Mit einer „langen Nacht der Sterne“

Esoc feiert in Darmstadt das 50-jährige Bestehen

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Für Kinder und Erwachsene gab es allerhand zu bestaunen bei der „langen Nacht der Sterne“ des Esoc: Hier das Miniaturmodell eines Smart Rovers.

Darmstadt - Europas Satelliten im Weltall sind ohne das Kontrollzentrum der Raumfahrtagentur Esa in Darmstadt nicht steuerbar. Das Esoc wird 50 – und feierte das Jubiläum gebührend mit Publikum. Von Axel Wölk 

Das Europäische Satellitenkontrollzentrum (Esoc) hat am Freitag sein 50-jähriges Bestehen mit einer „Langen Nacht der Sterne“ gefeiert. Zugleich öffnete die Tochter der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) bis spät in die Nacht ihre Pforten für interessierte Bürger. Diese konnten reichlich Politikprominenz erleben. Zum Geburtstag kamen extra Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier angereist. Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch lobte die Offenheit des Esoc, forderte aber auch zugleich energisch, mit Plänen für ein Besucherzentrum Ernst zu machen. Das Esoc ist aus der Rhein-Main-Region inzwischen nicht mehr wegzudenken. „Das Esoc macht uns stark“, gratulierte Bouffier mit einem Porzellanbembel, auf dem ein hessischer Löwe prangte, dem Hausherrn Rolf Densing und sprach von einem echten Garanten für den Wissenschaftsstandort Hessen. „Hier gab es Sternstunden der Raumfahrt.“ Er setzte das Zentrum aus unserer Region mit dem Maschinenraum für die europäische Raumfahrt gleich.

Das hörte Esoc-Chef Densing sicherlich nur zu gern. Für ihn war das größte Highlight seiner Institution die Rosetta-Mission des Jahres 2014, als erstmals in der Geschichte der Raumfahrt die Landung auf einem Kometen gelang. „Wir sind stolz auf uns“, sagte er dieser Zeitung. Im Vorjahr begann zudem die Mission Mars Express, dank der mittlerweile eine zweite Raumsonde der Europäer um den Roten Planeten kreist. Allerdings zeigte sich hier auch zugleich ein Rückschlag für die Hessen. Es misslang die Landung auf dem Mars, die für 2020 mit einem Rover aber fest anvisiert bleibt.

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In den Anfängen konzentrierte sich das Esoc unter seinem ersten Chef Kurt Debatin, der bis 1997 im Amt war, auf Wissenschaftsmissionen und Wettersatelliten. Später kamen dann zahlreiche andere Projekte in der Weltraumerkundung, der Erdbeobachtung und zunehmend auch Satelliten für kommerzielle Nutzungen etwa in der Telekommunikation dazu. Esa-Chef Jan Wörner blickte ein wenig politisch aufs Gründungsjahr 1967 zurück. „Damals war Kalter Krieg und es gab ein Wettrennen im All.“ Europa habe dem etwas entgegengesetzt und stattdessen etwas zusammen gemacht.

Genau das betonte auch Debatin, der Mann der ersten Stunde. Er sei ein Kind der Nachkriegszeit gewesen und ihn habe es fasziniert, an einer internationalen Kooperation in Europa teilzunehmen. Die Besucher bekamen derweil am Freitag einen Querschnitt aus aktuellen Raumfahrtthemen geboten. So konnten sie Einblick in das Herzstück des Hauses nehmen: das Kontrollzentrum. Von hier aus steuern die Hessen ihre mitunter weltbekannten Missionen. Aus diesem mit Computern und Anzeigen vollgepropften Raum kommt bei den Esoc-Missionen stets der erlösende Satz, der einen heiß ersehnten Erfolg markiert: „We have a mission.“ Aber die Weltrauminteressierten konnten auch eine Marslandschaft und eine simulierte Mondoberfläche in Augenschein nehmen.

Die Faszination Weltall soll in Darmstadt auch in Zukunft fortleben. Nach eigenem Bekunden gehen der Esoc noch lange nicht die Ideen aus. So soll in naher Zukunft der Planet Merkur ins Visier genommen werden. Von daher kann die Welt wohl noch häufiger von Missionen hören, die aus der Region Rhein-Main gelenkt werden.

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