Nahverkehr

Über Kombi aus Bus, Bahn und Stadt-Land-Bahn reden

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Darmstadt/Darmstadt-Dieburg - „Das neue Nahverkehrskonzept der CDU verdient es, ernsthaft diskutiert zu werden. Die kategorische Ablehnung der Grünen aus dem Landkreis ist für uns nicht nachvollziehbar“, erklären der SPD-Fraktionsvorsitzende Hanno Benz und die verkehrspolitische Sprecherin der oppositionellen SPD-Fraktion in der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung Katrin Kosub.

Pro Bahn und VCD sind von dem Konzept sogar begeistert. Man darf annehmen, dass in der SPD des Landkreises Darmstadt-Dieburg ähnliche Positionen wie in der Stadt-SPD vorherrschen. Hinsichtlich einer Verbesserung des Nahverkehrsangebotes in der Region dürfe es keine Denkverbote geben. Wichtig sei, dass endlich etwas passiere und Bewegung in die Sache komme, postulieren Benz und Kosub - und rennen damit mehr offene Türen ein als sie denken. Das jedenfalls legt eine Stellungnahme des Grünen Christel Fleischmann nahe, der nicht nur Beisitzer im Vorstand der Grünen im Landkreis Darmstadt-Dieburg ist, sondern auch als Kreisverkehrsdezernent und intermittierender Vorsitzender des Vorstands der Nahverkehrsgesellschaft Dadina mit der Sache befasst ist.

Die Dadina, die den öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) im Landkreis und der Stadt Darmstadt zusammenfasst und damit sozusagen Schnittstelle der Probleme zwischen Stadt und Lmland ist, hat vor kurzem eine Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) für den Bau einer Straßenbahnlinie zwischen Darmstadt und Groß-Zimmern in Auftrag gegeben - mit dem niederschmetternden Ergebnis, dass an entscheidender Stelle gerade einmal ein Faktor von etwa 0,5 stand, wo mindestens eine Eins stehen müsste (wir haben berichtet).

Die Grünen-Fraktion in der Dadina-Zweckverbandsversammlung könne durchaus dem demnächst als Antrag zu erwartenden Wunsch der CDU nachkommen. Der sieht vor, das von den Christdemokraten vorgelegte Konzept einer Kombination aus straßenbahnspurfähiger Stadt-Land-Bahn zwischen Zimmern und Weißem Turm, einer Bahnlinie zwischen Zimmern und Pfungstadt sowie einem darauf gestimmten, leicht reduzierten Busverkehr der Prüfung durch einen unabhängigen Sachverständigen zu unterziehen. Das bestätigte Fleischmann auf Nachfrage dieser Zeitung. Schließlich habe auch schon Felix Weidner, Verkehrsexperte in der Grünen-Fraktion der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung, signalisiert, dass man sich das CDU-Konzept „unaufgeregt anschauen“ solle. Allerdings dürften die Christdemokraten nicht eine Prüfung in dem Umfang der NKU für die Straßenbahn-Verbindung erwarten, dafür fehle der Dadina das Geld.

Nutzen-Kosten-Faktor

Außerdem hegt Fleischmann grundsätzliche Zweifel, ob das neue Konzept auf einen höheren Nutzen-Kosten-Faktor kommt als die Straßenbahn. „Die Bewertung läuft derzeit so, dass man mit einem halbwegs funktionierenden Konzept auf der Basis von Bussen mit der Schiene nicht ankommt.“ Theoretisch müsste man zuerst das funktionierende Konzept kaputtmachen, um Chancen für die Schiene zu generieren. Der Grünen-Politiker lässt keinen Zweifel daran, dass er aus den genannten Gründen die derzeit bei der Dadina in Untersuchung befindliche Lösung mit groß dimensionieren E-Bussen für die Verbindungen zwischen Ostkreis und Stadt favorisiert.

Pro Bahn und VCD rechnen hingegen in einer gemeinsamen Stellungnahme vor, dass durch das Konzept der CDU der Nutzen um 150 Prozent gesteigert werde, weil damit fünf statt bisher nur zwei Kommunen im Osten des Landkreises mit einbezogen werden. Die Stadt-Land-Bahn habe größere Kapazitäten als eine Straßenbahn und komme trotzdem mit nur einem Gleis aus, was die Installation in Engstellen zwischen Darmstadt und Zimmern einfacher mache. Fleischmann wiederum streut den grundsätzlichen Gedanken, dass auf landespolitischer Ebene die Parameter für die Beurteilung neuer Schienenverbindungen geändert werden könnten und hat dabei unter anderem den CDU-Landespolitiker und Generalsekretär Manfred Pentz aus Groß-Zimmern im Visier, der das neue integrierte Konzept der CDU mit präsentiert hat.

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Pro Bahn und VCD fordern, dass die CDU-Kombi-Lösung „durch ein kompetentes Planungsbüro untersucht wird, das bereits eine Expertise für Zweisystemuntersuchungen nachweisen kann“.

sr

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