Umgehungsstraße der B 38 eingeweiht

Bürger atmen auf

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Politiker aus Land und Bund sowie Reinheims Bürgermeister Karl Hartmann (zweiter von rechts) gaben die Straße für den Verkehr frei.

Reinheim - Die Anwohner der Durchgangsstraßen Reinheims und Spachbrückens können aufatmen. Seit Dienstag rollt ein Großteil des Pendlerverkehrs über die neue Ortsumgehung der Bundesstraße 38. Bis zu 21.000 Fahrzeuge belasteten täglich die Lebensqualität der Bevölkerung. Von Ursula Friedrich

Nach viereinhalb Jahren Bauzeit wurde die Ortsumgehung nun in einem Festakt ihrer Bestimmung übergeben. Viele Bürger waren gekommen, um die Freigabe der jahrzehntelang ersehnten Straße mitzuerleben.

Knapp fünf Kilometer lang ist das Projekt, das 19,5 Millionen Euro verschlang und aus Bundesmitteln finanziert wurde. „Weniger Lärm, Staus und Schadstoffe, dafür mehr Sicherheit und Lebensqualität“, brachte es Günther Hermann, Chef des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung auf den Punkt, „und mehr Mobilität für den Pendlerverkehr.“

Bis zu 65 Prozent weniger Verkehr durch Spachbrücken und 45 Prozent weniger Durchgangsverkehr für Reinheim verspricht man sich von der neuen Westumfahrung. Bürgermeister Karl Hartmann sprach vom Ende eines Albtraums. Insbesondere der Schwerlastverkehr hatte die Anwohner der Durchgangsstraßen bis zur Unerträglichkeit belastet.

Dennoch: Das jahrzehntelange Warten auf eine Entlastung forderte von den Betroffenen ein Maximum an Geduld. Denn die Planungen für die Ortsumfahrung reichen bis in die 70er Jahre zurück, als sich immer längere Blechlawinen über die einzige Anbindung des westlichen Odenwalds an die Metropolen wälzten.

Günther Hermann, Chef des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, ließ es sich nicht nehmen, bei der Einweihung dabei zu sein (links).

Im Jahr 1977, als Reinheims Stadtoberhaupt als junger Oberinspektor in der Verwaltung arbeitete, lagen erste Pläne auf dem Tisch. Hermann erinnerte: „Dann kam das Umweltverträglichkeitsgesetz“ und mit ihm eine Flut neuer Auflagen. 1993 rückte die Ortsumgehung zwar in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans - doch damit war zunächst kein Boden gut gemacht. Erst 16 Jahre später erfolgte der Planfeststellungsbeschluss. 29 Bürger hatten zuvor beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof gegen den Straßenbau geklagt. Nun wurde die Stadt selbst aktiv, investierte 600 000 Euro in Lärmschutz und sorgte so für einen Konsens. „Zudem baute die Stadt eine Verbindungsstraße, die Querspange zwischen der neuen Umgehung und der bisherigen B 38“, so Hermann. Gesamtkosten 4,2 Millionen Euro (das Land Hessen beteiligte sich mit 2,7 Millionen Euro). Im Februar 2008 wurde der Planfeststellungsbeschluss für den Bau der Westumfahrung rechtskräftig. Im Mai 2009 erfolgte der erste Spatenstich.

Das millionenschwere Großprojekt ist ein Meilenstein in Reinheims Stadtentwicklung. Die neue Ortsumfahrung verläuft westlich der Ortskerne Reinheims und Spachbrückens. Im Bereich der Kläranlage Georgenhausens schließt die Straße an die bestehende B 38 an. Ein 190 Meter langes Brückbauwerk überspannt die Bahntrasse und das Wembachtal. Mittels Verbindungsrampen wurde der Anschluss an die B 426 bewerkstelligt. Zwischen Reinheim und Groß-Bieberau führt die neue Umgehung wieder auf die bestehende B 38.

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