Ernstfall auf Aussiedlerhof üben

Wappnen gegen Tierseuchen

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Katastrophenschutzübung auf dem Dresselhof: Mehrere Feuerwehren des Landkreises übten die Eindämmung einer fiktiven Tierseuche.

Darmstadt-Dieburg - Die Aufgaben für die Blauröcke werden zusehends komplexer, Löscheinsätze machen nur noch ein Drittel der Einsätze aus.

Aus- und Fortbildung ist das Gebot für die Einsatzabteilungen, am besten im Schulterschluss mit den Kameraden aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg. Für eine Tierseuchenübung des Kreises machten am Samstag die Feuerwehren aus Groß-und Klein-Zimmern, Eppertshausen, Roßdorf, Pfungstadt, Gundernhausen, Spachbrücken, Zeilhard und Reinheim ihre Einsatzteams mobil. Szenario: Ein Seuche hat den Tierbestand auf einem Aussiedlerhof bei Reinheim befallen.

Jürgen Dressel stellte seinen Hof für die mehrstündige Übung zur Verfügung. Um das Übergreifen der Krankheit zu verhindern, richteten die Einsatzkräfte eine Rettungsschleuse ein. Wie die Gänschen bildeten die Einsatzfahrzeuge eine Warteschlange, um schließlich fachmännisch dekontaminiert zu werden. Die „Reinigungskräfte“ steckten in weiten Overalls, die kein Stück Haut preisgaben.

„Vorkehrungen wie im Krankenhaus“, schmunzelte Lang. „Das Wasser ist kontaminiert und wird daher in einem Kunststoffbecken aufgefangen“, erklärte Gemeindebrandinspektor James Bennett, der den Einsatz leitete. Weder in Groß-Zimmern, noch beispielsweise in Eppertshausen haben die Aktiven in den letzten Jahrzehnten eine Tierseuche in Haustierbeständen erlebt. Dass man im Ernstfall gewappnet sein muss, zeigten allerdings Erkrankungen im Wildtierbestand, wo das Vogelgrippevirus bis vor Kurzem wütete. „Wir haben einen hohen Geflügelbestand in Groß- und Klein-Zimmern“, sagte Tobias Lang - ein Überspringen des Virus hätte fatale Folgen gehabt.

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Für die Wehren im Ost- und Westkreis stehen regelmäßige Katastrophenschutzübungen auf der Agenda – praxisnah wird gemeinsam trainiert, was im Ernstfall zu leisten ist. Die Aufgaben sind komplex und erfordern ein hohes Maß an Improvisationstalent, gepaart mit fachlichem Wissen. Für ein ordentliches Arbeitspensum sorgten etwa Ende letzter Woche die vielen vom Eichenprozessionsspinner befallenen Bäume – zwei Tage lang war Zimmerns Einsatzabteilung gemeinsam mit dem Bauhofteam damit beschäftigt, Nester im öffentlichen Raum zu entfernen. „Wir sind bisher verschont geblieben“, sagte ein Roßdorfer Kollege dankbar, während man in Eppertshausen ebenfalls 45 Nester des Spinners entfernte.

Zaungästen, die am Samstag zum Aussiedlerhof Jürgen Dressels pilgerten, um eine mehrstündige Schutzübung mitzuerleben, bot sich ein interessanter Einblick in das umfangreiche Aufgabenpensum, dass Feuerwehren heute meistern müssen. Was im Verborgenen blieb: Das Gros der Einsatzkräfte arbeitet ehrenamtlich. In hessischen Kommunen gibt es nur sechs Berufsfeuerwehren, die übrigen 71[000 Kameraden sind unentgeltlich im Einsatz. Notfalls 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr. (ula)

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