Kurioser Körpertausch

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Kapitaler Kurzschluss: Fabrikant Heppelmann ( Michael Hiller) und Girlie Nelli ( Kim Zarah Langner) wechseln die Identitäten. 

Frankfurt - Dass der Klofabrikant Hubertus Heppelmann auf der Suche nach seinem urlaubenden Anwalt ausgerechnet im andalusischen Kaff San Miguel strandet, mag ihm nicht gefallen, ist in „Das andalusische Mirakel“ in der Frankfurter Komödie aber Anlass für köstliche Verwicklungen. Von Maren Cornils

Hubertus Heppelmann ist der Inbegriff eines Deutschen, wie man ihn sich in Europas südlichen Gefilden vorstellt – und leider auch oft genug findet: Er besitzt eine stattliche Plauze, ist ziemlich griesgrämig, verfügt nicht mehr über allzu viele Haare, dafür aber über eine unumstößliche Meinung über Südeuropäer, trägt Männerhandtasche und beige Sandalen.

Mit Pupsi auf den Weg an die Algarve

Genau diesem Prachtexemplar von Mann läuft die naive Nelli (Kim Zarah Langner) über den Weg, die sich samt Rucksack, Isomatte und Plüschscheußlichkeit Pupsi unterwegs an die Algarve wähnt. Für Nelli, die alles „krass geil“ findet, kein Problem. Für Heppelmann (Michael Hiller) schon, denn das ungleiche Paar muss sich nicht nur eine Hotelzimmer genannte Bruchbude teilen, sondern auch die darin stehende schmale Pritsche. Was schlimm genug wäre, würde die beiden nicht auch noch das „Wunder von San Miguel“ ereilen: Nach einem spektakulären Kurzschluss findet sich nämlich Nelli in Hubertus’ Körper wieder und Hubertus in dem der Lebenskünstlerin. Was keinen der beiden begeistert, schließlich steht Hubertus weder das knappe gelbe Prinzessinnen-Glitzershirt von Nelli, noch deren Wortschatz gut zu Gesicht. Und auch die naive Göre trägt schwer am feisten Körper eines 50-Jährigen. Als auch noch Nellis Schwarm Benny (Raphael Grosch) und Hubertus’ Ehefrau (Stephanie Theiß) auftauchen, kommt es noch schlimmer.

Frech und unkonventionell

„Das andalusische Mirakel“ hebt sich wohltuend von gängigen Boulevardstoffen ab, in denen es um fröhliche Betrügereien und einen bunten Beziehungsreigen geht. Die vom Autorengespann Lars Albaum und Dietmar Jacobs erdachte und von Manfred Langner inszenierte Body-Switch-Komödie arbeitet zwar mit dem etwas abgegriffenen Körpertausch-Thema, kommt aber selten wortwitzig, frech und unkonventionell (schon beim Bühnenbild) daher.

Wie in einer Screwball-Komödie aus den 1940er-Jahren sind die Dialoge mit Gags gewürzt – ein Vergnügen für die Zuschauer, die den temporeichen und bissigen Generationen- und Geschlechterkampf sichtlich erheitert verfolgen. Ganz ohne Arbeit freilich darf nicht gelacht werden, denn „das Mirakel“ ist interaktiv. Eine Komödie, die insbesondere mit Michael Hiller als Sanitär-Misanthrop genial besetzt ist und zeigt: Das Lustspiel ist keine aussterbende Gattung. Es gehört nur ordentlich entrümpelt!

 Noch bis 17. März. Karten unter der Nummer  069/284580.

Quelle: op-online.de

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