Urpferdchen zur Weltgeltung verhelfen

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Tiefe Einblicke: Finanzminister Karlheinz Weimar informierte sich beim Besuch der Grube Messel über den Fortschritt der Bauarbeiten für das Besucherinformationszentrum.

Messel ‐ Der Weihnachtsmann trug Krawatte, Brille und Schnurrbart: Der Hessische Finanzminister Karlheinz Weimar gab gestern grünes Licht für weitere 2,24 Millionen Euro aus der Landeskasse, die in den konzeptionellen Ausbau der Grube Messel fließen sollen. Von Ursula Friedrich

Der Betrag ist für die Sanierung des Wegesystems und ein Tourismuskonzept vorgesehen, um die Erschließung des Weltnaturerbes für die breite Öffentlichkeit weiter voranzutreiben. Rund 1,1 Millionen Euro werden außerdem aus der Schatulle des Bundes nach Messel fließen, um die Finanzierung abzurunden. Die Weichen für die touristische Erschließung des Unesco-Weltnaturerbes Grube Messel sind bereits seit längerem gestellt:

BIZ-Eröffnung im August 2010 geplant

Informationen rund um die Grube Messel finden Sie hier.

Derzeit entsteht auf dem Areal ein Besucherinformationszentrum (BIZ), das unter dem Titel „Zeit und Messelwelten“ die Schätze aus 47 Millionen Jahren Erdgeschichte für ein internationales Publikum mit allen Sinnen erlebbar machen soll. Noch steht nur der Rohbau für das 6,5 Millionen Euro teure Bauwerk aus Landesmitteln. „Im August 2010 möchten wir eröffnen“, so Messels Bürgermeister Udo Henke. Als er seinen Wunsch „die Urpferdchen laufen zu sehen“ vor Jahren artikulierte, war er belächelt worden. „Nun sind wir bald so weit,“ lacht jetzt er. „Die Grube Messel ist einmalig in Deutschland und eine Fossilienstätte von Weltgeltung“, sagte der Finanzminister bei seinem Besuch in der provisorischen Containerstation am Eingang der Grube, in der die Besucherströme momentan noch empfangen werden. Weimars Credo: „Ohne das Besucherzentrum mit seinem neuen Umfeld könnten die Funde in Zukunft nicht ihrer Bedeutung entsprechend präsentiert werden. Es ist eine Rieseninvestition in die Zukunft und ein phantastisches Ergebnis einer 20-jährigen Reihe von Entscheidungen.“

Und die waren heftig umstritten: Die Grube Messel, die wegen ihres Aufkommen an Braunkohle und Eisenerz bereits im 19. Jahrhundert ausgebeutet wurde, wurde in den 60er Jahren als kostbares Geotop entdeckt.

Kleinod sollte erst als Mülldeponie genutzt werden

Trotz spektakulärer Funde sollte das kulturhistorische Kleinod als Mülldeponie genutzt werden. Der rund 20 Jahre dauernde Kampf engagierter Bürger und Wissenschaftler gegen dieses Vorhaben zahlte sich aus: „1990 waren wir weit fortgeschritten in der Planung für eine Mülldeponie“, erinnert sich Weimar, den mit Messel ein besonderes Schicksal verbindet: „Damals erklärte ich als hessischer Umweltminister mein Nein!“ Im Folgejahr kaufte das Land das Terrain für fünf Millionen Mark an, 1992 wurde die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft zum Betreiber der Fossilienfundstätte.

Die Fossilien im Ölschiefer erzählen Geschichten in einem Umfang, wie sie an keiner anderen Fundstätte weltweit in solchem Umfang möglich sind“, sagte Gerd Mangel, Aufsichtsratsvorsitzender der „Welterbe Grube Messel gGmbH“, verantwortlich für die Vermarktung des Weltnaturerbes. „Das Klima, der Co2-Gehalt, die Weintrauben im Magen des Urpferdchens bis hin zu dessen Floh im Fell“, all diese Geheimnisse der Vergangenheit entlocken Wissenschaftler dem Ölschiefer.

In zunehmendem Maß gelingt es, die Öffentlichkeit für dieses Vermächtnis im ehemaligen Vulkansee des Eozäns zu begeistern: Wurden 1999 lediglich 5 600 Besucher gezählt, sind es aktuell bereits 48 000. Tendenz steigend. „Unsere Region touristisch zu vermarkten ist der richtige Weg für ein kulturhistorisches, geologisches und landschaftlich spannendes Gebiet“, sagte der Odenwälder Landrat Dietrich Kübler, „die Grube Messel ist der Leuchtturm.“

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