfgang Kettler geleitet wird, bietet Fortbildungen, Vorträge und Reisen an. Der „Bildung im Alter“ kommt eine immer größere Bedeutung zu in der Gesellschaft, dieser Entwicklung will man daher im neuen Dekanat Rechnung tragen, so Pressesprecher Völker. Ein weiterer Aspekt widmet sich den seelsorgerlichen Inhalten. Das Augenmerk für die kommenden Jahre liegt also auf den sozial-diakonischen und missionarisch-seelsorgerlichen Feldern.

Einweihung des neuen Dekanatszentrums, 22. Januar, 15 bis     18 Uhr, Am Darmstädter Schloss 2 in Groß-Umstadt. Festgottesdienst zum Beginn des neuen Dekanats am 19. Februar, 19 Uhr, Evangelische Stadtkirche Groß-Umstadt.      Infos: http://www.vorderer-odenwald-evangelisch.de.

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