Lesung in JVA Dieburg: Autorin Ursula Teicher-Maier trägt mit ihrem Mann Texte von Häftlingen vor

Viel Einsamkeit zwischen den Zeilen

Ursula Teicher-Maier bei der Lesung in der Justizvollzugsanstalt Dieburg.

Dieburg - (jd)  Nein, ein Lieblings-Werk unter den Ergüssen ihrer Teilnehmer hat Ursula Teicher-Maier nicht. „Aber ich bin doch von der Qualität der meisten Texte überrascht. Sie überzeugen vor allem durch ihre Authentizität“, sagt die Dieburger Autorin.

Damit meint sie nicht nur die Gefangenen-Texte, die sie kürzlich bei einer Lesung in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Dieburg gemeinsam mit ihrem Mann Hans-Helmut Maier vortrug. Auch die meisten der anderen nicht vorgelesenen Werke seien hochwertig und würden oft sogar von großem „Formbewusstsein“ zeugen.

Nach der musikalischen Eröffnung in der Gefängniskirche durch die „Knast-Band“ las Hans-Helmut Maier zwar auch vier eigene Gedichte und Teicher-Maier ein eigenes, im Vordergrund standen aber die Texte der Insassen, bei denen der Autor in der Regel anonym blieb. Entstanden sind die in der Literaturgruppe der JVA, die Teicher-Maier – teils für einen geringen Betrag, teils ganz unentgeltlich - leitet.

Die Texte der Inhaftierten umfassen derweil ein Spektrum ganz unterschiedlicher Schreibweisen. Als „von lakonisch beschreibend über humorvoll und satirisch bis zart und gefühlvoll, gereimt und ungereimt“ klassifiziert Teicher-Maier die Texte der vermeintlich harten Jungs.

Sowohl Prosa als auch Lyrik ist dabei. Die Texte sind beispielsweise überschrieben mit „Denk mal an mich“, handeln vom Knast-Alltag, von der Einsamkeit der Gefangenen, von ihrer Wut über empfundene Entwürdigung, von ihrer Selbstreflexion, der Reue über Getanes, von ihrer Sehnsucht nach Freiheit und Zusammensein mit der Familie. „Ich sehe das Weiß der Decke, die Gitter vor dem Fenster“, textet etwa Häftling Norbert F. Und am Ende: „Was ich nicht sehe, bist Du“.

Die Texte der Häftlinge waren im Laufe des vergangenen halben Jahres unter der Leitung Teicher-Maiers entstanden. Wobei sie selbst „Leitung“ gar nicht sagen würde. „Ich habe nur versucht, mit wenigen Kreativitäts-Übungen die Autoren zum Schreiben anzuregen. Das ist nun gar nicht mehr nötig. Nun besprechen wir gemeinsam, ob ein Text seiner Absicht gerecht wird.“

Neben den aufmerksamen Häftlingen war auch Anne Sattig in die JVA eingeladen worden und lauschte der Lesung. Die Vorsitzende des Heimatvereins hatte früher ebenfalls viele Jahre lang Literaturgruppen im Gefängnis geleitet.

Die jetzige Lesung war durch die Zusammenarbeit Teicher-Maiers mit Ingrid Meradji zustande gekommen.

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