Studie weist gen Nordost

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Das Nadelöhr nach Darmstadt hinein kennen viele Pendler gar nicht so entspannt wie in dieser Situation. Morgens und abends im Berufsverkehr ist hier fast immer Stau.

Darmstadt-Dieburg - Das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie für eine Anbindung des Ostkreises an die Autobahnen A5 und A67 im Westen von Darmstadt ist ernüchternd. Von Ulrike Bernauer 

„Die Nordost-Umgehung in Darmstadt wäre die beste Lösung gewesen“, erklärte Martin Weber vom Hessischen Wirtschaftsministerium, dem Auftraggeber der Studie. Die untersuchten Varianten, wie man Darmstadt am besten umgehen und dem Pendlerverkehr aus dem Osten Entlastung bringen könnte, hätten nur geringe Verbesserungen zur Folge, die ökologischen Eingriffe hingegen wären groß.

Gestern Vormittag wurde die Machbarkeitsuntersuchung im Kreishaus in Kranichstein nicht nur Vertretern der Presse, sondern auch zahlreichen Abgeordneten des Kreisparlamentes vorgestellt. Die Ingenieurgesellschaft Schüßler-Plan aus Frankfurt erstellte die Auftragsstudie. Auf der Basis des Verkehrsentwicklungsplans untersuchten die Experten zunächst einmal die tatsächlichen Verkehrsverhältnisse. Einbezogen in ihre Prognose haben sie einige Straßenbauvorhaben, wie den Umbau des Autobahnkreuzes Darmstadt, den Westring um Griesheim und die Umgehungen von Eschollbrücken, Pfung-stadt und Ober-Ramstadt-Hahn. Nicht ins Kalkül fälltdie Nordostumgehung, deren Ablehnung durch Darmstadt die Machbarkeitsstudie überhaupt erst erforderte.

Auf der B 26 und B 426 fahren laut Studie rund 30 000 Fahrzeuge pro Tag. Davon sind unter 6 000 zu den Autobahnen A5 und A67 in Richtung Norden und rund 3 800 pro Tag mit Fahrtziel Süden unterwegs. Also will laut Studie ein Drittel des Verkehrs aus dem östlichen Landkreis zu Zielen auf der westlichen Seite von Darmstadt.

Insgesamt elf Varianten von Umgehungen Darmstadts haben sich die Berater angeschaut, wobei sie gestern nur drei Varianten vorstellten, weil diese Streckenplanungen das Ziel, den täglichen Pendlerverkehr aus dem Osten zu entlasten, am ehesten versprachen.

Eine Strecke, genannt M1, würde eine Verbindung der B38 nördlich von Roßdorf zur Autobahn 661 bei Egelsbach schaffen. Fazit der Verkehrsingenieure: Diese Strecke würde die größte Entlastung für die Verkehrsteilnehmer bringen, wäre aber aus ökologischer Hinsicht bedenklich. Sie führt durch Bannwald, tangiert aber auch zwei Naturschutzgebiete.

Wenig Entlastung für die Bewohner des Ostkreises bringt laut Studie ein vierspuriger Ausbau der B 426 von Mühltal bis zur A 5 südlich von Darmstadt. Als dritte Variante stellte Frank Striegl von Schüßler-Plan die Strecke V7a vor, die von der Ausfahrt Roßdorf West weiträumig um Darmstadt herum dann zwischen Wixhausen und Erzhausen durchführend eine Anbindung an die A 5 schaffen würde.

Christel Sprößler, Bürgermeisterin von Roßdorf, machte auf die häufige Stausituation auf der B 26 aufmerksam. Gerade an diesem Morgen hatte es aufgrund eines Lkw-Unfalls einen fünf Kilometer langen Stau von der Auffahrt Roßdorf Ost bis zum Ostbahnhof in Darmstadt gegeben. Zu Staus komme es im Berufsverkehr vor Darmstadt aber auch ohne Unfall immer wieder.

„Die Machbarkeitsstudie hat die ganzen 24 Stunden eines Tages betrachtet“, stellte Landrat Schellhaas klar. Dass die Studie nicht unbedingt die Lösung für die häufigen Staus bringe, sei von vornherein klar gewesen. „Wir haben keine Variante identifiziert, die eine Lösung für alle Probleme bieten würde“, erklärte Andreas Moritz von Hessen Mobil. Insgesamt würde ein Großteil des Verkehrs nach Darmstadt führen. Aber auch die Variante der M1, die noch am meisten Entlastung verspräche, würde über Darmstädter Gebiet führen. „Am besten hätte die Nordostumgehung die Probleme gelöst“, so das Fazit.

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