Zentrum für seelische Gesundheit ausgelastet

Einrichtung hat sich etabliert

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Die farbenfreudigen Werke einiger Patienten konnten Besucher beim Sommerfest des Zentrums für seelische Gesundheit bewundern.

Groß-Umstadt/Dieburg - Das vor knapp drei Jahren eröffnete „Zentrum für seelische Gesundheit“ in Groß-Umstadt ist eine Erfolgsgeschichte: Die Belegung ist hervorragend. Von Ulrike Bernauer 

Laut Privatdozent Dr. med. Thomas Wobrock, dem Chefarzt der Klinik, schreibt sie zudem noch schwarze Zahlen. Man könnte sich freuen, wäre die Einrichtung nicht aus der Tatsache entstanden, dass es offensichtlich immer mehr Menschen gibt, die so ernsthafte psychische Probleme haben, dass sie vollstationäre Hilfe benötigen.

Zumindest kann den Betroffenen seit August 2011 im Ostkreis wohnortnah in drei Abteilungen, der Akutstation, der Station für Suchterkrankungen und Psychosen sowie der psychiatrischen Institutsambulanz, geholfen werden. Ursprünglich gab es 69 Betten in dem modernen und lichtdurchfluteten Haus, heute verfügt die Klinik über 76 Betten. „Damit sind wir aber auch an unserer Kapazitätsgrenze“, sagt Wobrock.

Jetzt feierte die Klinik ihr Sommerfest und gab damit Besuchern die Möglichkeit, sich das Haus anzusehen und in Kontakt zu kommen. Die Holzwerkstatt zeigte ihre Möglichkeiten und Oberärztin Dr. Katrin Hoberg hielt einen Vortrag über das Burn-Out-Syndrom.

Drei Jahre Arbeit, doch die Klinik ist immer noch im Aufbruch. Eingefahrene Strukturen gibt es noch nicht, dazu ist das Haus noch zu „jung“. Auch heute in Zeiten des Fachkräftemangels ist das Zentrum gut mit Personal ausgestattet. Auf Nachfrage – in den letzten Monaten machte ja auch immer wieder die Bezahlung, die nicht nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst erfolgt, von sich reden – erklärt Wobrock: „Wir bezahlen nicht schlechter als andere Häuser, bei uns gibt es allerdings keine Zusatzrente.“

Personal findet sich schwierig

Dass man trotzdem wenig Schwierigkeiten hat, Personal zu finden, liegt laut Chefarzt an den hohen Gestaltungsmöglichkeiten ihrer Arbeit für das Fachpersonal. Wenn jemand gute Ideen mitbringe, dann könne er sie auch umsetzen. Einige Ziele hat man sich auch mit dem bestehenden Personal gesteckt. Die Angehörigen sollen mehr in die Arbeit mit einbezogen werden, auch der Beruf in der Therapie mehr zur Sprache kommen.

Vom verstärkten Einsatz des systemischen Ansatzes spricht Wobrock, dabei verfolge man nicht hauptsächlich die Ursachensuche für ein Problem, sondern wie man mit dem Problem am besten umgehen könne. Eine Frage stellt der Chefarzt gerne: „Was würden Sie machen, wenn Sie morgen gesund waären“? In der Regel ist die Antwort „keine Ahnung“. Mit kleinen Schritten müssten die Patienten wieder aufgebaut werden und ins Leben zurück begleitet werden.

Dabei helfe auch die Tagesklinik in Dieburg im Alfred-Delp-Haus, die in Kürze ausgebaut werden soll. Die jetzt 17 Plätze sollen auf 23 erhöht werden, wenn im Herbst neue Räumlichkeiten frei werden. Das entlastet dann auch die Klinik in Groß-Umstadt, in der zurzeit sechs Patienten in Vorbereitung für die Tagesklinik sozusagen „nebenher mitlaufen“.

Auch sonst will Wobrock die Nachbetreuung von Patienten verbessern. So sollen künftig mehr Schwerstalkoholabhängige auch nach ihrer Entlassung intensivere Aufmerksamkeit erfahren. „Wenn die ehemaligen Patienten medikamentös behandelt werden und täglich zur Blutuntersuchung und zur Einnahme ihres Medikaments in die Klinik kommen, sind die Chancen besser, dass sie ihre Sucht in den Griff bekommen“, sagt Wobrock.

"Angekommen im Netzwerk"

Insgesamt ist der Chefarzt zufrieden mit dem, was in den drei Jahren erreicht wurde. Die Kontakte zu anderen Institutionen, die sich um psychisch Erkrankte kümmern, sind gefestigt, von vielen anderen Einrichtungen, wie beispielsweise Diakonie und Caritas, waren Vertreter anwesend beim Fest. Wobrock: „Wir sind angekommen im Netzwerk.“

Eines der Ziele, kostendeckend zu arbeiten, ist ebenfalls erreicht. Dazu tragen die Belegungszahlen, die 2013 bei 98 Prozent lagen bei, aber auch die Tatsache, dass es in seinem Fachgebiet ganz klare Qualitätsmerkmale gibt, die dann von den Kassen auch angemessen bezahlt werden. Dennoch hat sich jetzt ein Unterstützerverein „Grünes Haus“ gegründet, der Mitgliedsbeiträge und Spendenbeiträge sammeln will. „Damit wollen wir die Freizeitangebote für Patienten verbessern oder mal ein Konzert im Haus geben können.“

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